Pankreatits: Die Bauchspeicheldrüsen-entzündung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die im Retroperitoneum (hinter dem mit Bauchfell ausgekleideten Raum) gelegene Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wiegt ca. 80 g und befindet sich in der Nähe des Magens und des Darms. Die verschiedenen endokrinen (Hormonproduktion) und exokrinen (Enzymproduktion) Funktionen des Pankreas dienen v.a. der Verdauung (u.a. durch Trypsin, Amylase und Lipase) sowie der Aufrechterhaltung eines konstanten Glukosespiegels (mit Hilfe der Hormone Insulin und Glucagon).

Die Pankreatitis (auf deutsch: Bauchspeicheldrüsenentzündung) zählt mit einer Inzidenz von ca. 40 / 100.000 Einwohner pro Jahr zu den häufiger diagnostizierten Erkrankungen des menschlichen Organismus und weist besonders in den westlichen Ländern eine Zunahme auf. Dabei gibt es eine plötzliche (akute Form) und eine wiederkehrende Variante (chronische Form) dieser Bauchspeicheldrüsenerkrankung.

Hauptauslöser der Entzündung sind v.a. Gallenwegserkrankungen und Alkoholmissbrauch. Der Gallenblasengang endet gemeinsam mit dem Gang der Bauchspeicheldrüse im Duodenum (Zwölffingerdarm). Durch Verlegung dieses Ganges (z.B. durch Gallensteine) wird ein Rückstau von Gallenflüssigkeit erzeugt, der in der Bauchspeicheldrüse zu einer Entzündung führt. Diese Form zeigt sich vermehrt bei Frauen, während es bei Männern hauptsächlich durch Alkoholgenuss zu einer Pankreatitis kommt. Nahezu 35 Prozent aller Fälle sind auf einen Alkoholabusus zurückzuführen, wobei häufig eine akute Entzündung in die chronische Form übergeht.

Eine durch Stoffwechselstörungen verursachte Pankreatitis zeigt sich u.a. bei Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel), genetischer Belastung (Vererbung erfolgt autosomal-dominant), Fettstoffwechselerkrankungen, bestimmten Medikamenten (z.B. Diuretika, Betablocker) oder nach einem Skorpionstich (durch das Gift).

Weitere mechanische Ursachen neben Gallensteinen sind z.B. Bauchverletzungen, Operationen im Bauchraum, das Pankreaskarzinom, endoskopische Eingriffe (ERCP) oder die Verengung des Duodenums.
Auch Durchblutungsstörungen (z.B. Arteriosklerose) sowie bestimmte Infektionen (u.a. Mumps) führen in seltenen Fällen zu einer Pankreatitis.

Je nach akuter oder chronischer Pankreatitis zeigen sich unterschiedliche Symptome, wobei beide Formen durch starke Oberbauchbeschwerden (Bauchschmerzen) und einem Anstieg von Pankreasenzymen im Blut (Bluwerte) und im Urin gekennzeichnet sind.

Die Mehrzahl der Betroffenen klagt zu Beginn über gürtelförmig (bis in den Rücken) ausstrahlende Schmerzen mit kolikartigem Charakter. Druck auf den aufgeblähten, aber weichen Bauch führt zu einer Schmerzzunahme. Zusätzlich entwickeln sich Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Darmatonien (Lähmungen, die zu einem Verschluss führen = Ileus). Es zeigen sich ein Temperaturanstieg - Fieber, gesenkter Blutdruck und Herzrhythmusstörungen.

Durch dauerhafte Reizung entwickelt sich die chronische Pankreatitis, bei der die Schmerzsymptomatik verändert ist. Neben schmerzfreien Intervallen zeigt sich ein über Tage andauernder Druckschmerz. Fettreiche Speisen werden nicht mehr richtig verwertet, neben weiter bestehender Übelkeit und Brechreiz zeigen sich hier vermehrt Durchfall und Fettstühle. Es kommt zu einer Gewichtsabnahme bei gleichzeitig aufgetriebenem Leib. Durch die bereits schwer geschädigte Bauchspeicheldrüse entwickelt sich häufig zusätzlich ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Auch kommt es zu Wassereinlagerungen (Ödeme).

Die fortschreitende Zerstörung des Bauchspeicheldrüsengewebes kann zu weitreichenden Komplikationen führen. Es kommt v.a. zu Eiterbildungen, bakteriellen Infektionen und plötzlich auftretenden Blutungen sowie einem lebensbedrohlichen Kreislaufschock (Kreislauferkrankungen).

Neben Anamnese und Laborwerten (Enzyme, Entzündungswerte, v.a. CRP) zeigt das Ultraschallbild z.B. Steine. Daneben werden CT und MRT sowie endoskopische Untersuchungsmethoden angewandt, um differentialdiagnostisch u.a. eine Appendizitis (Blinddarmentzündung), Nierenkoliken (Nierenkrankheiten) oder Gallenkoliken, Darmerkrankungen, gynäkologische Beschwerden oder Herzinfarkt sowie einen Lungeninfarkt (siehe auch Lungenkrankheiten) ausschließen zu können.

Die Therapie richtet sich nach der fortgeschrittenen Zerstörung der Bauchspeicheldrüse. Nahezu 15 Prozent aller akuten Bauchspeichelentzündungen enden letal, bei chronischer Pankreatitis zeigt sich vornehmlich eine verkürzte Lebenserwartung. Es wird eine konservative Therapie angestrebt, bei der zu Beginn eine absolute Nahrungskarenz (Nulldiät, unterstützt durch Infusionen) einzuhalten ist. Im Anschluss erfolgt eine Umstellung der Lebensgewohnheiten (Verzicht auf Alkohol und Kaffee, Ernährungsumstellung).

Zusätzlich werden schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt, Pankreasenzyme werden oral verabreicht. Gallensteine werden u.U. operativ (minimalinvasiv) entfernt. Bei fortgeschrittener Zerstörung erfolgt eine operative Entfernung (teilweise oder total) des Pankreas.

siehe auch: Bauchspeicheldrüsenschwäche

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 06.06.2012 aktualisiert