Tossy: Die Schultereckgelenkssprengung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Unter einer Schultereckgelenkssprengung, ACG-Dislokation/Sprengung, Schultereckgelenkluxation oder auch „Tossy-Verletzung“ versteht man eine Verrenkung des Schlüsselbeinendes, bei der gleichzeitig auch die Bänder und Kapseln in Mitleidenschaft gezogen sind, die das Schultereckgelenk stützen.

Eine solche Verletzung kommt besonders häufig nach einem Sturz, beispielsweise in Folge eines Reit- oder Fahrrad- bzw. Motorrad-Unfalls oder auch nach einem heftigen Schlag auf die Schulter im Bereich des Schultereckgelenkes vor. Auch Arthose oder altersbedingter Verschleiß können degenerative Folgen haben, wodurch eine Schultergelenksprengung verursacht oder häufiger noch begünstigt werden kann.

Symptomatisch für eine ACG-Sprengung ist, dass der Betroffene das Schultergelenk nicht mehr bewegen kann und den Arm daher sehr nahe am Körper führt. Meist kommt es im Bereich des Schultergelenks zu einer auffällig starken Schwellung. Der Betroffene spürt zudem einen starken Druckschmerz über dem Schultereckgelenk. Da die Bänder durch die Verletzung ihre stabilisierende Funktion teilweise oder ganz verlieren, kann das seitliche Ende des Schlüsselbeins leicht bis stark in Richtung des Kopfes hervorstehen. Das Schulterdach sinkt gleichzeitig nach unten.

Sicher diagnostizieren lässt sich eine so genannte „vollständige Schultereckgelenksprengung“, wenn eine unter Fachleuten „Klaviertastenphänomen“ genannte Symptomatik festzustellen ist. Hierbei lässt sich das seitliche Ende des Schlüsselbeins, das nach oben heraussteht, ähnlich der Taste einer Klaviatur nach unten pressen. Wie stark dieses „Klaviertastenphänomen“ ausgeprägt ist, gibt auch einen ersten Hinweis darauf, wie stark die Verletzung der Bänder ausgeprägt ist.

Unerlässlich, um das Ausmaß der Schultereckgelenksprengung absehen zu können, ist das Röntgen des Bereichs. Zumeist wird die Schulter hierbei von vorne und von der Seite geröntgt. Zusätzlich kann eine Zielaufnahme des Eckgelenkes angefertigt werden. Dies sollte unbedingt erfolgen, wenn sich bei der körperlichen Untersuchung schon ein starker Verdacht erhärtet hat („Klaviertastenphänomen“).

Eine schmerzhafte Prozedur, die sich aber für Arzt wie Patient auszahlen kann, ist die Belastung des Handgelenkes am betroffenen Arm mit einem etwa zehn Kilogramm schweren Gewicht während der Röntgenaufnahme. Hierbei kann auf dem Röntgenbild unter Umständen auch ein „Klaviertastenphänomen“ beobachtet werden, das bei der körperlichen Untersuchung nicht entdeckt wurde. Sicher diagnostiziert werden kann eine ACG-Sprengung mittels einer Ultraschalluntersuchung, wobei im Bereich des Gelenkes Einblutungen sowie ein deutlich vergrößerter Gelenkspalt sichtbar werden.

Manche Ärzte bevorzugen die Untersuchung mittels Ultraschall, da sie auf diese Weise auch die Sehnen der Schulter auf mögliche Schäden untersuchen können.

Eine herkömmliche Klassifikation bei Schultereckgelenkluxationen ist die so genannte „Tossy-Klassifikation“, die eine Grundlage für die Behandlung bildet.

Dabei wird als „Tossy I“ eine Zerrung des Kapsel- bzw. Band-Apparates bezeichnet, wobei radiologisch keine Fehlstellung sichtbar ist. Unter Tossy II fällt ein teilweiser Riss des Bandapparates, wobei sich das Schlüsselbeinende zum Schulterdach verschiebt, jedoch zwischen Rabenschnabelfortsatz und Schlüsselbein (korakoklavikulärer Abstand) keine außergewöhnliche Lücke erkennbar ist. Als Tossy III wird ein vollständiger Riss des Kapselbandapparates bezeichnet, wobei der korakoklavikuläre Abstand stark vergrößert ist.

Während Tossy-I-Verletzungen konservativ therapiert werden, also mittels schmerz- und entzündungshemenden nichtsteroidalen Antirheumatika und lokaler Eisbehandlung (Kryotherapie) des Gelenks, ist die Therapie bei Tossy II umstritten.

Einige Mediziner favorisieren das Vorgehen wie bei Tossy I, kombiniert mit einer Ruhigstellung des Armes und Krankengymnastik, andere befürworten die Operation, um Arthrose vorzubeugen. Operieren ist jedoch bei Tossy III notwendig, insbesondere wenn Patienten von Berufs wegen über Kopf arbeiten, da bei solchen Bewegungen nach einer konservativen Therapie die Mobilität der Schulter möglicherweise eingeschränkt bleibt. Älteren Patienten wird gelegentlich auch bei Tossy III zur konservativen Therapie geraten, da eine Operation (befestigende Naht des Kapsel-/Bandapparates, Hakenplatte, Zuggurtung oder Verschraubung) mit Komplikationen verbunden sein kann.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert