Darmerkrankungen

Blinddarmentzündung - Appendizitis Symptome - Verlauf - Therapie


von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Die Blinddarmentzündung (Appendizitis) ist die häufigste Ursache für operative Eingriffe im Bauchraum, sie verursacht nahezu die Hälfte aller unter dem Begriff „Akutes Abdomen“ gekennzeichneten Beschwerden. Die deutsche Übersetzung ist dabei eher umgangssprachlich zu betrachten, da der Blinddarm eigentlich der Anteil des Dickdarms ist, der zwischen Dünndarmübergang und Appendix liegt und das kleine Anhängsel am Dickdarm der Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) ist.

Ursache

Der Wurmfortsatz befindet sich am Anfang des (aufsteigenden) Dickdarms (Colon ascendens) in der Nähe des Dünndarmübergangs. Er ist ein ca. Kleinfinger dickes, zwischen zwei und 20 Zentimeter langes und am Ende verschlossenes Hohlorgan ohne Funktion, weshalb eine Entfernung in der Regel auch ohne Folgen für den Betroffenen bleibt. Die Lage des Wurmfortsatzes ist sehr variabel, er kann vor, auf oder hinter dem Dickdarm liegen und ist zum Teil vollständig mit diesem verwachsen, was bei einer minimalinvasiven Entfernung unter Umständen für Probleme sorgen kann.

Die Appendizitis kann in jedem Alter auftreten, weist aber einen Erkrankungsgipfel zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Daneben erkranken vermehrt Kindern um das zwölfte Lebensjahr herum. Insgesamt liegt die Erkrankungsrate in der Bevölkerung bei ca. sieben Prozent.

Die Entzündung am Wurmfortsatz entsteht durch verschiedene Ursachen, dabei ist die Diagnose nicht immer eindeutig. Weist die betroffene Person Anzeichen einer akuten Appendizitis auf, wird der Arzt sich grundsätzlich für die Entfernung entscheiden. Die häufigste Ursache ist die Verstopfung mit Kotsteinen, die nicht mehr eigenständig aus dem Hohlorgan gelangen und dieses reizen. Durch Lageanomalien oder Drehungen kann der Wurmfortsatz auch abknicken und einem möglichen Inhalt den Ausgang zum Dickdarm zurück versperren. Seltener sind Entzündungen der Appendix infolge unverdaulicher Nahrungsmittel (z.B. Kirschkerne), von Tumoren oder auch einem Befall mit Parasiten. Die im „Blinddarm“ verbleibenden Fragmente oder Wucherungen führen zu einer permanenten Reizung der Schleimhaut. Diese reagiert mit Sekretion und führt zu einer Zunahme der Entzündung. Weitere (eher seltene) Ursachen für eine Appendizitis sind der Befall mit Bakterien (z.B. Enterokokken, Kolibakterien) sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, die in ihrem Verlauf auch den Wurmfortsatz in Mitleidenschaft ziehen.

Symptome

Eine Blinddarmentzündung verursacht hauptsächlich Beschwerden, die der Erkrankung nicht eindeutig zugeordnet werden können. Hierzu zählen Appetitlosigkeit, Übelkeit, Unwohlsein, Erbrechen und eine leicht erhöhte Körpertemperatur - Fieber. Zum Teil kommt es zu Durchfällen oder auch Verstopfungen. Der Puls ist beschleunigt, die Schweißproduktion ist gesteigert (vor allem nachts). Im Bereich des Magens, des Bauchnabels oder des rechten Unterbauchs entwickelt sich ein ziehender oder drückender Schmerz, der sich bei Bewegung oder im Gehen verstärkt. Innerhalb der nachfolgenden Stunden ist dieser Schmerz eindeutig im rechten Unterbauch lokalisierbar, durch Anbeugen des rechten Knies wird dieser gemildert. Die klassische Entzündung ist gekennzeichnet durch eine starke Rötung und Schwellung. Daneben können sich aber auch Schleim und Eiter (in Form von Abszessen) bilden, die den Darm forciert reizen.

Bei schwangeren Frauen kann der Darm insgesamt durch das neu entstehende Leben nach oben verdrängt sein. Hierdurch verlagern sich die Beschwerden ebenfalls weiter nach oben und sind so schwerer zu lokalisieren bzw. kaum einer Entzündung des Wurmfortsatzes zuzuordnen.

Im hohen Alter reagieren Menschen weniger ausgeprägt auf die Entzündung, die normalerweise in Erscheinung tretenden Symptome sind gemildert oder erscheinen gar nicht (z.B. kommt es in nur sehr seltenen Fällen zu Fieber).

Generell sollte bei Verdacht einer Unstimmigkeit immer ein Arzt aufgesucht werden. Die Appendizitis verläuft in mehreren Stadien und kann dabei durch die zunehmende Schädigung der Darmwand zu einem Aufbrechen (Perforation) dieser führen. Hierdurch kann es zu lebensbedrohlichen Folgeerscheinungen durch den in die Bauchhöhle eintretenden Darminhalt (Peritonitis = Bauchfellentzündung) kommen.

Diagnose

Die Appendizitis ist nicht immer eindeutig abklärbar. Der untersuchende Arzt wird in der Anamnese nach den genauen Beschwerden fragen und wann diese in Erscheinung treten. Im Blutbild lassen sich eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) und weitere Entzündungsparameter nachweisen. Durch die Sonographie kann ein vergrößerter Wurmfortsatz (sofern er nicht hinter dem Darm liegt) dargestellt werden. Auch eine CT oder diagnostische Laparoskopie sind möglich. Die klassischen Druckpunkte (McBurney, Lanz) sowie verschiedene Schmerzprovokationstests können den Verdacht unterstützen, treten jedoch nicht immer auf und gelten insgesamt als nicht gesicherte Anzeichen. Hierbei werden verschiedene Stellen im Bereich des Wurmfortsatzes gedrückt oder beklopft, um Schmerzen oder Reaktionen auszulösen. Beim Psoas-Schmerz z.B. wird das rechte Bein erst vollständig angewinkelt und anschließend ausgestreckt, wodurch ein starker Schmerz in der Region des Wurmfortsatzes entsteht. Frauen im gebärfähigen Alter erhalten grundsätzlich eine gynäkologische Untersuchung, da eine Eileiterschwangerschaft in ihrer Symptomatik einer Appendizitis sehr ähnelt.

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Therapie

Die Appendektomie (Entfernung des Wurmfortsatzes) kann in zwei unterschiedlichen Methoden erfolgen. Bei der klassischen Operation wird ein kleiner Bauchschnitt gemacht, über den der Operateur freie Sicht in den Situs erhält. Bei der Laparoskopie wird die Bauchhöhle mit CO2 gefüllt und am Monitor dargestellt. Der Operateur setzt dazu drei kleine Schnitte, in die er Trokare einführt. Über diese kann er nun eine Kamera sowie die benötigten Instrumente in den Bauchraum einführen. Die Methode ist schonender und verursacht nur sehr kleine, kaum sichtbare Narben. Anschließend wird der entfernte Wurmfortsatz zur histologischen Untersuchung gegeben, da eine Entzündung nicht immer erkennbar ist oder zum Teil auch andere Störungen des Bauchraums die Symptomatik verursachen.

Die Ausheilung der Operationswunde ist in der Regel komplikationslos. Nur in wenigen Fällen kann es durch die Manipulation im Bauchraum zu Verwachsungen und Narben kommen, die unter Umständen revidiert werden müssen.

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