Pseudokrupp: Ansteckung, Symptome, Dauer, Verlauf

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Pseudokrupp (medizinisch auch: Laryngitis subglottica) ist eine Entzündung unterhalb der Stimmritze (der Glottis) im Kehlkopf, welche durch die Schwellung der Schleimhaut zu einer Engstelle in den Luftwegen führen kann.

Durch diese Stenose und durch den Schleim in den Atemwegen kommt es zu dem typischen bellenden Husten. In ausgeprägten Fällen kann die Schwellung die Luftwege nahezu komplett verlegen, was zu einer starken Atemnot führt.

Betroffen sind meist ältere Säuglinge, aber vor allem Kleinkinder. Die Alterverteilung liegt zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr. Ein späteres Auftreten ist untypisch, da dort bereits das Lumen des Kehlkopfs eine Größe erreicht hat, bei der eine alleinige Schleimhautschwellung nicht zu einer signifikanten Verlegung führen kann. Ein Auftreten der Symptome in einem höheren Lebensalter sollte daher eher an eine der Differentialdiagnosen denken lassen.

Ursache

Die Ursache für den Pseudokrupp sind in der Regel unspezifische Infekte der oberen Luftwege (also eine banale Erkältung). Daher kann eine Häufung der Anfälle in den Wintermonaten, bei Inversionswetterlagen und auch bei feucht-kaltem Klima beobachtet werden.

Auslöser sind vor allem Viren, hier besonders die Parainfluenza- und Rhinoviren. Bei Säuglingen können auch RS-Viren, bei Ungeimpften auch Masern -Viren ursächlich sein. Bakterielle Infektionen oder allergische Reaktionen sind eher die Ausnahme. Greift die Infektion auf den Kehlkopf über, so kommt es zu einer Schwellung der Schleimhaut.

Symptome

Eine vermehrte Schleimsekretion begünstigt die Verlegung der Atemwege zusätzlich. Da die sympathische Aktivität nachts abnimmt und dann der gefäßerweiternde Parasympathikus überwiegt, treten die Symptome vor allem in den Abendstunden und nachts auf (so genannter „Schafhusten“). Zusätzlich ist zu der Zeit ein besonders niedriger Cortisolspiegel vorhanden, was die Stenose der Atemwege noch begünstigt.

Neben den banalen Infektionen der oberen Luftwege wird als (zusätzlicher) Auslöser die Inhalation von diversen Reizgasen diskutiert. So tritt zum Beispiel der Pseudokrupp bei Kindern in Familien häufiger auf, in denen geraucht wird.

Hauptsymptom ist der bellende Husten, welcher sich meist in der Nacht hartnäckig festsetzt. Besonders tückisch ist, dass sich ein Pseudokrupp auch schon vor der eigentlichen Erkältung manifestieren kann. So erkrankt das Kind aus völliger Gesundheit heraus. Aber auch Heiserkeit ist ein typisches Symptom. Diese tritt auf, wenn der Luftweg lediglich leicht eingeengt ist.

Schwillt die Schleimhaut weiter an und wird zäher Schleim sezerniert, so kann sich das Lumen immer weiter verschließen. Dabei tritt meist ein pfeifendes Atemgeräusch bei der Einatmung auf (inspiratorischer Stridor), wenn die Luft durch die Stenose gezogen wird. Wird die Einatmung so stark behindert, dass der Sauerstoffbedarf nicht ausreichend gedeckt werden kann oder ist sie mit einer starken Anstrengung verbunden, empfindet das betroffene Kind Atemnot.

Tachykardien (Herzrasen) sowie eine Blauverfärbung der Lippen und des Nagelbettes (Zyanose) sind klassische Begleiterscheinungen. Als Zeichen der angestrengten Atemarbeit können Einziehungen an den Rippenzwischenräumen und in der Drosselgrube sichtbar werden. Oft wird über Fieber im Rahmen eines Pseudokrupps berichtet, dieses ist jedoch eher auf den begleitenden Infekt als auf den Pseudokrupp selbst zurückzuführen.

In der Regel wird das Kind unter der Atemnot erst unruhig und ängstlich. Hält die Situation mit der gestörten Atemarbeit an, so kommt es erst zu einer progredienten Erschöpfung und schließlich durch den ansteigenden Kohlendioxidspiegel im Blut zu einer starken Müdigkeit bis hin zum Koma. Um die Spirale frühzeitig zu unterbrechen, sollte bei stärkerer Atemnot unbedingt ärztliche Hilfe angefordert werden.

Therapie

Therapeutisch steht die Beruhigung des kleinen Patienten im Vordergrund. Kann sich das Kind entspannen, so sinkt der Sauerstoffverbrauch und dies bessert dann relativ die Luftnot.

