Kinesiologie - Was es ist und Wie es angewendet wird

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die angewandte Kinesiologie (nach gr. kinesis, Bewegung) zählt zu den alternativmedizinischen Therapieverfahren, einer Methode, die neue körperliche, energetische und mentale Vitalität und Beweglichkeit anregen soll.

Diese Therapie folgt der Ausgangsthese, dass gesundheitliche Probleme in Schwächen und Funktionsbeeinträchtigungen ausgewählter Muskelgruppen ihren unmittelbaren Ausdruck finden. Ein spezieller kinesiologischer Muskeltest lokalisiert und diagnostiziert diese Beeinträchtigungen.

Hierzu bedient sich dieser ganzheitliche Therapieansatz Erkenntnissen der Meridian- und Elementenlehre, die den Energiebegriff im Sinne von durch Lebensbahnen fließender Lebensenergie, sprich Qi, versteht. Der kinesiologische Muskeltest spürt fehlende Balancen und Dysfunktionen, sowohl physischer als auch psychischer Art, auf.

Auf diese Weise können individuell passende Substanzen und Therapieansätze ermittelt werden - eine Art Biofeedbacksystem, das sichtbar macht, wie ein Muskel auf körperliche und psychische Stressreize in Form von Substanzen, Informationen oder auch Emotionen mit einer Art Nachgeben reagiert. Diese Reaktion wird durch das autonome Nervensystem ausgelöst und ist willentlicher Steuerung durch den Verstand nicht zugänglich.

Bestimmte Muskelpartien fungieren hier als Indikatormuskeln, wie z. B. der Arm-Deltamuskel (bekannt als "Armtest"), der einem bestimmten Druckreiz ausgesetzt wird: Der Indikatormuskel zeigt sich entweder als stark, also druckresistent oder nachgiebig und antwortet somit auf die zuvor definierte, binäre Frage mit „ja/nein“, „stark/schwach“ oder auch „unschädlich/schädlich“. Der Armtest ermittelt das am besten für den jeweiligen Patienten geeignete pflanzliche oder homöopathische Medikament oder Vitamin, stellt Diagnosen bei Allergien und benennt psychische Blockaden.

In den 1960ern entwickelte der US-amerikanische Chiropraktiker George Goodheart (1918 – 2008) diesen Ansatz, nachdem er bei Patienten, die über Schulterschmerzen klagten, Schwächen und Verhärtungen der lokalen Muskulatur festgestellt hatte. Nach einer Reihe von Massageanwendungen gingen nicht nur die Schmerzen deutlich zurück: Auch die Muskelkraft war wieder hergestellt.

Der Mediziner ergänzte seinen strukturell-funktionalen Ansatz nach und nach durch weitere therapeutische Methodenelemente wie Aspekte der Lymphabfluss-Stimulation Frank Chapmans und der Durchblutungsanregung, entwickelt durch Terrence Bennett. Auch die Meridianlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin, Aspekte der craniosakralen Osteopathie sowie Elemente der orthomolekularen Medizin wurden durch Goodheart in das Therapiekonzept der Kinesiologie aufgenommen.

Goodhearts Lehre wurde in unterschiedlichen Formen durch seine Schüler Thie, Diamond, Dennison und Kinghardt (Bereich Psychokinesiologie) weiterentwickelt. Diese Variantenvielfalt trug dazu bei, dass nunmehr nicht ausschließlich Mediziner, sondern auch Laien diese Methode eingesetzten, was dieser Therapieform zu weitreichender Popularität und Akzeptanz verhalf.

Die Therapievariante Touch for Health ordnet bestimmte Muskelgruppen den Meridianen zu und ist imstande, ein Übermaß wie auch einen Mangel an Energie zu diagnostizieren. Die Berührung bestimmter Reflexpunkte leitet den Heilungsprozess ein.

Die Edu-Kinestetik nach Dennison wird bei Lernproblemen und Hyperaktivität angewendet: Bewegung verbessert Motivation und Aufnahmefähigkeit. Die Psycho-Kinesiologie sowie die Integrative Kinesiologie mit integrierter Gesprächstherapie widmen sich dagegen den psychischen Blockaden. Weitere Konzepte sind NAET, eine Therapieform zur Behandlung von Allergien sowie Brain Gym zur Verbesserung mentaler Leistungsfähigkeit.

Goodhearts Schüler gründeten das ICAK (International College of Applied Kinesiology) sowie die IÄAK (Internationale Ärztegesellschaft für Applied Kinesiology). In Deutschland wird zur fachgerechten Bezeichnung der Methode der englische Begriff Applied Kinesiology verwendet. Nicht nur zahlreiche Ärzte und Heilpraktiker, sondern auch viele Weiterbildungsinstitute lehren die moderne Kinesiologie.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dieser Therapieform derzeit leider noch nicht: Aber auch sie empfehlen die Kinesiologie als eine Methode, die die persönliche Alltagsgestaltung ausgesprochen positiv bereichern kann.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.07.2012 aktualisiert