Anämie - Ursachen, Diagnose,
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Das Blut des menschlichen Organismus setzt sich aus zellulären Bestandteilen sowie einer wässrigen Lösung
(Plasma) mit darin enthaltenen Substanzen (u.a. Proteine, Zucker, Vitamine, Hormone) zusammen.
Der zelluläre Anteil besteht aus Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und
Thrombozyten (Blutplättchen). Erythrozyten sind von hoher Wichtigkeit für den Menschen, sie besitzen durch ihren
Hämoglobingehalt (roter Blutfarbstoff) die Fähigkeit zum Sauerstofftransport (ein Molekül Hämoglobin kann vier
Moleküle Sauerstoff transportieren). Frauen weisen dabei einen etwas geringeren Anteil (zwischen 12,1 g / dl Blut)
als Männer auf (zwischen 12 und 16,6 g / dl).
Durch Verletzungen, Erkrankungen oder Störungen des Organismus kann es zu einem Verlust oder Mangel an
Erythrozyten bzw. an Hämoglobin kommen. Die hierdurch ausgelöste Verminderung der Transportkapazität von Sauerstoff
wird mit dem Begriff Anämie (= Blutarmut) gekennzeichnet, sie führt zu einer Unterversorgung von Geweben und
Organen (Hypoxie).
Ursachen für eine Anämie
Die Ursachen für eine Anämie sind vielfältig, können erworben oder angeboren sein und lassen sich grob in drei
Kategorien unterteilen.
Blutungsanämien sind gekennzeichnet durch einen ungewöhnlich hohen Blutverlust. Hierzu zählt
nicht nur das Trauma (Unfall), u.a. führen auch Magengeschwüre,
aufplatzende Hämorrhoiden, Tumoren des Dickdarms oder der Blase (Blasenkrebs oder Blasenkarzinom) sowie gesteigerte Menstruationsprozesse zu einer
Anämie.
Eine gesenkte Erythropoese (Neubildung von Erythrozyten) findet sich z.B. bei
Eisenmangelanämien (u.a. ausgelöst durch Schwangerschaft, Mangelernährung oder eine gestörte
Eisenresorption im Darm). Ein Vitamin-B12
Mangel führt zur hyperchromen Anämie, die chronische Niereninsuffizienz zu einem Erythropoetin-Mangel (Hormon zur
Bildung und Reifung von Erythrozyten). Infektiös-toxische Anämien sind gekennzeichnet durch eine
Eisenverwertungsstörung und entwickeln sich z.B. bei chronischen Entzündungen oder Entartungen von Geweben und
Organen.
Die dritte Gruppe auslösender Faktoren führt zu einer gesteigerten Hämolyse (Auflösung von
Erythrozyten). Dies zeigt sich besonders bei bestimmten Erbkrankheiten, bei der Sichelzellanämie, bei
Autoimmunerkrankungen, Vergiftungen oder Infektionen.
Daneben erfolgt zusätzlich eine Einteilung nach dem Volumen der Erythrozyten (MCV = mittleres Zellvolumen) sowie
nach dem Hämoglobingehalt (MCH = mittlerer Zellhämoglobingehalt).
Die Eisenmangelanämie (sideropenische Anämie) ist mit über 80 Prozent aller diagnostizierten
Fälle die häufigste anämische Erkrankung. Hier führt ein Eisenmangel (durch zu geringe oder fehlende Aufnahme sowie
Verteilungsstörungen) zu einer ungenügenden Ausprägung neuer Erythrozyten. Während einer Schwangerschaft z.B.
besteht ein erhöhter Eisenbedarf, der durch zusätzliche Eisenaufnahme gedeckt werden muss, um eine Anämie zu
verhindern.
Anämien weisen, bedingt durch ihre unterschiedlichen Entstehungsgründe, sowohl spezifische als auch
unspezifische Symptome auf.
Spezifische Anzeichen führen schnell zu einer gesicherten Diagnose, so kann z.B. ein auftretender Ikterus einer
hämolytischen Anämie zugeordnet werden. Allgemein zeigen sich eine blasse Haut sowie weißliche Fingernägel, körperliche Schwäche, andauernde Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Atemnot (besonders bei Belastung), Herzrasen, Tachykardie und Angina pectoris (Symptomkomplex, der
auf eine Herzerkrankung hindeutet). Ebenfalls
schlecht zuzuordnen sind depressive Verstimmungen, Rhagaden (Einrisse) der Mundfalten, Knochenschmerzen, arthritische Beschwerden,
Magen Beschwerden und Darm Beschwerden wie z.B. Durchfall (Diarrhoe) oder Verstopfung (Obstipation), Fieber, Nachtschweiß, neurologische Störungen sowie geschwollene
oder entzündete Areale im Mund, v.a. im Bereich der Zunge.
Diagnose
Die Diagnostik nutzt nach der Anamnese zuerst die Inspektion, bei der bereits Hautveränderungen und
Hautverfärbungen erste Rückschlüsse erlauben (siehe auch Hauterkrankungen). Neben dem Ikterus bei
hämolytischen Erkrankungen (der in Kombination mit der Hautblässe zu einer Café-au-lait-Färbung führt) weist z.B. eine
Graufärbung auf eine renale Anämie hin.
Ulzeröse Erscheinungen zeigen sich bei der Sichelzellanämie, veränderte Hautanhangsgebilde wie z.B. brüchige
Nägel und eine veränderte Haarstruktur weisen auf eine Eisenmangelanämie hin.
Zur gesicherten Diagnose wird das Blutbild besonders auf MCV, MCH,
Ferritin (Eisen speicherndes Eiweiß) und Hämolysefaktoren untersucht.
Therapie
Die schulmedizinische Therapie richtet sich nach der auslösenden Ursache, die primär zu behandeln ist. Daneben
können verschiedene Medikamente (z.B. Eisenpräparate, Vitamin-B12) den meist milden (z.T. aber
lebenslangen) Verlauf unterstützen. Dies gilt auch für chronische Erkrankungen.
Tumoren bedürfen der operativen Therapie. In seltenen
Fällen zeigen sich auch schwere Verlaufsformen, die u.U. auch tödlich enden können.

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