Kollagenosen: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
Kollagenosen stellen eine Sammlung unterschiedlicher chronisch-rheumatischer Erkrankungen des Bindegewebes sowie
der Fasern des Zellzwischenraums dar. Die Ursachen für diese dem Weichteilrheuma zuzuordnenden Störungen sind noch
nicht vollständig ergründet. Es lassen sich aber Autoimmunreaktionen nachweisen, die die Entstehung begünstigen.
Weitere Faktoren können auch Hormonstörungen, psychischer und physischer Stress, virale Infekte und
Genveränderungen sein.
Überall im und am menschlichen Organismus finden sich bindegewebige Faser. Bei einer Autoimmunreaktion bildet
das Immunsystem Antikörpern gegen sich selbst, bei Kollagenosen somit gegen das Bindegewebe. Daraus resultieren
meist weitreichende Folgen für die Erkrankten. Der Verlauf ist hauptsächlich chronisch (zeigt sich über einen
Zeitraum länger als drei Monate), manifestiert sich im mittleren Lebensabschnitt (kann jedoch in jedem Lebensalter
entstehen) und betrifft in vielen Erkrankungsfällen vermehrt Frauen.
Die unterschiedlichen Kollagenosen ähneln in ihrer Symptomatik, was die Diagnose erschwert. Zu den wichtigsten
Formen zählen der systemische Lupus erythematodes, das Sjögren-Syndrom, die Sklerodermie, die Dermato- oder
Polymyositis und das Sharp-Syndrom (Mischkollagenosen). Ihnen gemein ist die Ausbildung von Schmerzen
unterschiedlicher Qualität. Daneben fühlen sich Betroffene häufig müde, antriebsarm und geschwächt, entwickeln
erhöhte Temperaturen und leiden unter Appetitlosigkeit sowie Gewichtverlust.
Der systemische Lupus erythematodes (SLE)
ist gekennzeichnet durch ein sehr variables klinisches Bild. Betroffene leiden unter Entzündungen im Nierenbereich,
Gelenkbeschwerden, auffälligen Hautveränderungen (Schmetterlingserythem im Gesicht), Alopezie, einer verstärkten
Lichtempfindlichkeit, dem Raynaud-Syndrom (schmerzhafte Durchblutungsstörungen vor allem der Finger und der Zehen,
die sich bei Kälte durch das Tricolorzeichen bemerkbar machen = zu Beginn weiße Verfärbung, die im Anschluss erst
blau und danach rot wird) sowie neuropsychiatrischen Veränderungen (z.B. Krampfleiden, Psychose).
Mit dem Lupus erythematodes vermehrt einhergehend ist das Antiphospholipid-Syndrom (APS), bei
dem es zu arteriellen Embolien und venösen Thrombosen kommt. Während einer Schwangerschaft drohen häufig Aborte,
daneben begünstigt das APS die Entstehung eines Apoplexes (Schlaganfall).
Das Sjögren-Syndrom führt durch eine Beeinflussung
sekretorischer Drüsen zu einer starken Trockenheit vor allem von Mund und Augen (Sicca-Syndrom). Zusätzlich können
die Lymphknoten schmerzhaft anschwellen und in seltenen Fällen auch entarten.
Bei der Sklerodermie verhärtet sich das Bindegewebe an
unterschiedlichen Stellen im und am Körper. Zum Teil entstehen Bereiche, die wie vernarbt wirken. So zeigt sich die
Gesichtshaut verzerrt, die Mundöffnung ist verkleinert und lässt sich nur unter Anstrengung bewegen. Durch den
Befall innerer Organe wird deren Funktionalität beeinträchtigt, zum Teil kommt es zu lebensbedrohlichen Situationen
(z.B. bei Verhärtung von Herz oder Lunge). Gelenke reagieren mit Entzündung und schränken die Beweglichkeit ein,
besonders an den distalen Extremitäten (Finger, Zehen) zeigen sich Durchblutungsstörungen mit bläulichen
Verfärbungen bis hin zu Nekrosenbildungen. Eine Sonderform stellt das CREST-Syndrom dar. Dieses
ist gekennzeichnet durch Calcinosis cutis (Kalkablagerungen in der Haut), Raynaud-Phänomen,
Ösophagusmotilitätsstörung, Sklerodaktylie (sklerotische Veränderung der Fingerhaut) sowie Teleangiektasien
(Ausweitung feinster Gefäße im Gesicht, die dadurch an der Hautoberfläche sichtbar werden).
Die Verhärtung von Muskulatur und umgebendem Bindegewebe wird als Polymyositis bezeichnet. Bei
der Dermatomyositis ist zusätzlich das Hautbild verändert. Eher selten sind starke Schmerzen,
vermehrt entsteht das Gefühl eines ausgeprägten Muskelkaters. Wie bei den meisten Kollagenosen entsteht eine
Reizung der Gelenke. Die Muskulatur ist geschwächt, vor allem das Halten des Kopfes in Position oder das Aufstehen
aus der Hocke fallen schwer. Bei Befall von Herz oder Lunge kann es zu einem frühzeitigen Lebensende kommen.
Das Sharp-Syndrom vereint die meisten der bereits aufgeführten Symptome und Beschwerden und
wird daher auch Mischkollagenose genannt.
Hauptsächlich erfolgt die Diagnose neben Anamnese, Inspektion und Palpation durch die Auswertung des Blutbildes
(vor allem auf Autoantikörper). Daneben lassen sich durch spezifische Testverfahren (z.B. Schirmer-Test beim
Sjögren-Syndrom) und Einteilungskriterien (ARA- / ACR-Kriterien) die einzelnen Erkrankungen differenzieren.
Bedingt durch den unterschiedlichen Verlauf lassen sich Prognosen zur Therapierbarkeit nur bedingt erstellen.
Eine kausale Behandlung ist nicht möglich, es erfolgt die Linderung der Beschwerden durch krankengymnastische
Methoden, Wärmebehandlungen, Balneotherapie und krampflösende Massagen.
Zusätzlich werden in der Schulmedizin schmerzlindernde, abschwellende und entzündungshemmende Medikamente
eingesetzt. Eine verminderte Sekretion von Drüsen lässt sich durch verschiedene Präparate (Augentropfen, Tinkturen)
ausgleichen, Reaktionen auf Sonnenstrahlen und Licht können durch Schutzlotionen und getönte Brillengläser
vermindert werden, bei Kälteempfindlichkeit dienen wärmende Schutzkleider.
Schwieriger gestaltet sich die Behandlung der Sklerodermie sowie der Dermato- und Polymyositis. Durch Befall
lebensnotwendiger Organe droht hier ein frühzeitiges Lebensende (Letalitätsrate nach zehn Jahren bei ca. zehn
Prozent).
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