Hagelkorn - Chalazion - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ein Hagelkorn (medizinisch Chalazion) ist eine Entzündung am Augenlid, welche nahezu ausschließlich bei Erwachsenen auftritt.

Diese geht in der Regel von den so genannten Meibom-Drüsen aus. Dabei handelt es sich um talgproduzierende Drüsen an der inneren Lidkante. Deutlich seltener sind die Zeis-Schweißdrüsen des Augenlides betroffen. Die Entzündung erfolgt meist ohne bakterielle Besiedlung.

Ursache

Ursache ist ein gestörter oder unterbrochener Abfluss des Talgs, welcher im Drüsenkörper kontinuierlich weiter produziert wird. Es kommt daher zu einem raumfordernden Talgstau, der zu einer Reizung des umliegenden Gewebes führen kann.

Das Hagelkorn ist ein klassisches Beispiel für eine granulomatöse Entzündung, was auch zu dem typisch knotigen Charakter des Chalazions führt. Symptome bestehen in der Regel nicht. Das Hagelkorn wächst sehr langsam und ist meist völlig schmerzlos.

Lediglich ein irritierendes Druckgefühl kann auftreten. In medizinische Behandlung begeben sich die Betroffenen am ehesten wegen des kosmetisch störenden Aspekts.

Diagnose

Diagnostisch wegweisend ist der typische Befund. Dabei zeigt sich an der Lidkante eine violett-rote, kleine (maximal bis circa daumennagelgroße) Vorwölbung mit knotigem Charakter. Ist das umliegende Gewebe stark gereizt oder sekundär durch Bakterien besiedelt, können Schwellung und Rötung hinzukommen. Selten tritt eine begleitende Bindehautentzündung oder eine Sehverschlechterung durch das vergrößerte Augenlid auf.

Da das Chalazion meist völlig schmerzfrei und ab einer bestimmten Reifung auf der Unterlage nicht mehr verschieblich ist, fällt die Abgrenzung zu infiltrierenden, bösartigen Erkrankungen oft schwer.

Daher muss differentialdiagnostisch an z.B. Talgdrüsenkrebs (das so genannte Talgdrüsenkarzinom) gedacht werden. Verdächtig sind eine schnelles Wachstum, Ulcerationen (Geschwüre) oder Blutungen.

Das Talgdrüsenkarzinom (Krebsformen) ist in der Lage, Absiedlungen (Metastasen) zu setzen. Die ersten Lymphknotenstationen befinden sich vor allem am Hals. Daher sind derb vergrößerte, schmerzlose Lymphknotenschwellungen in dieser Region tumorverdächtig. Auch ein Basaliom kann ganz ähnlich imponieren. Ein Basaliom ist ein semimaligner Tumor, welcher keine Absiedlungen setzen kann, aber lokal zerstörerisch wächst. Aus dem Grund wird er zwischen gutartig und bösartig (semi-, bzw. halbmaligne) klassifiziert.

Die Tumorentstehung ist typischerweise an lichtexponierten Stellen (das Basaliom entsteht nach langer Einwirkung von UV-Licht), daher ist die Lokalisation am Augenlid nicht selten. Abgrenzen lässt sich das Basaliom durch eine genaue Inspektion, da die für das Basaliom entscheidenden Kriterien (Randwall, Gefäßzeichnungen (Teleangiektasien) und Geschwüre) bei einem Hagelkorn meist fehlen.

Bei diagnostischer Unsicherheit sollte eine Probeentnahme mit feingeweblicher Untersuchung erfolgen. Das entzündliche Gerstenkorn (Hordeulum) lässt sich meist einfach durch einen erfahrenen Arzt ausschließen, denn das Gerstenkorn ist meist stark gerötet, geschwollen und überwärmt.

Auch ist das Hordeulum in der Regel stark schmerzhaft. Ein "blaues Auge" (Einblutung, Hämatom) kann ebenfalls ein Hagelkorn imitieren, allerdings ist meist ein Trauma in der Vorgeschichte vorhanden. Auch geht ein Hämatom zügig von alleine wieder weg und zeigt keine knotige Schwellung.

Therapiemaßnahmen

Die Therapie ist abhängig vom Ausmaß des Hagelkorns. Bei kleinen Befunden kann ein konservativer Ansatz versucht werden. Im Prinzip muss dabei ein spontaner, selbstständiger Rückgang abgewartet werden. Dies kann allerdings bis zu mehreren Wochen dauern.

Unterstützt werden kann dieser Vorgang mit trockener Wärme (z.B. Rotlicht) oder lokalen Salben bzw. Tropfen mit antibiotischen Wirkstoffen.

Allerdings sind die Erfolgsaussichten bei einem nicht-operativen Vorgehen eher gering. Liegen sehr große Hagelkörner vor oder zeigt sich unter konservativer Therapie keine Tendenz zur Besserung, erfolgt eine chirurgische Therapie. Dabei wird unter lokaler Betäubung das Chalazion an der Innenseite des Augenlides aufgeschnitten und der talghaltige Inhalt mit einem scharfen Löffel großzügig entfernt.

Die Operation muss unter größter Vorsicht erfolgen, um Lidfehlstellungen zu vermeiden. Das Material sollte histologisch (feingeweblich) untersucht werden, um einen bösartigen Tumor sicher ausschließen zu können. Wenn der Betroffene nicht unter dem Hagelkorn leidet und ein klassischer Befund (ohne Tumorverdacht) vorliegt, ist bei dem absolut gutartigen Chalazion keine Therapie nötig.

Die Prognose eines Hagelkorns ist sehr gut. Ein Rezidiv (also ein Wiederauftreten der Erkrankung) ist jedoch möglich.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 06.06.2012 aktualisiert