Decubitus: Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Decubitus (das Dekubitalgeschwür, Decubitalulcus) bezeichnet ein Hautareal, welches über einen bestimmten Zeitraum durch Druck minderdurchblutet wird und in Folge zu einer Wunde mit drohenden Nekrosen (Zelltot) führt. Neben der obersten Hautschicht ist vielfach auch das Subcutangewebe betroffen, in ausgeprägten Fällen verändern sich sämtliche Gewebsschichten bis zum Skelettknochen hin.

Ein Decubitus droht immer dann, wenn die feinsten Gefäße (Kapillaren) im betroffenen Hautareal derart komprimiert werden, dass die Blutzirkulation unterbrochen ist.

Ein Verschluss des venösen Systems ist für eine gewisse Zeit vom Organismus kompensierbar. Sind jedoch auch die Arteriolen betroffen, gelangen weder Sauerstoff noch Nährstoffe in das Gewebe und es stirbt langsam ab. Grundsätzlich kann es an jeder Körperstelle zu einem Druckgeschwür kommen, es gibt jedoch Areale, die besonders gefährdet sind (= Knochenvorsprünge).

Betroffene Areale eines Decubitus

Hierzu zählen das Gesäß (mit der Steißbeinregion), die Hüfte (mit Beckenknochen), die Schulterblätter, die Ellenbogen, das Handgelenk, der Hinterkopf, die Ohren (äußerer Muschelrand), die Knie, die Waden und die Fersen.

In über 80 Prozent aller Fälle entsteht das Geschwür am Gesäß oder im Bereich der Unterschenkel und Füße.

Es bildet sich besonders oft bei kachektischen, unterernährten Menschen aus, die nur eine geringe Fettschicht besitzen und deren Haut dicht den Knochen anliegt. Förderlich für die Entstehung ist dabei eine Immobilität (Bettlägerigkeit), wodurch betroffene Menschen über Stunden in der gleichen Position verharren.

Das Alter und die Konstitution spielen eine wesentliche Rolle, je jünger der Mensch und je unbelasteter das Gewebe, desto besser kann der Organismus mit den Druckveränderungen umgehen. Dies zeigt sich auch im anschließenden Heilungsprozess.

Das Dekubitalgeschwür wird daneben durch viele verschiedene Faktoren begünstigt, z.B. allgemeine Durchblutungsstörungen, Gefäßerkrankungen, Schlaganfall, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Stoffwechselstörungen (z.B. der Proteine), Inkontinenz (wodurch regelhaft ein feuchtes Milieu in der Intimregion und am Gesäß herrscht), Infektionen, lange operative Eingriffe (bei denen man über viele Stunden bewegungslos auf dem OP-Tisch liegt) und verschiedene Medikamente (die den Hautzustand oder auch die darunter liegenden Gewebsschichten beeinflussen, z.B. Cortison).

Meist kaum vorstellbar ist das Risiko, welches von zu eng anliegender Kleidung oder einen zu strammen Verband oder Gips ausgeht. Auch hier kann der auf das Gewebe ausgeübte Druck zu Schäden führen.

Schweregrade und Stadien des Decubitus
(nach W.O. Seiler)

Je nach Ausmaß der Gewebeschädigung differenziert man vier verschiedene Schweregrade und drei Stadien (nach W.O. Seiler), die jeweils mit einer zunehmenden Klinik verbunden sind.

Grad 1 kennzeichnet eine leichte Rötung der Haut, die sich nicht wegdrücken lässt.

Grad 2 beschreibt den oberflächlichen Defekt der Haut (zum Teil mit Blasen oder Hautschürfungen), wobei die Subcutis sichtbar ist.

Grad 3 sind sämtliche Gewebeschichten betroffen. Der Weichteilschaden führt zu einer offenen Wunde, die bis auf die Faszie, den Muskel oder eine Sehne reicht, die dann deutlich sichtbar wird.

Grad 4 bezeichnet die vollständige Zerstörung aller Schichten bis hin zum Knochen oder darüber hinaus (= Schädigung der Knochenstruktur).

Die Stadien A, B und C dienen der Klassifizierung der Wunde.

Während diese in Stadium A sauber (keine Infektionszeichen) und ohne Nekrosen ist, weist sie in Stadium B bereits Zeichen einer lokalen Infektion auf. Die Wunde ist schmierig belegt und nässt. Diese Anzeichen finden sich auch in Stadium C, die zuvor lokal begrenzte Infektion dehnt sich hierbei auf Nachbarregionen aus.

Ein Decubitus verursacht kaum Beschwerden, zum Teil treten ein Juckreiz oder ein Brennen auf. Das „Verflüssigen“ der Hautschichten bleibt daher lange unbemerkt und kann so unaufhaltsam fortschreiten. Treten Schmerzen auf, sind meist bereits große Schäden entstanden, die der intensiven und langwierigen Behandlung bedürfen.

Diagnose

Der Diagnostik dienen vor allem die Inspektion und Palpation. Dabei wird der Wundbereich vermessen, werden die Schichten begutachtet, das Geschwür klassifiziert. Die persönliche Situation und Krankengeschichte werden mit berücksichtigt, sie geben oft einen Hinweis auf die Entstehung. Unter Umständen werden Gewebeproben und ein Abstrich entnommen. So können die möglichen Erreger einer Infektion identifiziert werden.

Daneben dienen diese der Differentialdiagnostik, unter anderem zum Ausschluss eines Basalioms, eines Sarkoms, eines Dermofibrosar-koma protuberans (lokales, semimalignes Karzinom) oder einer Pyoderma gangraenosum (chronisches Hautgeschwür).

Behandlung und Therapien

Die anschließende Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Zerstörung. Dabei darf auch die auslösende Ursache nicht aus den Augen verloren werden, deren Behandlung den Heilungserfolg deutlich fördern kann.

Zerstörtes Gewebe muss entfernt werden. Je nach Schmerzem-pfindlichkeit der betroffenen Person kann dies auch ohne Betäubung erfolgen. Ausgedehnte Decubiti werden operativ entfernt, der Verschluss erfolgt durch Umschwenken von gesundem Gewebe einschließlich der Muskelschicht (Schwenk-, V-Y-Lappenplastik).

Die Druckentlastung (durch regelmäßiges Umlagern oder häufige Positionswechsel) dient der Wiederherstellung einer ungestörten Durchblutung. Dabei unterstützen verschiedene Pflegeprodukte und anregende Tinkturen sowie unter anderem auch kaltgeschlagener Naturhonig. Wichtig ist, die Wunde trocken zu halten, feuchte Wunden auszutrocknen und die Granulation von gesundem Gewebe zu fördern. Eine unzureichende Behandlung birgt die Gefahr einer Sepsis (Blutvergiftung).

Durch eine ausgewogene Ernährung und eine genügende Flüssig-keitszufuhr erhält der Organismus zusätzlich lebensnotwendige Nährstoffe und Spurenelemente.

Während die Schweregrade 1 und 2 bei sorgfältiger Pflege vollständig ausheilen können, muss bei den Graden 3 und 4 chirurgisch unterstützt werden.

Dies zeigt sich nach der (zum Teil mehrmonatigen) Heilungsphase durch narbiges und verhärtetes Gewebe. Und nicht immer kann ein vollständiger Wundverschluss erzielt werden.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert