Migräne: Ursachen, Symptome, Verlauf und
Therapiemöglichkeiten
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Die Migräne ist ein Kopfschmerz, der anfallartig auftritt. Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende
Kopfschmerzattacken, die von Seh- und/oder gastrointestinalen (auf den Verdauungstrakt bezogenen - Darmbeschwerden) Störungen begleitet sein können, aber nicht müssen.
Ursache und Häufigkeit
Die Ursachen für das Auftreten von Migräneanfällen sind weitgehend unbekannt. Die verschiedenen Theorien
sprechen von Reflexreizen, von Allergien, Stauungen im Zwölffingerdarm, von vorübergehenden Schwellungen der Hypophyse oder
von anderen endokrinen Störungen, vom flüchtigen Hirnödem, vasomotorischen Störungen (Störungen, die die
Bewegung der Blutgefäße betreffen) und endogenen und exogenen Toxinen.
Jedoch wurde bisher keine dieser Theorien durch klinische Untersuchungen bestätigt. Der Mechanismus, der die
Migräne hervorruft, ist nicht geklärt, aber es gibt Anzeichen dafür, dass die Symptome mit einer funktionellen
Störung der kranialen Durchblutung zusammenhängen. (s.a. Durchblutungsstörungen)
Die Vorboten eines Migräneanfalls (zum Beispiel Flimmerskotome - peripher beginnender Gesichtsfeldausfall mit
Blitzen oder Flimmern-, Hemianopsie - halbseitiger Gesichtsfeldausfall-, Parästhesien - Sensibilitätsstörungen)
entstehen wahrscheinlich durch eine intrazerebrale Verengung von Blutgefäßen oder eine Erweiterung der Blutgefäße.
Der Kopfschmerz selbst entsteht durch eine Erweiterung der extrazerebralen Kopfarterien, das
heißt durch die Arterien der äußersten Hirnhaut oder der Kopfhaut.
Eine genaue Zahl für die Häufigkeit des Auftretens der Migräne in der deutschen Bevölkerung gibt es nicht.
Schätzungsweise kommt Migräne bei 6 bis 8 Prozent der Männer und 12 bis 14 Prozent der Frauen in Deutschland
vor.
Die Anfälle sind nicht an ein bestimmtes Alter gebunden, setzen jedoch meist im zweiten oder dritten
Lebensjahrzehnt ein. In der Altersgruppe zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr sind Frauen dreimal häufiger von
Migräne betroffen als Männer.
Auch bei Kindern können Migräneanfälle auftreten: Vor der Pubertät haben ca. 4 bis 5 Prozent der Kinder schon
einmal Migräne gehabt. In diesem Alter betrifft es Mädchen und Jungen etwa gleich häufig. Oft lässt die Erkrankung
nach dem 50. Lebensjahr nach. In 50 Prozent der Erkrankungsfälle findet man bei Familienmitgliedern ähnliche
Symptome.
Symptomatik
Kopfschmerzen sind meist das Hauptsymptom. Eine kurze Periode mit Depressionen, Reizbarkeit, Ruhelosigkeit oder
Appetitlosigkeit kann vorausgehen, in einigen Fällen auch Flimmerskotome, Gesichtsfeldausfälle, Parästhesien oder -
selten - eine Hemiparese (Halbseitenlähmung).
Diese Symptome verschwinden oft kurze Zeit vor Einsetzen des Kopfschmerzes, oder sie bleiben bestehen und
verschmelzen mit ihm. Der Schmerz ist meist generalisiert, aber auch hin und wieder einseitig lokalisiert. Im
Einzelfall halten sich die Symptome meist an die gleiche Schablone, es sei denn, dass ein Patient mit einem
einseitigen Kopfschmerz bei einigen Anfällen Schmerzen an der rechten Seite und bei anderen an der linken Seite
hat.
Fast immer treten Übelkeit, Erbrechen und Lichtscheu während eines Anfalls auf. Die Extremitäten sind kalt und bläulich
verfärbt, und der Patient ist reizbar und möchte oft alleine sein. Die Arterien der Kopfoberfläche treten hervor
und ihre Pulsamplitude ist erhöht. Ein unbehandelter Migräneanfall kann Stunden oder Tage dauern. Die
Anfallhäufigkeit schwankt von Patient zu Patient zwischen täglich einmal und einmal in mehreren Jahren.
