Bandscheibenvorfall: Ursachen, Symptome und
Therapie
Die aus 34 Wirbelkörpern aufgebaute Wirbelsäule ist, abgesehen vom oberen Halswirbelbereich und den
verschmolzenen Kreuzbein- und Steißbeinwirbeln, zusätzlich mit Bandscheiben versehen, die jeweils zwischen zwei
Wirbelkörpern gelagert sind.
Diese (insgesamt 23) Bandscheiben bestehen aus einem Faserknorpelring (Anulus fibrosus) sowie einem innen
gelagerten, wasserhaltigen Gallertkern (Nucleus pulposus).
Die Bandscheibe (Discus intervertebralis) federt Belastungen und Stöße ab, die auf die Wirbelsäule einwirken,
hält sie in ihrer physiologischen Form und ist mitverantwortlich für die Länge (das sich im Alter zeigende Phänomen
des Größenverlustes hängt unter anderem damit zusammen, dass die Bandscheiben flacher werden).
Ein Bandscheibenvorfall ist meist ein Hinweis auf Verschleißerscheinungen. Der Faserknorpelring weist feine
Risse auf, die im Verlauf dem andauernden Druck nicht standhalten können und vollständig aufreißen. Hierdurch
schiebt sich der gallertige Kern nach außen, es entsteht ein Bandscheibenvorfall (Prolaps).
Häufig geht dem Ereignis eine sogenannte Bandscheibenprotrusion (eine Bandscheibenvorwölbung) voraus, bei der
die Bandscheibe zwar vorgewölbt ist, der umschließende Faserknorpel jedoch intakt bleibt.
In vielen Fällen werden weder der Bandscheibenvorfall, noch die
Bandscheibenvorwölbung bemerkt. Studien zeigen, dass ca. 30 Prozent aller Menschen im
Alter um 30 Jahre herum und mehr als 60 Prozent der über 50-jährigen einen unbemerkten Prolaps
aufweisen.
In über 80 Prozent der Fälle ist die lumbale Wirbelsäule (Lendenwirbelbereich) betroffen, sie wird im aktiven
Leben besonders beansprucht und weist daher vermehrt Abnutzungserscheinungen auf. Der Erkrankungsgipfel liegt
zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, daneben können aber auch junge und ältere Menschen einen Bandscheibenvorfall
erleiden. Ein Prolaps im Bereich der unteren Halswirbelsäule (zervikal) ist seltener, die Brustwirbelsäule
(thorakal) ist in nur zwei Prozent aller Fälle betroffen.
Im täglichen Ablauf kommt es durch Belastungen und Bewegungen zu einer Verringerung der in den Gallertkernen
eingelagerten Wassermenge, wodurch sich erklären lässt, dass Beschwerden vermehrt abends auftreten. Während der
Ruhephase können sich die Kerne wieder mit Wasser füllen und so ihre ursprüngliche Elastizität wiedererlangen. Mit
zunehmendem Alter lässt dieser physiologische Prozess nach, es kann weniger Wasser aufgenommen werden, wodurch es
zu einem Elastizitätsverlust kommt. Daneben können auch andauernde Belastungen, Fehlbewegungen, eine gering
ausgeprägte Rückenmuskulatur, Bewegungsmangel und Übergewicht einen vorzeitigen Verschleiß begünstigen.
Durch Traumen (Sportverletzung, Unfall) verursachte Bandscheibenvorfälle sind eher selten. Ebenso eine
Verdrängung der Bandscheibe durch einen Tumor. Je nach Ausprägung und betroffener Wirbelsäulenregion kommt es zu
unterschiedlichen klinischen Bildern. In vielen Fällen bleibt ein Vorfall unbemerkt. Daneben spielt auch eine
Rolle, in wie weit angelagerte Nerven und Gefäße in Mitleidenschaft gezogen werden durch die veränderte
Anatomie.
Beschwerden zeigen sich in Form von stechenden Schmerzen, die bei bestimmten Bewegungen plötzlich auftreten. Ist
die untere Halswirbelsäule betroffen, kann der Schmerz bis in die Nackenregion und die Arme ausstrahlen. Im Bereich
der Lendenwirbelsäule können diese bis zu den Füßen ziehen.
Bei neuronaler Läsion oder Druck auf das Rückenmark entstehen Empfindungsstörungen, Ausfallerscheinungen bis hin
zu Taubheitsgefühlen. In seltenen Fällen sind auch die Funktionen von Blase und Darm gestört (eine Indikation zur
OP). Die Muskulatur wirkt geschwächt, kraftlos. Der Diagnose dienen Anamnese, Inspektion und Palpation der
Wirbelsäule. Betroffene werden während des Stehens, Gehens und Sitzens begutachtet. CT und MRT geben weitere
Aufschlüsse bei Verdacht eines Prolapses. Mittels Neurostimulation oder EMG lassen sich neurologische und muskuläre
Defizite aufzeigen.
Differentialdiagnostisch erfolgt der Ausschluss von Gefäß- und Nervenerkrankungen (z.B. Durchblutungsstörung,
Neuropathie). In über 90 Prozent werden konservative Therapieansätze genutzt. Ein operativer Eingriff mit
Entfernung der Bandscheibe und möglichem Ersatz (Nukleotomie, Dissektion, Cage oder künstliche Bandscheibe) erfolgt
nur bei einschneidender Beeinträchtigung der Lebensqualität des Betroffenen (z.B. Ausfallerscheinungen durch
Nervenbeteiligung).
Konservative Maßnahmen zielen durch eine ausgeprägte Physiotherapie auf eine langsame Ausheilung ab. Hier dienen
(über einen mehrmonatigen Zeitraum) Wärmebehandlungen, Massagen, Gymnastik zur Stärkung der Rückenmuskulatur,
Übungen in der Rückenschule und Erlernen von Strategien zur Meidung bestimmter Bewegungen der ganzheitlichen
Behandlung. Verschiedene Korsetts oder Nackenmanschetten sorgen für eine Ruhigstellung der betroffenen Region.
Auch Gewichtreduzierung und regelmäßige Bewegung unterstützen den Heilungsprozess. Akut auftretende Schmerzen
lassen sich medikamentös behandeln. Hier dienen Injektionen (Blockaden) und orale Präparate einer kurzfristigen
Linderung. Durch aktive Beteiligung der Betroffenen können sehr gute Heilungsergebnisse erzielt werden.
Der Prozess ist langwierig und erfordert viel Geduld und Ausdauer. Daneben kann es an anderer oder gleicher
Stelle der Wirbelsäule zu einem erneuten Bandscheibenvorfall kommen (in ca. fünf bis zehn Prozent).
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