Multiple Sklerose: Ursachen, Symptome, Verlauf und
Therapiemöglichkeiten
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Die Multiple Sklerose (MS, auch Encephalomyelitis disseminata genannt), ist
eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die sich im Gehirn und im Rückenmark manifestiert und durch eine Zerstörung
der Myelinscheiden (Markscheiden) der Nervenfasern zu einem ausgeprägten, irreversiblen und meist
lebensverkürzenden Krankheitsbild führt.
Insgesamt weist die Multiple Sklerose territoriale und regionale Unterschiede
auf. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten organischen Nervenerkrankungen der westlichen Nationen, äquatorferner
gelegene Bereiche zeigen dabei eine höhere Erkrankungsrate. In Deutschland leiden ca. 120.000 Menschen an der MS
mit einer Inzidenz für ganz Europa von durchschnittlich 50 pro 100.000 Einwohner. Das durchschnittliche
Erkrankungsalter liegt zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr, wobei ca. drei Mal häufiger Frauen als Männer betroffen
sind.
Ursachen und Entstehung
Die genaue Entstehung und die Ursachen der Erkrankung ist noch nicht geklärt. Man vermutet eine durch
T-Lymphozyten vermittelte Autoimmunerkrankung, die durch zusätzliche genetische und
epidemiologische Einflüsse zum Ausbruch kommt. Eine familiäre Disposition ist nicht ausschließbar, zwischen zehn
und 30 Prozent der Nachkommen von an MS Erkrankten weisen ebenfalls Nervenläsionen auf. Auch durch bestimmte
Erreger ausgelöste Infektionen können zu einer Entstehung führen. Hier werden vor allem das
Epstein-Barr-Virus und Chlamydien diskutiert.
Die Entstehung begünstigend wirken unter anderem andauernder physischer Stress, ein geschwächtes Immunsystem,
starke Hormonschwankungen, einschneidende körperliche Erlebnisse (z.B. große Verletzungen mit hohem Blutverlust)
sowie spezielle Medikamente oder Impfungen, die Einfluss auf das Immunsystem nehmen.
Die Entzündungen in Gehirn und Rückenmark führen zu einer Zerstörung der Myelinscheiden. Gleichzeitig werden
auch bestimmte Bereiche der Nervenfasern in Mitleidenschaft gezogen. Diese sind im gesunden Zustand für die
Reizübertragung verantwortlich, führen also durch Impulse zu einer Ausführung bestimmter Tätigkeiten im Körper (als
Beispiele: Heben des Arms, Schluckreflex). Die zerstörten Areale des Nervenmarks vernarben und werden hart (=
sklerosierte Plaques), wodurch die kontinuierliche Reizweiterleitung gestört wird. Die Plaques können sich in allen
Arealen des Nervensystems ausbilden, weisen aber eine regionale Häufung im Bereich des Sehnervens, im Hirnstamm,im
Kleinhirn und am Rückenmark auf, wodurch sich eindeutige MS-Symptome ausbilden, die vor allem die Bewegung
(Motorik) und die Empfindung (Sensorik) betreffen.
Verlauf und Symptome der Erkrankung
Die Symptome weisen ein ausgeprägtes, vielfältiges Bild auf. Dabei
zeigen sich auch Anzeichen, die nicht unmittelbar der Erkrankung zuzuordnen sind. Viele Betroffene (ca. drei
Viertel aller Erkrankten) klagen in der Anfangsphase über häufige Kopfschmerzen oder Sehstörungen (Neuritis nervi optici = Sehnerventzündung -
Augenkrankheiten), die im Verlauf an Intensität
zunehmen. Dabei entwickeln sich migräneartige Schmerzen,
das Auge weist Entzündungen auf - Augenentzündungen, tränt, ist
gerötet und führt im Weiteren durch Nervenlähmungen zu Doppelbildern und Gesichtsfeldeinschränkungen (Teile des
Blickfeldes liegen im Dunklen).
Fast immer zeigen sich Parästhesien (Kribbeln) im Bereich der Extremitäten, besonders an den Fingern. Dazu kommt
ein Taubheitsgefühl, was dazu führen kann, dass Gegenstände nicht richtig gefasst werden oder plötzlich fallen
gelassen werden. Gelenke und der Hüftbereich weisen einen erhöhten Druck oder ein schmerzhaftes Spannungsgefühl
auf. Die Nackenregion (Nackenschmerzen) wirkt verspannt,
Bewegungen des Kopfes nach vorne lösen häufig blitzartige Stiche im Kopf und im Rücken - Rücken-schmerzen aus, so dass
Betroffene dies vermeiden und eher steif im Erscheinungsbild wirken.
