Leistenschmerzen: Ursachen, Symptome, Diagnose und
Therapie
Was ist eigentlich die Leiste?
Die Leiste des Menschen (Inguen) befindet sich im unteren, seitlichen Bereich des Bauches am Übergang zum
Oberschenkel (Femur) und wird durch die Beckenkämme begrenzt.
Neben der in Logen unterteilten Muskulatur finden sich das Leistenband, Faszienstränge, Lymphknoten sowie eine
ausgeprägte Nerven- und Gefäßversorgung, die zum Teil oberflächlich und zum Teil tiefer gelegen durch die Leiste
zieht.
Und was können Leistenschmerzen sein?
Leistenschmerzen legen die Vermutung einer urologischen Störung nahe, können daneben aber eine Vielzahl anderer
Ursachen besitzen.
Die Beschreibung der Schmerzqualität, Zeitpunkt des Auftretens und die Schmerzen im "Tagesverlauf" sollten
einen Therapeuten auf die richtige "Schiene" bringen.
Neben der Anamnese, Inspektion und Palpation der Leistenregion werden bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT und
MRT genutzt, um verdrängende Ereignisse (Tumor), Frakturen, Fehlstellungen oder Leistenbrüche darstellen zu
können.
Der Leistenschmerz kann in vielen Fällen auch durch Nerven- oder Gefäßläsionen verursacht sein.
Hier bieten sich die Sonographie (Ultraschall) und die Angiographie (Gefäßdarstellung) als Untersuchungsmethoden
an.
Ein Schmerz in der Leiste muss nicht immer auf eine patholgische (krankhafte) Veränderung hindeuten.
Während der Wachstumsphase des Menschen kann es immer wieder zu ziehenden oder stechenden
Schmerzen im Bereich der Leiste und der Hüfte kommen. Diese geben sich nach vollendeter Ausbildung aller Knochen,
Gelenke und Strukturen von allein und bedürfen keiner zusätzlichen Therapie.
Frauen mit Regelblutungen klagen ebenfalls vermehrt über ein monatlich in Erscheinung tretendes
Ziehen oder Drücken in der Leiste. Dieses Symptom ist häufig kurz vor bis kurz nach dem Einsetzen der Menstruation
zu beobachten und wird hauptsächlich hormonell und zum Teil auch muskulär verursacht. Meist verlagert sich der
Schmerz während der Regel zur Bauchmitte oder zum Schamhügel hin (Verkrampfen der Gebärmuttermuskulatur). Alle sich
sonst zeigenden Schmerzereignisse in der Leiste sollten immer ärztlich abgeklärt werden, um geeignete Therapien
schnellstmöglich beginnen zu können.
Entzündungen (Arthritis) und
Verschleißerscheinungen (Arthrose)
im Hüftgelenk können zu ziehenden und stechenden Schmerzen im Leistenbereich führen. Bei Entzündungen kommt es
zusätzlich vermehrt zu einer Erwärmung, Rötung oder Schwellung im betroffenen Gebiet, die Arthrose ist äußerlich
kaum feststellbar. Während die Arthritis bereits bei körperlicher Ruhe Schmerzen auslösen kann, klagen Betroffene
mit Arthrose eher über einen Anlaufschmerz. Das sich in Ruhe befindliche Gelenk muss erst „warm“ werden, danach
geben sich die Beschwerden. Abgesehen von der bakteriell verursachten Entzündung (die zu einem akuten
Schmerzereignis führt) können sowohl die Arthritis als auch die Arthrose nach Meinung vieler Schulmediziner nicht
geheilt werden. Hier erfolgt die schulmedizinische Therapie oft nur symptomatisch zur Schmerzlinderung.
Sehr selten aber dennoch möglich: Das Hüftgelenk kann auch durch bösartige Veränderungen (z.B.
Plasmozytom =
bösartiger Tumor der Non-Hodgkin-Lymphome) oder
pathologische Frakturen (z.B. Fanconi-Syndrom) zu belastungsabhängigen Leistenschmerzen führen. Mittel der Wahl ist
die operative Entfernung bzw. Reposition der Fraktur.
Durch falsche Belastung, ausgeprägte sportliche Aktivität oder Verletzungen kann das Leistenband
gezerrt sein. Der einsetzende Schmerz ist akut, drückend und zeigt sich vor allem bei weiterer Belastung
(z.B. Drehbewegung des Beins). Durch Druck von außen auf die Leistenregion wird ein direkter Schmerz ausgelöst.