Hilfreich ist es, dass Kind auf den Arm zu nehmen und umher zu gehen. Sanft den Rücken streicheln kann zusätzlich beruhigend wirken.

Auch wird ein kühles und feuchtes Raumklima oder eine Dampfvernebelung als positiv empfunden. Ist kein entsprechendes Gerät vorhanden, kann sich das Kind bei laufendem heißen Wasser und gleichzeitig geöffnetem Fenster im Badezimmer aufhalten oder bei entsprechendem Wetter die Außenluft einatmen.

Diese Situation kann zum Beispiel in eine ablenkende Geschichte verpackt werden, um so das Kind von dem angstauslösenden Anfall abzulenken.

Sekretolytika (also schleimlösende Medikamente) werden heute kontrovers diskutiert, da ein definitiver Nutzen nicht belegt werden konnte. In ausgeprägten Fällen mit Atemnot kann eine Therapie mit Kortikosteroiden eingeleitet werden, welche eine gute abschwellende Wirkung aufweisen. Diese sollten von den Eltern als Zäpfchen verabreicht werden. Der Notarzt kann diese auch inhalativ oder direkt in die Vene geben.

Bei starker Atemnot kann eine inhalative Adrenalintherapie notwenig werden, da sich dadurch die Gefäße verengen und so die Schwellung im Bereich des Kehlkopfes deutlich reduziert werden kann. Eine Intubation mit anschließender Beatmung ist zum Glück selten erforderlich.

Liegt bzw. lag eine deutliche Atemnot vor und/oder ist das Kind sehr unruhig und ängstlich, so sollte eine Einweisung in eine Krankenhaus mit einer stationären Überwachung erfolgen.

Verlauf

Leider neigt der Pseudokrupp zu wiederholten Anfällen (Rezidiven), eine entsprechende Beobachtung durch die Eltern sollte bei Infekten der oberen Luftwege eingehalten werden. Bei häufig rezidivierenden Pseudokruppanfällen sollten die Eltern zusätzlich ein Cortisonzäpfchen für den Notfall im Kühlschrank bereithalten und bei entsprechender Symptomatik verabreichen.

Wichtig ist es bei einem vermeintlichen Pseudokruppanfall auch an die Differentialdiagnosen zu denken. Vor allem bei sehr kleinen oder bei älteren Kindern rücken diese in den Vordergrund.
Die häufigste andere Ursache für nächtlichen Husten ist das Asthma.

Bei dem bronchialen Asthma liegen die Beschwerden hauptsächlich in einer gestörten Ausatmung. Bei der Expiration fallen die kleinen Bronchien zusammen und werden durch zähen Schleim verlegt, so dass die Luft nicht mehr abgeatmet werden kann. Bei Kindern kann jedoch auch der Husten in der Nacht das einzige Symptom sein.

Bei Unklarheit kann ein Atemtest mit Gabe von anfallprovozierenden Medikamenten sinnvoll sein.

Bei Kindern muss auch an ein Verschlucken eines Fremdkörpers (Aspiration) gedacht werden, hier tritt jedoch der Husten in der Regel direkt nach der Aspiration auf.

Mit bellendem Husten kann auch die gefürchtete Epiglottitis einhergehen. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektion des Kehldeckels durch Haemophilus influenza Typ B (HiB). Typischerweise treten zusätzlich massive Schmerzen und erhebliche Schluckbeschwerden auf, so dass Speichel aus dem Mund rinnt.

Hohes Fieber ist ebenfalls typisch. Durch die konsequenten Impfprogramme ist dieses lebensbedrohliche Krankheitsbild zum Glück selten geworden.

Bei sehr kleinen Säuglingen muss auch eine Tracheomalazie in den Überlegungen berücksichtigt werden. Bei diesem Krankheitsbild ist die Luftröhre (Trachea) noch nicht ausreichend knorpelig gefestigt, so dass es bei den Atembewegungen zu einem Kollaps der Luftröhre kommen kann. Bei genauer körperlicher Untersuchung ist die Tracheomalazie durch Einziehungen in dem Bereich meist sichtbar. Bei nicht eindeutiger Abgrenzung kann eine Bronchoskopie Klarheit verschaffen.

Der echte Krupp (Diphtherie oder auch Würgeengel der Kinder genannt) ist eine bakterielle Infektion durch das Corynebakterium diphtheriae. Nur bestimmte Bakterienstämme können das gefährliche Toxin bilden. Dabei kommt es zu hartnäckigen weißen Belägen und starken Schwellungen im Hals- und Rachenbereich. Durch die von der STIKO empfohlene Impfung gegen Diphtherie ist diese Erkrankung in Deutschland eine Rarität.

Ein Laryngospasmus oder das heriditäre angioneurotische Ödem durch einen C1-Esterase-Mangel sind ebenfalls sehr seltene Differentialdiagnosen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert