Mundspülungen kritisch: Risiken für Mundflora & Gesundheit
Mundspülungen gelten als fester Bestandteil moderner Mundhygiene. Doch der regelmäßige Einsatz von Mundspülung wird zunehmend kritisch diskutiert, insbesondere im Hinblick auf die Mundflora, das orale Mikrobiom und systemische Effekte auf den gesamten Organismus. Antiseptische Spüllösungen reduzieren nicht nur unerwünschte Keime, sondern beeinflussen auch jene Bakterien, die für die Stabilität des mikrobiellen Gleichgewichts im Mundraum notwendig sind. Genau dieses Gleichgewicht spielt eine zentrale Rolle für Schleimhautschutz, Immunabwehr und sogar für den Nitrat-Nitrit-Stoffwechsel, der an der Regulation des Blutdrucks beteiligt ist.
Wird die Mundflora durch häufige antiseptische Anwendungen dauerhaft verändert, kann dies zu Dysbiosen führen, die lokale Beschwerden wie Mundtrockenheit, Pilzanfälligkeit oder Schleimhautreizungen begünstigen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass bestimmte Wirkstoffe wie Chlorhexidin die bakterielle NO-Bildung beeinflussen können. Der folgende Beitrag ordnet Nutzen, Risiken, Studienlage und sinnvolle Alternativen zu Mundspülungen differenziert und praxisnah ein.
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„Hoffnung bei Krebs“ dazu an:
Studie zeigt: Häufige Anwendung kann zu Rachenkrebs führen
Grundlage dieser alarmierenden Meldung ist eine umfassende Studie, bei der insgesamt 4.000 Menschen in neun Ländern zu ihrer Mundhygiene befragt und auf ihren Gesundheitszustand hin untersucht worden sind. Das Ergebnis der Untersuchung: Menschen, die mehr als dreimal pro Tag eine Mundspülung benutzen, zeigen ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen an Kehlkopf oder Mund.
Dr. David Conway, Dozent an der Glasgow Dental School, warnt ausdrücklich vor dem regelmäßigen Gebrauch von Mundspülungen. Gesünder und überdies noch effektiver sei der altbewährte Gebrauch von Zahnbürste und Zahnseide. Oft sei es eine generell schlechte Mundhygiene – so Dr. Conway weiter – die zum häufigen und bedenkenlosen Griff zur Mundspülung führt. Gerade schlechte Mundhygiene allerdings begünstige das Krebsrisiko zusätzlich.
Die Studie aus Glasgow im Überblick
Die aktuelle Studie zum Thema Mundspülung und Krebsrisiko wurde von Medizinern der University of Glasgow und weiteren europäischen Forscherkollegen durchgeführt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Probanden mit schlechter Mundgesundheit, Teilnehmer mit künstlichen Gebissen und solche mit permanenten Schleimhautblutungen im Mundraum generell ein erhöhtes Krebsrisiko besitzen. Ziel der Studie war es, mehr über die Risikofaktoren für Krebserkrankungen des Mundraumes, des Kehlkopfes und der Speiseröhre zu erfahren. Zu diesem Zweck wurden 1.962 Krebspatienten und 1.993 gesunde Menschen aus insgesamt neun verschiedenen Ländern untersucht.
Die aktuelle Untersuchung kam zu den gleichen Erkenntnissen, die bereits nach einer australischen Studie des Jahres 2009 als gesichert galten. Schon damals stellten die untersuchenden Mediziner fest, dass stark alkoholhaltige Mundspülungen das Risiko für eine Krebserkrankung definitiv erhöhen. Der Grund hierfür ist in der Beschaffenheit der Mundschleimhaut zu finden. Alkohol vermindert die natürliche Schutzfunktion der Mundschleimhaut, sodass Krebs auslösende Substanzen leichter in das Gewebe eindringen können.
Zwei Studien zeigen: Regelmäßige Mundspülungen erhöhen den Blutdruck
Auf der Schleimhaut der Zungenbasis siedeln Bakterien der Mundflora, die ein Hormon produzieren. Die Mikroben wandeln Nitrat in Nitrit um, das zu Stickstoffmonoxid (NO) reduziert wird. NO ist das einfachste Hormon im Säugerstoffwechsel, das unter anderem die Blutgefäße erweitert (Vasodilation). Deswegen ist das Gas-Hormon ein wichtiger Mediator für die Regulation des Kreislaufs.
