Nierenversagen: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
Das Nierenversagen stellt einen völligen Verlust der Nierenfunktion dar.
Dieses kann akut eintreten oder sich aber chronisch schleichend entwickeln. In direktem Zusammenhang steht
immer eine Niereninsuffizienz (eingeschränkte Leistung der
Nierenfunktion).
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Das chronische Nierenversagen entwickelt sich in einem langwierigen Prozess, bei dem das Gewebe dauerhaft
zerstört wird. Die Symptome ähneln der akuten Niereninsuffizienz. Bedingt durch schwere Grunderkrankungen zeigen
sich zusätzlich viele unspezifische Anzeichen. Ohne geeignete Maßnahmen wie Dialyse und Nierentransplantation endet
das chronische Nierenversagen tödlich.
Das akute Nierenversagen (ANV) ist ein plötzlich (innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen)
eintretender Abfall der glomerulären Filtrationsrate (Leistung) der Niere, wodurch es zu einem Anstieg der
harnpflichtigen Substanzen im Blut kommt (vor allem Kreatinin und Harnstoff), es entwickelt sich eine Urämie (Vergiftung). Hauptkennzeichen ist eine verminderte bzw. völlig fehlende
Urinausscheidung. Bei rechtzeitiger Therapie ist das akute Versagen vollständig reversibel, ansonsten
droht der Tod. Die Letalitätsrate erhöht sich bei Patienten mit Niereninsuffizienz durch akutes Versagen um das 10- bis 15-Fache.
Das akute Nierenversagen lässt sich in prärenal, renal und
postrenal unterteilen und zeigt sich vermehrt infolge operativer Eingriffe, während eines
stationären Aufenthalts (ca. sieben Prozent) oder bei intensivmedizinischer Betreuung (ca. 30 Prozent).
Prärenale Ursachen sind besonders häufig und liegen meist in einer verminderten Perfusion
(durch absoluten Volumenmangel) der Nieren. Diese kann durch Erbrechen, Durchfall, Unfall, starke Verbrennungen oder Operation
entstehen. Die Niere selbst (renale Ursachen) kann durch Entzündungen, Bakterien, Viren oder
bestimmte Medikamente in Mitleidenschaft gezogen werden. Postrenale Ursachen sind vor allem
Verlegungen der Harnwege (z.B. durch Nierensteine) und Tumoren.
Symptome
Ein drohendes Nierenversagen führt zu Beginn zu unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Leistungsabfall oder Konzentrationsschwäche
(Stadium I).
Stadium II: Hinzu kommen Übelkeit,
Brechreiz und vor allem eine stark verminderte Ausscheidung (Oligurie = Urinmenge kleiner als 500 Milliliter pro 24
Stunden), die auch in ein völliges Ausbleiben übergehen kann (= Anurie). Der gestörte Flüssigkeitshaushalt des
Organismus führt zu einer Verschiebung von Mineralien und Elektrolyten, es zeigen sich Herzrhythmusstörungen und
Kreislaufprobleme. Zusätzlich entstehen Kopfschmerzen, Sehstörungen und unter Umständen auch Fieber. Das nicht mehr ausgeschiedene Wasser lagert sich im Körper
ab, meist kommt es zuerst zu Ödemen an den Beinen, im
Verlauf auch zu Wasseransammlungen im Bauchraum und in der Lunge. Bewegungen und Atmung sind eingeschränkt, Knochen
und Muskulatur beginnen zu schmerzen. Durch Ablagerungen von Giftstoffen unter der Haut verändert diese ihre Farbe
(gelbbraun) und entwickelt einen starken Juckreiz.
Es folgt Stadium III, bei dem es zu einer übermäßigen Urinausscheidung kommt (über zwei Liter
pro Tag über einen Zeitraum von mehreren Wochen).
Das Stadium IV kennzeichnet die Regeneration und die abschließende Heilung mithilfe einer
geeigneten Therapie. Die Urinmenge normalisiert sich, die Symptomatik lässt insgesamt nach und verschwindet
letztendlich.
Diagnose
Die Diagnostik nutzt Anamnese und Inspektion. Zusätzlich werden Urinausscheidung, Urinzusammensetzung
(Urinuntersuchungen) und Blutwerte kontrolliert. Die Röntgen-Thorax-Aufnahme zeigt eine durch
Flüssigkeit vergrößerte Lunge, mithilfe der Sonographie (Ultraschall) werden die Nieren dargestellt. In
Ausnahmefällen können auch Gewebeproben (Biopsie) gewonnen werden, um das Ausmaß der Zellzerstörung darstellen
zu können.
Therapie
Je nach auslösendem Faktor wird die Therapie gewählt. Unter anderem kann das Absetzen nierenschädigender
Medikamente eine Besserung erzielen.
Ödeme können durch geeignete Diuretika häufig gemildert
werden (daraus resultiert eine erhöhte Urinausscheidung).
Durch Verzicht von Alkohol und koffeinhaltigen Getränken sowie durch diätetische Maßnahmen (salz- und eiweißarme
Kost) kann die Retention ebenfalls gebessert werden.
Eine Dialyse (Hämofiltration) wird immer dann notwendig, wenn andere Maßnahmen nicht die gewünschte Wirkung
zeigen. Hier wird auf künstliche Weise die Funktion der Niere simuliert, wodurch Giftstoffe dem Blut entzogen
werden und die Urinausscheidung normalisiert wird (durch Abfiltration des überschüssigen Wassers).
Dennoch kann es im Verlauf zu Beeinträchtigungen von Knochenbildung und Hormonproduktion kommen, wodurch weitere
Erkrankungen drohen. Eine Transplantation wird dann gewählt, wenn das Nierengewebe stark geschädigt ist und letale
Folgen drohen.
Je stärker das Nierengewebe zerstört ist, desto höher liegt das Risiko eines tödlichen Ausgangs.
Geeignete Therapien führen bei über 90 Prozent der Betroffenen zu einer Lebensverlängerung.
Das durch schwere Unfälle oder große Operationen verursachte akute Nierenversagen führt hingegen bei bis zu 60
Prozent zum Tod. Durch Dialyse und Transplantation zeigt sich eine Zehn-Jahres-Überlebensrate von um die 50
Prozent.
Verwandte Themen sind: Herzerkrankungen und Gefäßerkrankungen - Nephrotisches Syndrom - Glomerulonephritis -
Nierensteine - Nierenbeckenentzündung - Anurie

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert
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