Magenkrebs: Anzeichen, Symptome, Therapie und
Heilungschancen
Entartungen im Bereich des Magens können einen gutartigen (benigne Tumoren) oder bösartigen (Karzinom) Charakter
besitzen. Dabei zeigt sich eine Häufung der Fälle bei bereits bestehender Schädigung des Magens, besonders bei
chronischer Gastritis -
Magenschleimhautentzündung oder dem Magengeschwür (Ulcus
ventriculi).
Benigne - gutartige Tumoren machen ungefähr 20 Prozent aller
Gewebeneubildungen des Magens aus. Adenome entstehen aus dem Epithel von Magendrüsen. Hier finden sich lokale oder
auch multiple Karzinoide sowie mesenchymale Tumoren. Auch Hyperplasien können zu den gutartigen Tumoren gezählt
werden. Sie zeigen sich vor allem in Form von Polypen oder Drüsenzysten. Meist verursachen gutartige Tumoren keine
Beschwerden und werden durch Routineuntersuchungen entdeckt. Nur sehr selten kommt es zu Stauungen (z.B. bei
Verhinderung des Magenausgangs) oder Schluckstörungen (bei Verlegung des Mageneingangs).
Um eine maligne Entartung zu verhindern, werden die Gewebewucherungen meist endoskopisch (mit einer Schlinge)
abgetragen oder minimalinvasiv entfernt. Die Abheilung ist milde und weist eine sehr gute Prognose auf.
Das Magenkarzinom zeichnet sich dagegen durch seine Bösartigkeit und seine
hohe Letalitätsrate aus. Männer erkranken mehr als doppelt so oft am Karzinom als Frauen, welches sich mit einer
Inzidenz von 25 (zehn bei Frauen) pro 100.000 Einwohnern in Deutschland zeigt. Die Erkrankungsrate liegt in Ländern
mit schlechten wirtschaftlichen Strukturen und geringer hygienischer Versorgung wesentlich höher. Hierzu zählen
unter anderem China, Japan, Chile sowie Zentral- und Osteuropa. In den USA dagegen ist Magenkrebs selten. Insgesamt
liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter um das 70. Lebensjahr herum.
Die genaue Entstehung des Karzinoms nicht noch nicht ergründet. Begünstigende Faktoren sind jedoch die
Besiedelung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori
(Vermutungen tendieren dazu, dass 50 Prozent aller Fälle unter Einfluss des Bakteriums entstehen), Fehlernährungen
(reich an Nitrosaminen = salzig, geräuchert, gepökelt bei gleichzeitiger Reduktion von Vitaminen), vermehrter
Alkoholkonsum, Nikotin und die familiäre Disposition (zehn Prozent aller Magenkarzinome zeigen sich innerhalb der
Nachkommen). Ein unbehandeltes Adenom kann als Präkanzerose (Vorstufe) dienen.
Zu über 95 Prozent finden sich die Entartungen im Bereich der magensaftproduzierenden Drüsen, daneben kommt es
auch bei lymphatischen Zellen oder dem Muskel- und Bindegewebe zu Wucherungen. Mit bis zu 70 Prozent findet sich
der Tumor im Antrum (unterer Bereich des Magens, kurz vor dem Ausgang). Jeweils zehn bis 20 Prozent entstehen im
Angulus (oberer Magenwinkel, direkt nach dem Eingang) und im Korpus (Körper).
Das Magenkarzinom weist unterschiedliche Stadien und Formen auf. Es zeigen sich oberflächliche, vorgewölbte und
exkavierte (vertiefte) Gewebewucherungen, die sich nach der TNM-Klassifikation (Tumor-Knoten-Metastase)
differenzieren lassen. Tumoren des Frühstadiums sind auf Mucosa (Schleimhaut) und Submucosa beschränkt.
Häufig bleibt die Entstehung eines Karzinoms unentdeckt (zum Teil entwickeln sich zu Beginn uncharakteristische
Bauchschmerzen und Übelkeit), die Symptomatik zeigt sich erst im Verlauf der Erkrankung. Es kommt in über 80
Prozent der Fälle zu einer Gewichtsverlust.
Betroffene klagen häufig über Schmerzen im
Abdominalbereich. Zusätzlich zeigen sich Übelkeit, Erbrechen, Inappetenz und körperliche Schwäche. Eine schwer
geschädigte Magenwand neigt zu Blutungen, was sich im Erbrochenen (Hämatemesis) zeigen kann. Je nach Lokalisation
treten verzögerte Magenentleerungen oder Schluckbeschwerden und Sodbrennen auf. Besonders große
Entartungen lassen sich bei besonders dünnen Menschen sogar ertasten. Ein Anzeichen für eine Streuung ist der
Befall von Lymphknoten. Der direkt in der linken Schlüsselbeingrube gelegene Virchow-Lymphknoten ist in diesem Fall
vergrößert und tastbar. Bei Befall der Leber - Leberkrebs zeigen sich häufig die
für eine Leberstörung typischen Symptome mit Ikterus (Gelbfärbung von Haut
und Skleren) sowie Aszites (Flüssigkeitsansammlung im freien Bauchraum).
Die Diagnostik wählt eine ausgeprägte Untersuchungsreihe, um differentialdiagnostisch der Symptomatik ähnelnde
Erkrankungen ausschließen zu können. Hierzu zählen das Magengeschwür, die
Gastritis,
das Reizmagensyndrom, Erkrankungen der Galle oder Lebererkrankungen, Reflux und Sodbrennen. Es erfolgen Anamnese,
Inspektion und Palpation. Das Blutbild wird auf Veränderungen der
Tumormarker und der allgemeinen Werte hin untersucht (Anämie = Blutarmut). Bei blutenden
Karzinomen zeigt sich dies unter Umständen im Stuhltest. Die Magenspiegelung mit Biopsie gibt weiteren
Aufschluss. Bei gesicherter Diagnose erfolgen zum Ausschluss von Metastasen Röntgen-Kontrastmittel- und
Röntgen-Thorax-Aufnahmen, CT, Szintigraphie und Sonographie der benachbarten Organe.
Je nach vorliegendem Stadium wird die Therapie gewählt. Ein isolierter Tumor kann im einfachsten Fall großzügig
exzidiert werden (inklusive der zugehörigen Lymphknoten). Fortgeschrittene Karzinome führen zu Magenteilresektionen
(Zweidrittel-Resektion nach Billroth) bzw. zur vollständigen Entfernung des Magens (totale Gastrektomie). Hier wird
aus dem verbleibenden Gewebe (Darm und Speiseröhre) ein Ersatz genäht, der den Reflux aufgenommener Speisen
verhindert und gleichzeitig als Reservoir dient. Diese OP bedeutet einen großen Einschnitt für den Betroffenen, der
sein gesamtes Leben inklusive Nahrungsgewohnheiten umstellen muss. Ist der Tumor bereits zu weit fortgeschritten
und sind andere Organe befallen, kann die operative Entfernung als palliative Maßnahme erfolgen, um Schmerzen und allgemeine Beschwerden zu lindern.
Eine frühzeitige Diagnose erhöht die Überlebenschancen. Insgesamt liegt die Überlebensrate isolierter Karzinome
nach fünf Jahren bei ca. 50 Prozent, bei Metastasen sinkt sie auf ungefähr 15 Prozent ab. Die mittlere
Überlebensdauer bei inoperablem Karzinom beträgt ca. ein halbes Jahr, durch eine geeignete Chemotherapie verlängert
sich diese.
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