Neben Salben und schmerzstillenden Medikamenten dient vor allem die Ruhigstellung der Ausheilung.
Das sich bei einer Zerrung zeigende klinische Bild kann auch auf einen Leistenbruch
(Leistenhernie) hindeuten. Der Bruch ereignet sich meist im Rahmen von Fehlbelastungen (z.B. Tragen von
schweren Gegenständen) und weist auf eine Bindegewebsschwäche im Leistenbereich hin, die sowohl angeboren als auch
erworben sein kann. Nicht immer zeigt sich der Bruch durch eine sichtbare Vorwölbung des von innen eindringenden
Darms nach außen. Schulmedizinische Therapie der Wahl ist die operative Stabilisierung, bei der entweder ein Netz
eingelegt wird oder aber die vorhandenen Faszien gedoppelt werden, um so eine größere Stabilität zu erhalten.
Eine Schwellung in der Leiste kann somit durch eine Bruchpforte verursacht sein, sie kann aber auch Anzeichen
von Abszessen oder geschwollenen Lymphknoten infolge einer Entzündung oder einer Gewebewucherung
sein. So etwas sollte immer abgeklärt werden.
Schmerzen im Leistenkanal können ebenfalls auch auf urologische Störungen hindeuten. Harnsteine
im distalen Drittel des Ureters (Harnleiter) verursachen lage- und bewegungsunabhängige, ziehende Schmerzen. Durch
Lyse (Auflösen, z.B. durch Medikamente) und geeignete Therapien (z.B. Entfernung mittels Ureteroskop) können die
Steine beseitigt werden, wodurch der Schmerz rasch nachlässt.
Entzündungen im Bereich des Urogenitaltraktes (z.B. Infekt, Prostatitis) führen zu pochenden, stechenden und
ziehenden Schmerzen in der Leiste, zum Teil mit ausstrahlendem Charakter. Häufig sind die zugehörigen Lymphknoten
angeschwollen und lassen sich im Leistenbereich tasten.
Beim Mann können Störungen der normalen Hodenreifung oder Veränderungen in diesem Bereich (z.B. Hydrozele,
Varikozele) ziehende oder drückende Leistenschmerzen verursachen. Bei der Frau sind unter anderem tumoröse
Veränderungen im kleinen Becken oder auch eine Endometriose (gutartige Veränderung /
Wucherung der Gebärmutterschleimhaut) für diese Symptomatik verantwortlich.
Gefäßveränderungen (z.B. insuffiziente Venenklappen, Gefäßläsionen, Ablagerungen,
Gefäßverschluss) führen zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomatik. Neben klopfenden und ziehenden
Schmerzen im Leistenbereich zeigen sich bei zunehmend schlechter Blutversorgung unter anderem auch
Taubheitsgefühle, eine kalte Extremität oder nekrotische Veränderungen am Unterschenkel, die auf die
Minderversorgung hindeuten. Hier ist schnelles Eingreifen notwendig, um den Untergang von Gewebe und somit den
Verlust des betroffenen Gebietes (z.B. Unterschenkelamputation) zu verhindern.
Auch Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule können zu Schmerzen in der Leiste führen. Hier
sind unter anderem die kleinen Wirbelgelenke degenerativ verändert, die ansässigen Nervenausläufer verursachen
ziehende und stechende Schmerzen, die sich bewegungsabhängig zeigen (z.B. beim Vorbeugen). Durch eine Ruhigstellung
der Wirbelsäule (z.B. durch ein Stützkorsett) kann eine Schmerzreduktion erzielt werden - ist aber als vernünftige
Therapie für mich indiskutabel.
Relativ häufig sind Blockierungen des Iliosakralgelenks (Kreuz-Darmbein-Gelenk). Die Schmerzen
zeigen sich in diesem Fall im unteren Rückenbereich und / oder im Leistenbereich.
Auch Spinalkanalstenosen (Einengungen der dort verlaufenden Nervenstränge) lösen Schmerzen im
Leistenbereich aus. Zu einer Einengung kann es, neben traumatischen Ereignissen, auch durch verdrängendes Wachstum
(z.B. Neurinom) kommen. Hier kann eine operative Entlastung und Ruhigstellung (z.B. mit einem internen Fixateur)
helfen - die Operation ist aber "nicht ohne".
Sie sehen: Leistenschmerzen sind nur ein Symptom. Es kommt darauf an, warum man die Schmerzen hat.
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