Herzfehler: Symptome und
Anzeichen
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Das Herz (Cor) gilt als Motor des menschlichen Organismus. Durch den regelmäßigen und kräftigen Schlag hält es
den Blutkreislauf im Fluss und gewährleistet eine Versorgung aller Gewebe und Strukturen mit Nährstoffen und
Sauerstoff. Elektrische Impulse sorgen für den Schlagrhythmus, die Klappen des Herzens für den gerichteten Strom
des Blutes.
Ein Herzfehler (Herzvitium) kann sowohl angeboren oder auch erworben (degenerativ oder durch einen Unfall) sein.
Dabei sind bestimmte Strukturen des Herzens (Muskeln, Bindegewebe) selbst oder aber auch die zugehörigen Gefäße
derart verändert, dass es zu verschiedenen, zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen und Beschwerden im Bereich des
Kreislaufs - Kreislauferkrankungen und
der Atmung - Atemnot kommen kann.
Angeborene (kongenitale) Herzfehler bilden sich beim Neugeborenen in gut 75 Prozent aus einer Mischung
verschiedener Ursachen, zu denen die Chromosomenaberration (Strukturveränderung von Chromosomen) zählt. In nahezu
zehn Prozent der Erkrankungen liegt die Ursache in der Aberration allein begründet, in fünf Prozent ist der Fehler
durch die Vererbungsvarianten (= monogene Erbstörungen, z.B. dominant, rezessiv) verursacht. Seltener, aber mit
gleicher Auswirkung, führen Noxen (= teratogene Störungen) zu den verschiedenen Störungen am Herzen und
Gefäßsystem.
Die Inzidenz liegt in Deutschland bei ca. 6000 Fällen pro Jahr, wobei der häufigste Fehler der
Ventrikelseptumdefekt (VSD) ist (bei bis zu 30 Prozent aller Neugeborenen mit Herzfehler). Weitere häufige
Herzfehler sind die Fallot´sche Tetralogie (ca. 15 Prozent), der Atriumseptumdefekt (ASD, bis zu zehn Prozent)
sowie der persistierende Ductus arteriosus Botalli (ca. zehn Prozent).
Beispiele für chromosomale Aberrationen sind die Trisomie 13 (Pätau-Syndrom, verursacht unter anderem einen VSD
und den persistierenden Ductus arteriosus Botalli), die Trisomie 18 (Edwards-Syndrom, führt zu einem VSD und den
persistierenden Ductus arteriosus Botalli), die Trisomie 21 (Down-Syndrom, gekennzeichnet durch VSD, ASD und
Atrioventrikulären Septumdefekt = AVSD), das Ullrich-Turner-Syndrom (einhergehend mit einer Aortenisthmusstenose)
und das Noonan-Syndrom (verursacht unter anderem eine Pulmonalstenose = Verengung der Lungenschlagader).
Bei den monogenen Erbstörungen sind vor allem das Di-George-Syndrom (mit VSD) sowie das Williams-Beuren-Syndrom
(mit Aorten- und Pulmonalstenose) zu nennen.
Da das Herz eine gute Kompensationsfähigkeit aufweist machen sich die meisten Störungen erst im späteren Verlauf
bemerkbar. Hier kommt es unter anderem zu typischen Beschwerden wie Luftnot, Kreislaufproblemen, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, minder
durchbluteten Extremitäten, rascher Ermüdung, Schweißausbrüchen sowie Angina pectoris-Anfällen.
Herzfehler lassen sich in verschiedene Klassen unterteilen, die zum einen Art und Ort der Störung sowie zum
anderen die daraus entstehenden Beschwerden berücksichtigen.
Bei der Linksherzobstruktion kommt es durch Verengung des linken Abflusses aus dem Herzen zu einer vermehrten
Belastung der linken Herzkammer (Ventrikel), die hierdurch an Größe zunimmt (hypertrophiert). Daraus resultieren
die Aortenklappenstenose (führt unter anderem zu Schwindelattacken infolge einer Minderdurchblutung des Gehirns,
Blutdrucksenkungen, Sauerstoffmangel in den
Geweben, Angina pectoris sowie daraus sich entwickelnd die koronare Herzkrankheit = KHK;
als Komplikation droht das Vorhofflimmern), die Aortenklappeninsuffizienz oder die Aortenistmusstenose (Verengung
im Bereich des Aortenbogens oder auch der Aorta descendens). Weitere Herzfehler sind unter anderem das
hypoplastische Linksherzsyndrom und Mitralvitien.
