Durchblutungsstörungen: Entstehung, Symptome, Therapie


Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Durchblutungsstörungen zeigen sich vermehrt in Industrienationen und gelten dort als Volkskrankheit Nummer ein. Fast jeder zweite Todesfall kann auf eine Erkrankung des Gefäßsystems zurückgeführt werden.

Verschiedene Umstände, Organerkrankungen und Risikofaktoren führen zu einer Veränderung der Gefäße, hauptsächlich sind dies Ablagerungen (Verkalkungen). Sie Verstopfen den Blutweg und verhindern oder reduzieren so eine ausreichende Versorgung des Organismus mit Blut und dem darin transportierten Sauerstoff. Lebenswichtige Funktionen werden gestört, es drohen weitreichende Folgeerkrankungen.

Durchblutungsstörungen treten akut (plötzlich) oder chronisch (in einem langsamen Prozess) auf. Da der gesamte menschliche Körper von einem kilometerlangen Gefäßsystem durchzogen ist, kann sich die Erkrankung überall entwickeln. Je nach Lokalisation der Störung unterscheidet man den Beckentyp (35 Prozent der Fälle), den Oberschenkeltyp (fast 50 Prozent), den peripheren Typ (ca. 15 Prozent) sowie den Mehretagentyp (in verschiedenen Regionen lokalisiert, ca. 20 Prozent). Bei den Extremitäten sind hauptsächlich die Beine betroffen, Hand und Arm sind eher selten.

Die Erkrankung zeigt sich vermehrt mit zunehmendem Alter und weist dabei eine Geschlechtsspezifität auf. Männer erkranken ca. vier Mal so oft an Durchblutungsstörungen als Frauen. Im Alter zwischen 60 und 70 leiden nahezu 25 Prozent an der Krankheit.

Gefäßveränderungen entstehen hauptsächlich auf der Basis von Embolien (verursachen einen akuten Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel), Arteriosklerosen (Gefäßverkalkungen an den Innenwänden von Gefäßen, ca. 95 Prozent zusammen mit Embolien) oder Vaskulitiden (Gefäßentzündungen, ca. 5 Prozent). Begünstigend wirken dabei Nikotinkonsum, Übergewicht, Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit, Risiko ist um das 15-fache erhöht), erhöhte Cholesterinwerte, Bewegungsmangel und eine insgesamt ungesunde Lebensweise (z.B. fettige Nahrungsmittel, Alkohol).

Bereits bestehende Erkrankungen wie z.B. Anämie (Blutarmut), Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen, wirken zusätzlich limitierend auf die Sauerstoffversorgung und schränken den Betroffenen durch Auswirkungen auf den Allgemeinzustand weiter ein.

Symptome einer Durchblutungsstörung

Das sich zeigende klinische Bild richtet sich nach dem Ort der Durchblutungsstörung.

Ein in den Arterien einer Extremität lokalisierter akuter Verschluss führt zu einem typischen Symptomkomplex, der innerhalb von Minuten zu Schmerzen in der betroffenen Region mit Pulsverlust, Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche oder Lähmungserscheinung, blasser und kalter Extremität sowie u.U. zum Schock führt.

Die sich über einen langen Zeitraum entwickelnde chronische (periphere) Verschlusskrankheit (pAVK) wird in vier Stadien (nach Fontaine) unterteilt. - Schaufensterkrankheit

Während das Stadium I Gefäßveränderungen beinhaltet, die keine Symptome verursachen, zeigen sich bereits in Stadium II bewegungsabhängige Schmerzen v.a. in den Beinen. Diese treten vermehrt beim Laufen auf und lassen den Betroffenen häufig Rast machen = Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit).

In Stadium III kommt es auch zu Schmerzen in Ruhephasen, die aber z.B. durch Hochlagern der betroffenen Extremität wieder nachlassen.

Stadium IV führt neben den Schmerzen zu weiteren Anzeichen. Das betroffene Gewebe wird geschädigt, es zeigen sich Geschwüre und Nekrosen mit schlechter Heilungstendenz. Es droht der vollständige Gewebeuntergang mit Verlust der betroffenen Region (z.B. Zeh, Vorfuß, Unterschenkel). Hoch- oder Ruhiglagern bringt keine Symptomlinderung.

Neben der Durchblutungsstörung von Extremitäten können auch Gefäße der Darmversorgung betroffen sein. Durch Störung oder Verschluss der Viszeralarterien kommt es zu kolikartigen Bauchschmerzen (v.a. nach Nahrungsaufnahme), Übelkeit und Erbrechen. Im Verlauf kann die Darmpassage gestört sein, ein Ileus (Darmverschluss) (siehe: Darmerkrankungen) droht. U.U. stirbt der betroffene Darmabschnitt ab und muss operativ entfernt werden.

Die Durchblutungsstörung des Herzmuskels zeigt sich v.a. in Form der koronaren Herzkrankheit (KHK). Diese führt zu Brustschmerz mit Angina pectoris-Symptomen und kann im äußersten Fall einen Herzinfarkt verursachen.

Anamnese und Inspektion weisen häufig schon in Richtung Durchblutungs-störung. Zusätzlich erfolgen die Kontrolle des Blutdrucks (ggfs. Blothochdruck) sowie die Gefäßdarstellung mittels Sonographie (Gefäßdoppler) und Angiographie (Darstellung durch Kontrastmittel).

Therapie einer Durchblutungsstörung

Die Therapie wird symptomatisch als auch kausal erstellt. Durch die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten soll der Blutfluss erhöht werden. Ablagerungen können so durch den stärkeren Strom ggf. abgetragen werden. Zusätzlich werden schmerzlindernde und entzündungshemmende Präparate eingesetzt.

Auch die Hochlagerung einer betroffenen Extremität kann Linderung bringen. Daneben werden Physio- und Bewegungstherapie verordnet. Durch eine Umgestaltung des Lebenswandels können viele Risikofaktoren ausgeschaltet werden. Dies führt ebenfalls zu einer Verbesserung der Durchblutungs-situation.

Der akute Verschluss ist eine Indikation für einen operativen Eingriff. Durch eine Embolektomie kann ein Verschluss meist entfernt werden.

Arteriosklerotisch veränderte Gefäße weisen häufig eine Gewebeschwäche auf, hier droht ein erneuter Verschluss, da diese Stellen zu Ablagerungen neigen. Um dies zu verhindern, kann ein Stent eingesetzt werden. Dies ist ein gitterähnliches Geflecht, das das Gefäß von innen stabilisiert. Betrifft der Verschluss lebensnotwendige Gefäße und sind einfachere Maßnahmen nicht erfolgversprechend, wird ein Gefäßersatz (autolog oder künstlich) eingesetzt.

Je frühzeitiger die arterielle Durchblutungsstörung diagnostiziert wird und je eher die Ursache beseitigt werden kann, desto besser sind die Heilungs- und Überlebenschancen.

Menschen mit einer Claudicatio intermittens weisen eine Fünf-Jahres-Überlebensrate von über 70 Prozent auf, diese reduziert sich nach zehn Jahren auf ca. 50 Prozent. Insgesamt ist die Lebenserwartung bei Menschen mit Durchblutungsstörungen um ca. zehn Jahre verkürzt, die pAVK weist dabei eine Letalitätsrate von nahezu 28 Prozent auf.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert