Tossy Schulterverletzung
Tossy: Die Schultereckgelenkssprengung
Unter einer Schultereckgelenkssprengung, ACG-Dislokation/Sprengung, Schultereckgelenkluxation oder auch
„Tossy-Verletzung“ versteht man eine Verrenkung des Schlüsselbeinendes, bei der gleichzeitig auch die Bänder und
Kapseln in Mitleidenschaft gezogen sind, die das Schultereckgelenk stützen.
Eine solche Verletzung kommt besonders häufig nach einem Sturz, beispielsweise in Folge eines Reit- oder
Fahrrad- bzw. Motorrad-Unfalls oder auch nach einem heftigen Schlag auf die Schulter im Bereich des
Schultereckgelenkes vor. Auch Arthose oder altersbedingter Verschleiß können degenerative Folgen haben, wodurch
eine Schultergelenksprengung verursacht oder häufiger noch begünstigt werden kann.
Symptomatisch für eine ACG-Sprengung ist, dass der Betroffene das Schultergelenk nicht mehr bewegen kann und den
Arm daher sehr nahe am Körper führt. Meist kommt es im Bereich des Schultergelenks zu einer auffällig starken
Schwellung. Der Betroffene spürt zudem einen starken Druckschmerz über dem Schultereckgelenk. Da die Bänder durch
die Verletzung ihre stabilisierende Funktion teilweise oder ganz verlieren, kann das seitliche Ende des
Schlüsselbeins leicht bis stark in Richtung des Kopfes hervorstehen. Das Schulterdach sinkt gleichzeitig nach
unten.
Sicher diagnostizieren lässt sich eine so genannte „vollständige Schultereckgelenksprengung“, wenn eine unter
Fachleuten „Klaviertastenphänomen“ genannte Symptomatik festzustellen ist. Hierbei lässt sich das seitliche Ende
des Schlüsselbeins, das nach oben heraussteht, ähnlich der Taste einer Klaviatur nach unten pressen. Wie stark
dieses „Klaviertastenphänomen“ ausgeprägt ist, gibt auch einen ersten Hinweis darauf, wie stark die Verletzung der
Bänder ausgeprägt ist.
Unerlässlich, um das Ausmaß der Schultereckgelenksprengung absehen zu können, ist das Röntgen des Bereichs.
Zumeist wird die Schulter hierbei von vorne und von der Seite geröntgt. Zusätzlich kann eine Zielaufnahme des
Eckgelenkes angefertigt werden. Dies sollte unbedingt erfolgen, wenn sich bei der körperlichen Untersuchung schon
ein starker Verdacht erhärtet hat („Klaviertastenphänomen“).
Eine schmerzhafte Prozedur, die sich aber für Arzt wie Patient auszahlen kann, ist die Belastung des
Handgelenkes am betroffenen Arm mit einem etwa zehn Kilogramm schweren Gewicht während der Röntgenaufnahme. Hierbei
kann auf dem Röntgenbild unter Umständen auch ein „Klaviertastenphänomen“ beobachtet werden, das bei der
körperlichen Untersuchung nicht entdeckt wurde. Sicher diagnostiziert werden kann eine ACG-Sprengung mittels einer
Ultraschalluntersuchung, wobei im Bereich des Gelenkes Einblutungen sowie ein deutlich vergrößerter Gelenkspalt
sichtbar werden.
Manche Ärzte bevorzugen die Untersuchung mittels Ultraschall, da sie auf diese Weise auch die Sehnen der
Schulter auf mögliche Schäden untersuchen können.
Eine herkömmliche Klassifikation bei Schultereckgelenkluxationen ist die so genannte „Tossy-Klassifikation“, die
eine Grundlage für die Behandlung bildet.
Dabei wird als „Tossy I“ eine Zerrung des Kapsel- bzw. Band-Apparates bezeichnet, wobei radiologisch keine
Fehlstellung sichtbar ist. Unter Tossy II fällt ein teilweiser Riss des Bandapparates, wobei sich das
Schlüsselbeinende zum Schulterdach verschiebt, jedoch zwischen Rabenschnabelfortsatz und Schlüsselbein
(korakoklavikulärer Abstand) keine außergewöhnliche Lücke erkennbar ist. Als Tossy III wird ein vollständiger Riss
des Kapselbandapparates bezeichnet, wobei der korakoklavikuläre Abstand stark vergrößert ist.
Während Tossy-I-Verletzungen konservativ therapiert werden, also mittels schmerz- und entzündungshemenden
nichtsteroidalen Antirheumatika und lokaler Eisbehandlung (Kryotherapie) des Gelenks, ist die Therapie bei Tossy II
umstritten.
Einige Mediziner favorisieren das Vorgehen wie bei Tossy I, kombiniert mit einer Ruhigstellung des Armes und
Krankengymnastik, andere befürworten die Operation, um Arthrose vorzubeugen. Operieren ist jedoch bei Tossy III
notwendig, insbesondere wenn Patienten von Berufs wegen über Kopf arbeiten, da bei solchen Bewegungen nach einer
konservativen Therapie die Mobilität der Schulter möglicherweise eingeschränkt bleibt. Älteren Patienten wird
gelegentlich auch bei Tossy III zur konservativen Therapie geraten, da eine Operation (befestigende Naht des
Kapsel-/Bandapparates, Hakenplatte, Zuggurtung oder Verschraubung) mit Komplikationen verbunden sein kann.

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