Blutzuckerwerte - Verständlich Erklärt

Die Blutzuckerwerte zeigen den Glukosegehalt im Blut an. Diese können im Vollblut oder im Rahmen der Selbstkontrolle kapillar (Ohrläppchen oder Fingerbeere) bestimmt werden.

Die Blutzuckerwerte sollten nüchtern zwischen 70 und 99 mg/dl liegen (beim Säugling sind die Normalwerte etwas niedriger und erreichen im Laufe des Lebens Erwachsenenwerte).

von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Nach dem Essen sollte der Wert auf maximal 160 mg/dl ansteigen. Alles darüber kann für eine gestörte Glukosetoleranz oder sogar einen Diabetes mellitus sprechen. Ebenso sind aber auch Unterzuckerungen möglich. Dabei ist jeder Wert unter 40 mg/dl und Werte zwischen 40 und 50 mg/dl mit entsprechenden Symptomen definierend.

Ein spezieller Wert - das HbA1c - spiegelt das "Blutzucker-Langzeitgedächtnis" über circa drei Monate wieder.

Es wird ein Teil des Hämoglobins gemessen, welches durch erhöhte Blutglukosespiegel "gezuckert" wurde. Daher entspricht der Gedächtniszeitraum der Überlebenszeit von roten Blutkörperchen (Hämoglobin ist einer der Hauptbestandteile).

Überzuckerung (Hyperglykämie)

Überzuckerung (Hyperglykämie): Typisches Symptom ist ein vermehrter Harndrang (Polyurie) bis hin zur Austrocknung. Daraus resultiert oft ein sehr starker Durst (Polydipsie). Dies kommt daher, dass der Zucker nach Überschreiten der Nierenschwelle (ca. 180 mg/dl) über den Urin ausgeschieden wird. Glucose ist stark osmotisch wirksam und nimmt daher viel freies Wasser mit. Wird die alternative Energiegewinnung aus Fetten im Rahmen eines Diabetes mellitus angekurbelt (Ketonbildung), kann es zu Übelkeit, Erbrechen bis hin zum Koma kommen, da der Körper übersäuert (Azidose). Die sauren Valenzen werden über die Atmung abgegeben, daraus ergibt sich die typische tiefe Kussmaul-Atmung.

Die häufigste Ursache für einen zu hohen Blutzuckerspiegel ist der Diabetes mellitus. Es handelt sich um eine Krankheit, die mit einem Insulinmangel einhergeht. Insulin wird aber benötigt, um die Glucose in die Zellen zu verschieben. So entstehen hohe Glucosespiegel im Blut.

Nüchternwerte über 110 mg/dl und Werte von über 140 mg/dl nach dem Essen gelten als verdächtig, jeder gemessene Wert über 200 mg/dl ist beweisend für einen Diabetes mellitus. Auch Stresshormone (vor allem Glukocorticoide) erhöhen den Blutzuckerspiegel, um dem Körper Energie bereitzustellen. Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen oder im Rahmen von massivem Stress (z.B. Trauma, Krankheit, nach Operationen und psychischer Stress) kann es zu einer überschießenden Reaktion kommen.

Eine typische Stoffwechselerkrankung ist der Morbus Cushing, bei dem isoliert Cortison vermehrt produziert wird. Ähnlich wirkt entsprechend eine Cortisontherapie oberhalb der "Cushing-Schwelle".

Seltene Ursachen sind ein ausgeprägter Chrom-Mangel und Vergiftungen (z.B. Pentachlorphenol aus Holzschutzmitteln).

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Unterzuckerung (Hypoglykämie): In der Regel beginnt eine Unterzuckerung mit Unruhe - teilweise mit Aggressionen, Heißhunger und Schweißausbrüchen.

Kompensatorisch steigt der Blutdruck, die Atem- und Herzfrequenz durch Stresshormonausschüttung an. Sinkt der Blutzuckerspiegel weiter ab, so kommt es zu Verwirrtheit, Lähmungen, Krampfanfälle bis hin zum Koma. Eine Unterzuckerung wird von dem Körper wesentlich schlechter toleriert, als ein zuviel an Glucose in der Blutbahn. Meist kommt es im Rahmen einer Diabetestherapie zur Hypoglykämie. Vor allem wenn der Spritz-Ess-Abstand verlängert wurde, eine Mahlzeit bei unveränderter Therapie ausgelassen wurde, allgemein bei vermehrter sportlicher Betätigung und unter der Behandlung mit langwirksamen Insulinen oder Sulfonylharnstoffen (diese Form der Unterzuckerung tritt bevorzugt nachts oder in Zeiten mit reduzierter Nahrungsaufnahme auf).

Auch können Lebensmittel mit hohem glykämischen Index (z.B. Süßigkeiten) reaktiv eine vermehrte Insulinausschüttung auslösen und so zu einer postprandialen Unterzuckerung führen. Dies kann gesunde Personen betreffen, aber auch bevorzugt Menschen in der Vorphase eines Diabetes mellitus.

Einige Medikamente haben eine Hypoglykämie in ihrem Nebenwirkungsprofil. Neben den Diabetesmedikamenten ist eine Unterzuckerung bei Einnahme von ASS, Beta-Blockern, einigen Antibiotika (Sulfonamide, Chinolone) und Malariamedikamenten möglich. Auch Alkohol kann zu einer Unterzuckerung führen, da im Prinzip der Alkoholabbau die Leber so stark beschäftigt, dass diese nicht mehr der Blutzuckerregulation (im Sinne einer Glucoseneubildung und –mobilisation) nachkommen kann.

Eine Sonderform ist die Hypoglykämie beim Neugeborenen. Diese tritt vor allem bei Kindern von zuckerkranken Müttern auf. Das Kind war während der Schwangerschaft an erhöhte Blutzuckerspiegel angepasst und hatte entsprechend vor der Geburt hohe Insulinspiegel. Fällt nun die hohe Glukosezufuhr durch die Mutter weg, wirkt das Insulin weiter und es kommt zur Hypoglykämie.

Seltene Ursachen sind Malabsorptionssyndrome (z.B. bei Zöliakie oder Morbus Crohn, die Insulinausschüttung wird durch den Nahrungsreiz getriggert, aber eine Resorption der Kohlenhydrate bleibt aus. Es kommt zu einer Unterzuckerung, die immer kurz nach der Nahrungsaufnahme auftritt.), das Insulinom (ein insulinproduzierender Tumor in der Bauchspeicheldrüse) oder der Morbus Addison (Nebenniereninsuffizienz mit daraus resultierendem Mangel an Glukocorticoiden).

weitere Themen sind: Eiweißwerte im Blut - Bilirubinwerte - Cortisolwerte

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 31.07.2012 aktualisiert

René Gräber