Der Effekt konnte bisher in zwei Studien nachgewiesen werden. Dr. Gena D. Tribble und ihr Team von der Universität Houston/Texas unternahmen den Versuch mit Angehörigen der Uni. Nach Mundspülungen mit 0,12%igem Chlorhexidin-Gluconat stieg der systolische Blutdruck der Freiwilligen leicht an. Die Analyse der Mundflora ergab eine Veränderung des Teils vom Zungen-Mikrobiom, das in den NO-Stoffwechsel eingebunden ist.
Eine ähnliche Studie mit fast gleichen Ergebnissen führte die Arbeitsgruppe um Dr. Catherine Bondonno von der Universität Joondalup/Australien durch. Schon nach drei Tagen resultierte aus der Anwendung von Mundspülungen mit Chlorhexidin-Gluconat ein leichter Blutdruckanstieg. Der diastolische (untere) Wert war nicht betroffen. Die Nitrat-Reduktion im Speichel war erniedrigt, woraufhin auch die Konzentration des Plasma-Nitrits gesunken war.
Mundwasser und Mundspülung – wo liegt der Unterschied?
Grundsätzlich unterscheiden Zahnmediziner drei verschiedene Flüssigpräparate zur Mundpflege:
- kosmetische Mundwasser, die verdünnt angewendet werden und hauptsächlich der Atemerfrischung dienen.
- gebrauchsfertige Mundspülungen, die unverdünnt verwendet werden und mit zugesetzten Wirkstoffen und Fluoriden Zähne und Zahnfleisch pflegen sollen.
- medizinische Mundwasser, die bei Beschwerden im Mundraum (kontrolliert verwendet), vorbeugen oder heilen sollen.
Welches Präparat auch immer zum Einsatz kommt: Stets sollte es nur so angewendet werden, wie Hersteller oder Zahnarzt es empfehlen.
Wann ist eine Mundspülung denn „erlaubt“?
Trotz der Negativwirkungen bei übermäßigem Gebrauch haben Mundspülungen durchaus ihre Berechtigung in unterschiedlichsten Situationen. Bestimmte Erkrankungen oder die Einnahme verschiedener Medikamente beispielsweise gehen mit reduziertem Speichelfluss einher. Hier ist die natürliche Selbstreinigungsfunktion des Mundes aufgrund des fehlenden Speichels herabgesetzt. Eine zusätzliche Pflegemaßnahme durch eine Mundspülung kann in diesem Fall sinnvoll sein.
Auch bei freiliegenden Zahnhälsen, nach Operation oder nach einer Parodontitis-Behandlung ist der Einsatz einer Mundspülung sinnvoll. Gleiches gilt für ältere oder behinderte Menschen, bei denen eine Mundspülung den Pflegestatus verbessert. In all diesen Situationen wird jedoch der Zahnarzt die Verwendung einer geeigneten Mundspülung empfehlen. Bei gelegentlichen sozialen Anlässen kann eine Verbesserung des Atems natürlich auch eine Mundspülung durchgeführt werden.
Abgesehen von diesen Sonderfällen sind Mundspülungen für eine effektive Mundhygiene aus meiner Sicht überhaupt nicht erforderlich. Wichtig sind aus meiner Sicht drei Dinge: gründliches und regelmäßiges Putzen der Zähne (ohne Fluor!), der Einsatz der Zahnseide und regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt.
Viele moderne Mundspülungen sind keine einfachen Pflegelösungen, sondern komplex formulierte Präparate mit antiseptischen und tensidischen Zusätzen. Besonders Chlorhexidin ist dabei kein traditioneller Mundpflegewirkstoff, sondern ein starkes Antiseptikum, das in den 1950er Jahren entwickelt und ursprünglich vor allem in der Medizin zur kurzfristigen Keimreduktion eingesetzt wurde, etwa nach Operationen oder bei akuten Entzündungen im Mundraum. Für eine dauerhafte tägliche Anwendung im Sinne einer routinemäßigen Mundhygiene war dieser Wirkstoff ursprünglich nicht konzipiert.