Diagnostik
Die Diagnose wird aufgrund der Krankengeschichte und der wiederkehrenden Kopfschmerzen, die von Übelkeit und
Erbrechen begleitet sind, gestellt. Der Patient zeigt hierbei keine Anzeichen eines intrakranialen
Krankheitsprozesses. Die Diagnose wird zusätzlich bestätigt, wenn Migräne in der Familienanamnese vorkommt und wenn
den Kopfschmerzen Sehstörungen vorangehen.
Prophylaxe
Um einem Migräneanfall medizinisch vorzubeugen, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, zum Beispiel
Metoprolol und Propranolol (blutdrucksenkende Mittel), Flunarizin oder Topiramat.
Jedoch sollte eine Medikation nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Die wirksamste Prophylaxe ist
eine systematische Psychotherapie (meist Verhaltestherapie) mit dem Ziel, Spannungen und Konflikte zu lösen und
schwierige Situationen des Lebens zu bewältigen.
Viele alternative Verfahren bieten Hilfe bei der Vorbeugung vor Migräne an: sei es die Hypnose, Homöopathie oder andere naturheilkundliche Verfahren (z.B. Entspannungsverfahren); bisher konnte ihre Wirksamkeit in klinischen Studien noch nicht
nachgewiesen werden. Nur bei bestimmten pflanzlichen Wirkstoffen wie Mutterkraut oder dem Pestwurz lässt sich eine prophylaktische
Wirkung im Ansatz nachweisen. Die klassische Akupunktur und die Scheinakupunktur scheinen die Häufigkeit von Migräneattacken
reduzieren zu können.
In klinischen Test konnte die Wirksamkeit verschiedener Sportarten wie Rad fahren, Schwimmen oder Joggen bei der
Vorbeugung von Migräne nachgewiesen werden.
Jeder Patient, der unter Migräneanfällen leidet, kann täglich etwas tun, um einem Anfall aktiv vorzubeugen. So
sollten Patienten die Auslöser (Trigger) Ihrer Migräne kennen und weitgehend meiden. Auch ein regelmäßiger
Tagesablauf ist für eine Migräneprophylaxe sehr wichtig. Auf Rauschmittel wie Alkohol und Zigaretten sollten
Migränebetroffene insgesamt verzichten. Als sehr hilfreich hat sich auch das Führen eines Migränetagebuchs
erwiesen. In diesem werden die einzelnen Attacken, ihre Ausprägung und die möglichen Trigger genau festgehalten. So
können Ursachen bei Arztgesprächen leichter eingegrenzt werden.
Therapie
Milde Migräneanfälle können mit der Gabe von gebräuchlichen Analgetika, wie Acetylsaliszylsäure, mit oder ohne
Zusatz von Koffeinzitrat oder Kodein, gelindert werden. Auch eine Einnahme von Paracetamol, Metamizol,
Nichtsteroidalen Antirheumatika oder
Triptanen ist hier indiziert.
Bei heftigen Anfällen bringen nur Ergotaminderivate eine Erleichterung und auch nur dann, wenn sie gleich in den
ersten zwei Stunden genommen werden. Die Einnahme dieser Medikamente sollte nur unter ärztlicher Aufsicht
erfolgen.
Selbsthilfemaßnahmen bei akuten Migräneanfällen, die sich als sehr hilfreich erwiesen haben, sind die
Abschirmung jeglichen Reizes (Verdunklung des Zimmers, absolute Ruhe, Kühlen der Stirn und ähnliches). Häufig hat
sich ein ruhiges und entspanntes Liegen auf dem Rücken als schmerzlindernd erwiesen. Auch verschiedene Entspannungsmethoden, wie die Progressive Muskelentspannung nach Jakobsen oder Meditationen und Yoga haben eine den Schmerz mildernde Wirkung.
Weiterführende Behandlung in einer Schmerzklinik
Wird mit den oben genannten Maßnahmen keine ausreichende Linderung der Beschwerden erreicht, oder will der
Patient wegen auftretender Nebenwirkungen keine Dauermedikation, können die multimodalen Behandlungskonzepte von
einer Schmerzklinik das Mittel der Wahl sein. Sollte ein "Status migraenosus", ein Migräneanfall, der länger als 72
Stunden anhält, auftreten, sollte auf jeden Fall eine stationäre Behandlung in einer schmerztherapeutischen
Fachklinik in Betracht gezogen werden.

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