Die Nervenschädigungen wirken sich auch auf die Muskulatur aus, diese wirkt angespannt aber kraftlos. Schon
kurze Tätigkeiten führen rasch zur Ermüdung, durch Schonung atrophiert (baut sich ab) die Muskulatur und verstärkt
so die Kraftlosigkeit.
Je nach befallenem Hirnnerven können sich Lähmungserscheinungen im Gesicht zeigen (z.B. Facialisparese). Häufig
ist das Gleichgewichtorgan gestört, so dass Gangunsicherheiten (plötzliches Stolpern, Hinfallen) und Schwindel auftreten. Bedingt durch die zentralen Störungen sind
MS-Erkrankte häufig nicht in der Lage, bei einem Sturz die Hände zur Stabilisierung zu nutzen, sie fallen
ungeschützt und ziehen sich vermehrt Stauchungen und Brüche zu. Ebenso können Geschmack und Geruch, der
Schluckreflex (häufiges Verschlucken) oder die Sprache (verwaschene Aussprache) betroffen sein.
Die sich häufig zeigende Harninkontinenz kann sich im Verlauf auch in einen Verhalt entwickeln. Die Defäkation
ist ebenfalls gestört, hauptsächlich leiden Erkrankte unter Obstipationen (Verstopfungen), eher selten zeigt sich eine Diarrhö
(Durchfall). Bei nahezu der Hälfte aller Betroffenen
stellen sich Erektionsproblemen und Libidoverlust ein. Die Gesamtheit der Symptome bewirkt eine psychische Veränderung, die sich durch Depressionen oder
schnelle Verstimmtheit bemerkbar macht.
Weitere allgemeine Anzeichen sind Antriebslosigkeit, ein gestörter Schlaf-Wachrhythmus sowie eine hohe
Infektanfälligkeit.
Der Verlauf der MS ist unterschiedlich, kann sich über Jahrzehnte hinziehen und lässt sich grob
in schubförmig oder progredient unterteilen. Der typische Verlauf ist schubförmig. Hierbei kommt
es phasenweise zur Ausbildung bestimmter Symptome, die sich im Verlauf (länger als 24 Stunden) aber wieder
zurückbilden.
Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto intensiver werden die Symptome bei einem Schub. Diese bilden sich nur noch zum Teil zurück bzw.
verbleiben, zusätzlich kommen neue Symptome hinzu. Meist führt dies über einen Zeitraum von Jahrzehnten zur
vollständigen Bettlägerigkeit. Die Letalität liegt 20 Jahre nach Ausbruch bei ca. 20 Prozent.
Die progrediente Form ist seltener, sie weist keine Schübe auf sondern zeigt fortlaufend eine Zunahme der
Symptomatik. Auch diese Form führt zum körperlichen Verfall und ist durch eine schlechtere Prognose
gekennzeichnet.
Diagnose
Die Diagnostik der MS ist sehr ausgeprägt. Neben Anamnese und Inspektion werden alle apparativen Hilfsmittel
sowie neurologische Verfahren genutzt (unter anderem Röntgen, CT, MRT, EEG). Eine Punktion des Liquors zeigt
entzündliche Veränderungen.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der vorliegenden Verlaufsform, hierbei werden unterschiedliche Medikamente
verabreicht (oral, als Injektion oder Infusion). Die schubförmige Variante wird vor allem mit Kortikosteroiden
(entzündungshemmend) und Immunglobulinen behandelt. Die Beta(inter)feron-Therapie soll das Fortschreiten
verhindern, sie dient vor allem als Hauptansatz bei der progredienten Form.
Daneben ist die physikalische Therapie sehr wichtig. Um Betroffene so lange wie möglich aktiv am Leben
teilnehmen lassen zu können, werden spezielle Sport- und Bewegungsübungen zur Muskelstärkung angeboten. Das
Gangbild soll gebessert werden und auch der Gleichgewichtssinn wird trainiert.
Insgesamt kann die Multiple Sklerose mit Methoden der Schulmedizin nicht geheilt
werden. "Schulmedizinische" Medikamente können den Verlauf verlangsamen, ihn letztendlich aber nicht
aufhalten. In vereinzelten Fällen zeigt sich ein Stillstand der Erkrankung, der bis zum (meist verkürzten)
Lebensende anhalten kann.

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