Muskelfaserriss: Ursachen, Symptome und
Therapie
Als Muskelfaserriss bezeichnet man eine Unterbrechung der Struktur des Muskels. Diese ist meist
als Delle sicht- und tastbar. Der Muskelfaserriss gehört mit der Muskelzerrung und dem Muskelriss zu den häufigsten
Sportverletzungen.
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Die Muskelfaser ist der Grundbaustein der Muskulatur. Dabei gibt es drei Muskelfasertypen, aus
denen sich die quergestreifte Muskulatur zusammensetzt:
- phasischen (schnell zuckenden),
- tonischen (langsam zuckenden) und
- intermediären Muskelfasertypen.
Die phasischen, auch weiße Muskelfasertypen genannt, reagieren und ermüden sehr schnell. Sie
sind für kurzfristige Kontraktionen zuständig, wohingegen die tonischen, dunklen Muskelfasertypen
auf Reize langsamer ansprechen, aber auch langsamer ermüden und eine längere Kontraktionszeit des Muskels
ermöglichen.
Der Intermediärtyp ist in seinen Eigenschaften zwischen den beiden erstgenannten angesiedelt
und lässt sich, neuesten Forschungen zufolge, durch Training in die eine oder andere Richtung beeinflussen.
Es spricht sonst viel dafür, dass die Anteile der verschiedenen Muskelfasertypen in einem menschlichen Körper
genetisch vorgegeben und kaum beeinflussbar ist.
Ätiologie des Muskelfaserrisses
Ursächlich für einen Muskelfaserriss ist meist eine plötzliche Maximalbelastung des entsprechenden Muskels.
Patienten, die zu einer Verhärtung der Muskulatur im Allgemeinen neigen, sind häufiger von solchen Verletzungen
betroffen. Insbesondere bei Sportarten, die ein spontanes Beschleunigen (Sprinten) oder eine Kombination aus
schneller Beschleunigung und plötzlichem Abbremsen (Badminton) führen zu einer kurzfristigen Extrembelastung der
Muskelschnellkraft. So kann der Muskel die auftretenden Zugkräfte nicht mehr abfangen und reißt in seinen Fasern.
Aber auch plötzliche Belastungen bei Kälte und/oder der Verzicht auf Dehnungs- und Aufwärmübungen vor einer
sportlichen Belastung können ursächlich für einen Muskelfaserriss sein.
Diagnose
Bei Muskelverletzungen wie dem Muskelfaserriss treten meist Dehnung-, Anspannungs- und Druckschmerzen auf. Während eine Zerrung einen krampfartigen
Schmerz verursacht, beschreiben Patienten bei einem Muskelfaser- oder Muskelriss einen akut stechenden Schmerz,
vergleichbar mit einem Messerstich.
Meist wird nach kurzer Zeit zusätzlich ein Hämatom ("Blauer Fleck") sichtbar. Um den Muskelriss vom
Muskelfaserriss differentialdiagnostisch zu unterscheiden, kann eine Sichtdiagnose angewandt werden; bei einem
Muskelriss entsteht durch die Auswölbung von Teilen des Muskels eine Delle; bei einem Muskelfaserriss kommt es oft
zu einem gänzlichen Funktionsverlust des Muskels und zu immer wieder auftretenden Schmerzen, wenn der Muskel sich
kontrahiert (sich zusammenzieht).
Der behandelnde Arzt wird zunächst die betroffene Körperstelle abtasten. Danach folgt eine Untersuchung mit
Hilfe von Bewegungstests, um das Ausmaß der Beweglichkeitseinschränkungen zu eruieren. Besonders der
"Widerstandstest", bei dem der Patient gegen den Druck des Arztes die Muskeln anspannt, zeigt das ganze Ausmaß der
Schmerzen und der Einschränkungen.
Schließlich kann durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Riss in der Muskelfaser und das zugehörige
Hämatom genau lokalisiert und seine Ausdehnung bestimmt werden. Beim Hämatom wird hierbei zwischen inter- und
intramuskulären Hämatomen unterschieden. Diese Differenzierung ist für den Erfolg der Therapie und Heilung sehr
wichtig.
Therapie
Bei Verdacht auf einen Muskelfaserriss sollten sofort von dem Betroffenen das genannte
PECH-Prinzip angewandt werden. Diese Abkürzung steht für folgende Handlungen:
- Pause - der Muskel sollte umgehend ruhig gestellt und die Aktivität eingestellt
werden.
- Eis - die betroffene Stelle muss schnellstens gekühlt werden.
- Compression - es sollte umgehend ein Druckverband angelegt werden
- Hochlagern - das betroffene Körperteil sollte sofort hochgelagert werden
Befolgt man diese Ratschläge, kann die Schwellung und die Ausprägung des Hämatoms so gering wie möglich
gehalten werden. Dies verkürzt die Rehabilitationszeit, die der Muskel benötigt.
Nach all diesen Maßnahmen ist umgehend ein Arzt aufzusuchen.
Ist der Muskelfaserriss diagnostiziert, wird der Arzt in den meisten Fällen eine so genannten Tapeverband mit
einer abschwellenden Salbe anlegen und ggf. entzündungshemmende Medikamente oder Fibrinolytika (Medikamente zur
Verflüssigung geronnenen Blutes) verschreiben.
Sind mehr als zwei Drittel der Muskelfaser eingerissen oder ist das zugehörige Hämatom sehr ausgeprägt, kann
eine operative Therapie notwendig sein. Hierbei wird das Hämatom ausgeräumt und die gerissenen Enden der
Muskelfaser mit resorbierenden Nähten adaptiert. Nach der Operation erfolgt eine vierwöchige Ruhigstellung, danach
eine achtwöchige Teilbelastung. Nach einer operativen Therapie eines Muskelfaserrisses gehört auch die
Krankengymnastik zur notwendigen Rehabilitation.
Wenn der Muskelfaserriss ohne äußere Eingriffe heilt, regenerieren sich zwar die Muskelfasern, jedoch sind die
neu gebildeten Fasern kürzer und haben weniger Bindegewebe. Zudem entsteht ein Narbengewebe, das weniger dehnbar
als das Muskelfasergewebe ist. Damit büßt der betroffene Muskel etwas seiner Funktionsfähigkeit ein und muss mit
Hilfe von Reha-Maßnahmen aufgebaut und gestärkt werden.
Die wichtigste Therapieregel ist bei einem Muskelfaserriss die Geduld. Der Patient sollte auf jeden Fall auf die
vollständige Ausheilung der Verletzung warten, da es sonst schnell wieder zu einer ähnlichen Verletzung mit
weitreichenderen Folgen kommen kann.
Dauer und Prognose
In der Regel benötigt ein Muskelfaserriss zwischen drei und sechs Wochen, um vollständig auszuheilen.
Je weiter die Muskelfasern gerissen sind, umso länger dauert die Rehabilitation. Aber auch der Ort der
Verletzung, die persönliche Konstitution und der Trainingszustand des Betroffenen und die Konsequenz, mit der die
therapeutischen Maßnahmen durchgeführt werden, bestimmen im hohen Maße den Heilungsprozess mit.
Die Prognose ist bei einem Muskelfaserriss sehr gut; meist heilt der Muskel vollständig aus und kann danach
wieder belastet werden wie zuvor.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert
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