Ca. 85% aller Menschen sind Träger von Herpesviren, die harmlose, aber lästige Infektionen mit Lippen- oder Genitalherpes verursachen. Auch das Epstein-Barr-Virus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber mit grippeähnlichen Symptomen auslösen kann, gehört zur Familie der Herpesviren.

Nach einer möglicherweise sogar völlig symptomlos verlaufenden Erstinfektion bleibt das Herpesvirus im Ruhezustand lebenslang im menschlichen Körper, kann aber auch reaktiviert werden und weitere Krankheitsschübe auslösen. In den USA wird bereits an einem Impfstoff gegen das Virus gearbeitet.

Vielleicht der vollkommen falsche Weg, wie Herbert Virgin von der Washington University School of Medicine in St. Louis in einem Beitrag für die Fachzeitschrift „Nature“ bereits im Jahr 2007 feststellte. In Versuchen mit Mäusen fanden Virgin und sein Forscherteam heraus, dass eine Infektion mit Herpesviren das Immunsystem der Tiere sogar stärkte und diese deshalb sehr viel gefährlicheren Erregern effektiv Widerstand leisten konnten.

Virgin infizierte Mäuse zunächst mit Herpesviren und danach mit Erregern der Pest und einer Form der Lebensmittelvergiftung. Die Forscher entdeckten, dass sich die gefährlichen Erreger im Körper der herpesinfizierten Tiere weitaus langsamer als in der nicht infizierten Vergleichsgruppe vermehrten. Außerdem starben die herpesinfizierten Mäuse seltener an den sonst lebensbedrohlichen Infektionen.

Dies geschah allerdings nicht während der akuten Herpesinfektion, sondern erst in seiner darauffolgenden Ruhephase. Der Grund dafür ist, dass das Immunsystem ruhende Infektionen durch eine erhöhte Produktion des Signalhormons Interferon Gamma kontrolliert und damit die Immunabwehr des Körpers verstärkt.

Virgin plädiert dafür, Forschungen zu intensivieren, die die Vorteile einer ruhenden Herpesinfektion bei der Immunabwehr ausnutzen, statt das Virus mit einer Impfung auszurotten. Möglicherweise könnten auch noch weitere ruhende Infektionen ähnliche Vorteile mit sich bringen. Statt das Herpesvirus zu bekämpfen, sollte man akzeptieren, dass sich Mensch und Herpesviren in einer für beide Seiten vorteilhaften Symbiose befinden.

Durch eine latente Herpesinfektion profitiert der Mensch mit einer besseren Immunabwehr und das Herpesvirus mit einem Wirt, der durch sein längeres Leben die wirkungsvolle Weiterverbreitung des Virus garantiert.


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Beitragsbild: 123rf.com – Galina-Peshkova