Schilddrüsenkrebs - Formen, Symptome und
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Die unter dem Begriff Struma maligna zusammengefassten, bösartigen Wucherungen im Bereich der Schilddrüse
(Thyreoidea) entstehen entweder primär (in der Schilddrüse selbst) oder sekundär (als Tochtergeschwür eines anderen
Tumors). In Europa liegt die jährliche Inzidenz bei drei Erkrankungsfällen pro 100.000 Einwohner, womit die
Erkrankung als selten angesehen werden kann. Dennoch ist die durch einen Schilddrüsentumor verursachte Letalität
relativ hoch. Besonders in Ländern mit hoher Strahlenbelastung (z.B. in der Nähe von Kernkraftwerken) lassen sich
sowohl erhöhte Entstehungsraten wie auch ein erhöhtes frühzeitiges Lebensende feststellen.
Mit über 95 Prozent handelt es sich bei den bösartigen Wucherungen um Karzinome. Die übrigen fünf Prozent
entstehen als Folge anderer Primärtumoren (= Metastase). Je nach Gewebetyp (epitheliale Tumoren) werden
verschiedene Formen unterschieden. Dabei gelten anaplastische (zehn Prozent) und follikuläre (30 Prozent) Karzinome
als besonders maligne. Ihr Verlauf ist meist durch Komplikationen und Lebensverkürzung gekennzeichnet.
Anaplastische Karzinome entwickeln sich hoch aggressiv und mit
rasantem Wachstum. Eine Ausbreitung erfolgt sowohl hämatogen (über den Blutweg) als auch
lymphogen. Die mittlere Lebenserwartung nach Diagnosestellung liegt bei acht Monaten. Follikuläre Karzinome sind
meist jenseits des 40. Lebensjahres zu beobachten. Das Wachstum gilt ebenfalls als aggressiv, die Ausbreitung
erfolgt hämatogen. Daneben finden sich noch papilläre (50 Prozent aller bösartigen Tumoren) und medulläre (zehn
Prozent) Karzinome, deren Verlauf vergleichsweise milde ist. Papilläre Karzinome entwickeln sich
vorwiegend um das 40. Lebensjahr. Ihr Metastasierungsweg ist meist lymphogen, dabei bleibt das Wachstum jedoch
hauptsächlich auf das Organ begrenzt. Medulläre Entartungen entstehen vorwiegend im fortgeschrittenen Alter,
vereinzelt lassen sich aber auch Wucherungen bei Kindern feststellen. Die Streuung erfolgt über Blut- und
Lymphweg.
Bisher konnten nicht alle auslösenden Faktoren erforscht werden. Als gesichert gilt der Zusammenhang mit
ionisierenden Strahlen (z.B. bei Bestrahlung im Halsbereich). Vermutet wird zudem ein Zusammenhang mit dem in der
Hypophyse gebildeten TSH (Thyreotropin, stimuliert unter anderem das Wachstum und die Jodaufnahme).
Tumoren der Schilddrüse entwickeln relativ rasch nach ihrer Bildung Symptome, wodurch der Frühdiagnostik eine
hohe Bedeutung zukommt. Die Größenzunahme ist schnell sichtbar. Gebildete Knoten lassen sich gut ertasten, sie sind
vorerst schmerlos. Zusätzlich schwellen auch die regionalen Lymphknoten an. Zu den Spätsymptomen zählen (zum
Teil) starke Schmerzen, die bis in das Ohr ausstrahlen
können, ein klopfender Kopfschmerz im hinteren
Schädelbereich, Schädigungen des Nervus recurrens (Stimmbandnerv), die zuerst zu Heiserkeit und später zu einem
Stimmverlust führen, lokale Exulzerationen (Aufbrechen des Tumors durch die Hautoberfläche), Halsschmerzen, Schluckstörungen sowie eine erkennbare
Fernmetastasierung in Lunge, Leber und Knochen (mit hierdurch verursachter, zusätzlicher Symptomatik).
Daneben zeigen sich allgemeine Erkrankungszeichen. Betroffene leiden unter Gewichtverlust, Anämie, Adynamie (Antriebslosigkeit)
und Müdigkeit. Das Organ bleibt meist
euthyreot (normale Hormonproduktion trotz Größenzunahme), in seltenen Fällen entwickelt sich auch eine Hypothyreose
oder eine Hyperthyreose (Schilddrüsenunterfunktion bzw.
Schilddrüsenüberfunktion).
Die schnell sichtbare Vergrößerung im Bereich des Halses ist ein Warnsignal, welches zügig abgeklärt werden
muss. Nach Anamnese, Inspektion und Palpation des Halsbereiches erfolgen diagnostische Untersuchungen, die sowohl
bildgebende, invasive als laborchemische Methoden nutzen. Die Sonographie stellt das Organ, Vergrößerungen,
Wucherungen und Streuungen in Nachbarregionen dar. CT, MRT und Röntgen dienen dem Ausschluss oder dem Nachweis von
Fernmetastasen. Die Szintigraphie stellt verschiedene Knotentypen (heiß, kalt) dar, hierbei wird Jod injiziert,
welches bei kalten Knoten nicht gespeichert wird und somit nicht dargestellt wird. Heiße Knoten sind fast
ausschließlich gutartig, sie sind aktiver im Vergleich zu kalten Knoten und erscheinen im Szintigramm als rote
Flecken.
Mit Hilfe einer Feinnadelbiopsie können Gewebeproben zur histologischen Untersuchung gewonnen werden. Das
Blutbild liefert Entzündungswerte, Tumormarker,
schilddrüsenspezifische Hormone und weitere Kennzeichen einer Entartung.
Therapie der Wahl ist immer die operative Entfernung des befallenen Organs (totale / radikale Thyreoidektomie).
Hierbei werden auch die regionalen Lymphknoten mit entfernt. Bei jodspeichernden Tumoren wird im Anschluss eine
Radio-Jod-Therapie durchgeführt, bei der das im Organismus eventuell noch vorhandene restliche Gewebe (welches Jod
speichern kann) entfernt werden soll. Bei nicht-jodspeichernden Tumoren erfolgt eine Bestrahlungstherapie.
Zusätzlich müssen die von nun an fehlenden Hormone der Schilddrüse (Trijodthyronin, Thyroxin) oral substituiert
werden.
Eine sich vermehrt zeigende Komplikation nach erfolgter Exzision des Organs ist die Verletzung des Nervus
recurrens, wodurch Stimmbildung und auch Einatmung beeinträchtigt sein können.
Die Prognose richtet sich nach dem vorhandenen Zelltyp des Tumors sowie der bereits erfolgten Metastasierung. Je
eher der Tumor entdeckt wird, desto besser ist die Heilungstendenz. Das anaplastische Karzinom weist dabei die
schlechteste Überlebensrate auf, hier können auch operative Maßnahmen kaum zu einer Lebensverlängerung
beitragen.
Neben epithelialen Tumoren können sich an der Schilddrüse unter anderem noch gutartige Wucherungen (z.B.
follikuläres Adenom), nichtepitheliale Tumoren, maligne Lymphome und tumorähnliche Läsionen entwickeln.

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