Wickel, Wadenwickel und Auflagen nach Kneipp – Praktische Anleitungen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Wenn ein Familienmitglied krank wurde, wusste Urgroßmutter meistens Rat. Ihre Mittel waren einfach, aber wirkungsvoll und dabei vollkommen unschädlich – für Urgroßmutter eine Selbstverständlichkeit.

Mit dem Beginn des "Aspirin-Antibiotika-Zeitalters" wurden Urgroßmutters überlieferte Methoden meist hochmütig belächelt. Der so genannte medizinische Fortschritt triumphierte.

Außerdem war und ist es wesentlich bequemer, eine Tablette zu schlucken, als zu schwitzen oder sich einen Wickel anlegen zu lassen.

In der Kneipptherapie nehmen Wickel, Packungen und Auflagen einen breiten Raum ein. Für die vorbeugende Gesundheitspflege sind Wickel weniger geeignet, da sie überwiegend mit therapeutischer Zielsetzung verwendet werden.

Die Wirkungen der Wickel werden durch die Temperatur und durch die Liegedauer bestimmt (Zusätze können die Wirkungen unterstützen).

Wärmeentziehende Wickel haben eine kurze Liegedauer und müssen abgenommen werden, bevor sie sich erwärmt haben.

Wärmeproduzierende Wickel werden kalt angelegt, wobei durch den initialen Kältereiz eine verstärkte Wärmeproduktion einsetzt. Liegedauer: 3/4- 5/4 Stunden mit starker vagotoner Wirkung.

Schweißtreibende Wickel liegen so lange bis über Wärmeproduktion und –stau ein Schweißausbruch erfolgt.

Original Kneippwickel bestehen aus drei verschiedenen Tüchern,

  • den nassen, grobporösen Leinentuch (innen)
  • einem Baumwolltuch als Zwischenlage und
  • einem Wolltuch als Außentuch.

Als passiv wärmezuführende Anwendungen sind der Heublumen-, der Kartoffelsack, die heiße Leibauflage, die Dampfkompresse und die heiße Rolle zu nennen.

Wadenwickel

Ihre Anwendung empfiehlt sich bei einfachen Erkrankungen (Infekten) mit erhöhten Temperaturen. Auf einen halben Liter Wasser gibt man einen Esslöffel Essig, taucht zwei Leinenlappen darin ein (Küchenhandtücher tun es auch), wringt diese leicht aus, bevor man sie um Waden und Füße legt.

Ganzkörperwickel

Bei Erkrankungen mit hohem Fieber ist dieser Wickel angebracht. Man taucht ein Leintuch in einen Eimer mit zimmerwarmem Wasser, wringt es aus und legt es glatt um den Körper des Kranken, die Arme bleiben dabei frei. Darüber kommt ein trockenes Leintuch und zum Schluss eine Wolldecke, die nun auch die Arme einhüllt.

Zusätzlich bekommt der Kranke eine Tasse schweißtreibenden Tee. Dazu gibt man je einen Teelöffel Linden- und Holunderblüten auf eine Tasse (Aufguss) und süßt mit Honig. Diese Anwendung sollte eine Stunde dauern.

Achtung: Bei hochfieberhaften Krankheiten, die mit Ausschlägen verbunden sind, zum Beispiel Masern, Scharlach und dergleichen, dürfen Wickel nicht angewendet werden.

Umschläge, Packungen

Bei Schmerzen und Entzündungen aller Art sind Umschläge mit "Biosanum Essenz" zu empfehlen. Die Essenz erhalten Sie in der Apotheke. Man tränkt einen Leinenlappen mit der Essenz und legt ihn bis zu vier Stunden täglich auf den entzündeten oder schmerzenden Körperteil. Vorher sollten Sie die betroffenen Körperstellen mit "Traumeel Salbe" einreiben.

Bei Drüsenschwellungen und aufgetriebenem Leib macht man Packungen mit Rizinusöl und Olivenöl in täglichem Wechsel. Man tränkt ein dreifach gefaltetes Flanelltuch im erwärmten Öl, wringt es leicht aus und legt es auf die betreffenden Körperpartien. Darüber kommt ein trockenes Handtuch. Die Packung bleibt ein bis zwei Stunden angelegt.