Die Rechtsherzobstruktion ist gekennzeichnet durch eine Hypertrophie der rechten Herzanteile, die bei hohem
Schweregrad eine Dekompensation (Versagen der Funktion) verursachen. Genannt werden können die
Pulmonalklappenstenose (Verengung der Verbindung zwischen rechter Herzkammer und Lungenschlagader), die
Pulmonalklappeninsuffizienz (Funktionsstörung der Klappe, die zu einem Rückfluss des Blutes aus dem Gefäß in den
rechten Ventrikel führt), die Stenose der Trikuspidalklappe (Einengung der Trikuspidalklappe, die während der
Erschlaffungsphase des Herzens zu einer mangelhaften Füllung des rechten Ventrikels führt) sowie deren Insuffizienz
(unzureichende Schließung der Klappe, wodurch das Blut aus der rechten Kammer zurück in den rechten Vorhof
fließt).
Ein Shunt ist eine zusätzliche Verbindung zwischen zwei Organen oder Gewebeanteilen. Im und am Herzen können
sich sogenannte Links-Rechts-Shunts (Mischung von sauerstoffreichem Blut des linken Ventrikels mit sauerstoffarmem
Blut des rechten Ventrikels) oder auch Rechts-Links-Shunts (sauerstoffarmes Blut des rechten Ventrikels wird dem
sauerstoffreichen Blut des linken Ventrikels zugemischt) ausbilden. Diese Shunts sind unter anderem typisch für den
persistierenden Ductus arteriosus Botalli (Verbindung zwischen Aorta und Lungenschlagader als Relikt der fetalen
Entwicklung), den Atriumseptumdefekt (ASD, Defekt der Scheidewand des Vorhofs), den Ventrikelseptumdefekt (VSD,
Fehlbildungen bzw. Löcher in der Scheidewand zwischen den Kammern), den Atrioventrikulären Septumdefekt (AVSD,
Fehlbildung der Herzscheidewand zwischen Vorhof und Kammer, zusätzlich Fehlbildungen von Trikuspidal- und
Mitralklappe), die Pulmonalklappenatresie sowie die Fallot-Tetralogie (komplexe Erkrankung mit Pulmonalstenose,
VSD, Hypertrophie des rechten Herzmuskelanteils).
Zu den weiteren, eher seltenen Herzvitien zählen Gefäßfehlverbindungen (z.B. Truncus arteriosus communis) und
Erkrankungen des Erregungsleitungssystems (z.B. Sick-Sinus-Syndrom).
Bei den erworbenen Herzfehlern treten vor allem die Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut, meist bakteriell
bedingt, ohne Therapie letal), die Kardiomyopathie (Erkrankung des Herzmuskels, die durch Störungen der
mechanischen oder elektrischen Funktion gekennzeichnet ist), die Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels, meist
infektiös / viral bedingt, daneben auch toxische oder autoimmune Formen, führt zu einer Vergrößerung des Herzens
mit zunehmenden Beschwerden wie z.B. Müdigkeit,
Leistungsabfall, Fieber, Atemnot, Thoraxschmerz) sowie Herzrhythmusstörungen (z.B.
Flimmern, Extrasystolen) auf.
Die Behandlung von Herzfehlern ist abhängig vom Ausmaß der Beschwerden sowie den drohenden Komplikationen. Der
persistierende Ductus arteriosus Botalli lässt sich medikamentös verschließen. In den meisten anderen Fällen wird
kombiniert therapiert.
Durch verschiedene Medikamente lassen sich Verengungen zum Teil aufweiten. Antikoagulantien halten das Blut
flüssig, sie behindern bzw. verlangsamen die Gerinnung. Mittels Katheter und Ballondillatation (unter Zugang über
den Leistenkanal) können Engstellen am Herzen und Gefäßsystem aufgeweitet werden. Auch lassen sich mittlerweile
einige Formen von Herzklappen über den Katheter platzieren, wodurch eine aufwendige Operation mit Eröffnung des
Sternums umgangen werden kann. In den meisten Fällen wird jedoch konventionell vorgegangen, das Herz eröffnet,
Septumdefekte oder Shunts verschlossen, Klappenfehler beseitigt, Leitungsschwierigkeiten durch Impulsgeber (z.B.
Schrittmacher) behoben.

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