Neben Chlorhexidin enthalten viele Produkte weitere Substanzen wie Alkohol, Cocamidopropylbetain, Chlordioxid, Parabene, Poloxamere, Süßstoffe oder Aromastoffe, die die Schleimhaut reizen oder die Zusammensetzung der Mundflora beeinflussen können. Alkoholhaltige Spülungen trocknen zusätzlich die Schleimhäute aus und vermindern die schützende Wirkung des Speichels.
Auch materialkundlich sind die Effekte nicht völlig irrelevant: In In-vitro-Untersuchungen zeigte sich, dass bestimmte Mundspüllösungen die Oberfläche von zahnärztlichen Restaurationsmaterialien wie Kompositen (Resin) oder Glas-Ionomer-Zementen verändern und langfristig deren Materialeigenschaften beeinträchtigen können. Das unterstreicht, dass es sich bei vielen Mundspülungen nicht um harmlose „Wasserzusätze“, sondern um biologisch und chemisch wirksame Lösungen handelt, die gezielt und nicht dauerhaft routinemäßig eingesetzt werden sollten.
Alternative Mundspüllösungen
Viele meiner Leser greifen als „natürliche Alternative“ zu oxidativ wirkenden Lösungen wie Wasserstoffperoxid oder Chlordioxid. Beide Substanzen verfolgen im Kern dasselbe Ziel: eine Keimreduktion durch oxidative Prozesse. Dabei werden bakterielle Strukturen chemisch verändert, sodass Mikroorganismen in ihrer Funktion gehemmt oder zerstört werden.
Wasserstoffperoxid wirkt als sehr starkes Oxidationsmittel und zerfällt im Kontakt mit Gewebe zu Wasser und Sauerstoff. Das typische Aufschäumen hat dabei nicht nur einen optischen Effekt, sondern lockert Beläge, Biofilm und nekrotisches Material mechanisch. Diese Wirkung ist jedoch unspezifisch. Das bedeutet: Es werden nicht nur Mikroorganismen beeinflusst, sondern bei häufiger oder hochdosierter Anwendung auch Schleimhaut- und Bindegewebszellen gereizt. Deshalb eignet sich Wasserstoffperoxid eher als kurzfristiges Instrument, nicht als tägliche Routine-Spülung.
Chlordioxid wird ebenfalls zur Keimreduktion eingesetzt und reagiert oxidativ mit mikrobiellen Stoffwechselprodukten, insbesondere flüchtigen Schwefelverbindungen, die bei Mundgeruch eine zentrale Rolle spielen. Im Vergleich zu stark schäumenden Peroxidlösungen wird es von vielen Anwendern als schleimhautschonender empfunden. Dennoch handelt es sich auch hierbei nicht um eine „harmlos-physiologische“ Mundpflege, sondern um eine chemisch aktive Lösung, deren Wirkung dosis- und anwendungsabhängig ist.
Entscheidend ist: Beide Substanzen sind therapeutische Werkzeuge und keine Lifestyle-Produkte für den Dauergebrauch. Eine regelmäßige, langfristige Anwendung kann die Schleimhautbarriere, die Mundflora und die natürliche Regeneration des Gewebes beeinträchtigen. Für die tägliche Mundhygiene sind mechanische Reinigung (Zahnbürste, Zahnseide) und gegebenenfalls milde, nicht-antiseptische Lösungen in der Regel die biologisch sinnvollere Basis, während oxidativ wirkende Spülungen eher zeitlich begrenzt und gezielt eingesetzt werden sollten.
Und wer noch weiter sucht: ich empfehle oft die Ölziehkur. Die ayurvedische Methode besteht in der Anwendung aus Ölen von Kokos, Sesam und anderen Pflanzen. Daneben gibt es heute Probiotika, die gezielt die Mundflora verbessern (mit Streptococcus salivarius).
Um dieses Segment vom Mikrobiom zu optimieren ist zu viel freies Eisen zu vermeiden. Dazu ist es erforderlich, die Balance des Mineral-Haushaltes aufrechtzuerhalten. Insbesondere die ausreichende Aufnahme von Magnesium, Kupfer und Vitamin A sollte sichergestellt sein. Rückfeuchtende Mineral-Sprays für den Rachen sind ebenfalls besser als ein Angriff auf die Mundflora.
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Dieser Beitrag wurde 2014 erstellt und letztmalig am 19.2.2026 aktualisiert und ergänzt.
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