Arthrose: Ursachen, Symptome, Diagnose und
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Alle Gelenke des Menschen sind mit einer Knorpelschicht versehen, die als Schutz des Knochens dient und eine
gute Gleitfläche für den artikulierenden Anteil darstellt.
Die Arthrose beschreibt den langsamen Verschleiß dieser Schicht. Meist wird erwähnt dies sei
"altersbedingt" oder durch verschiedene Störungen oder Erkrankungen verursacht.
Mit zunehmender Dauer kann es auch zu einer Veränderung der Knochen selbst kommen, der umgebenden
Gelenkkapsel, der Muskulatur sowie der für den Halt wichtigen Bänder.
Die Arthrose kann an jedem Gelenk entstehen, zeigt sich aber vornehmlich an besonders beanspruchten Bereichen
wie:
- Hüftearthrose (= Coxarthrose)
- Kniearthrose (=
Gonarthrose)
- Hand (z.B. Rhizarthrose am Daumen)
- Fuß (z.B. Hallux rigidus)
- Ellenbogen (= Cubitalarthrose) und
- Wirbelsäule (= Spondylarthrose)
Die Arthrose gilt als häufigste Gelenkerkrankung. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer
arthrotischen Veränderung. Während ungefähr vier Prozent der Menschen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr unter
Arthrose leiden, erkranken um das 50. Lebensjahr zwischen 50 und 60 Prozent. Oberhalb von 70 Jahren lassen sich bei
nahezu 80 Prozent aller Menschen arthrotische Anzeichen feststellen. Insgesamt weisen mehr Frauen als Männer einen
Gelenkverschleiß auf.
Neben dem alters- und belastungsbedingten Abbau der hyalinen Knorpelschicht (= primäre
Arthrose) kann es auch durch angeborene Defekte, Fehlstellungen von Gelenken, Folgen von Unfällen,
Infekten oder knorpelzerstörenden Erkrankungen zu einer Arthrose kommen (= sekundäre
Arthrose).
Zu den angeborenen Störungen zählen unter anderem die Hüftdysplasie (ungenügend ausgeprägte Hüftpfanne, wodurch
es zu Luxationen kommen kann) und Dysostosen (Knochenanbauten, die die Gelenkfunktion einschränken).
Weitere Ursachen sind neurologische Erkrankungen (z.B. Polyneuropathien infolge Diabetes
mellitus), endokrine Störungen (z.B. Morbus Wilson, Akromegalie =
Gigantismus), Gelenkerkrankungen (unter anderem Rheuma,
Gicht, Polyarthritis,
Osteochondrosis dissecans, Morbus Perthes = führt zum Absterben des Hüftkopfes), bakterielle Infekte, Blutkrankheiten (z.B. Hämophilie) sowie
Sportverletzungen und Unfälle.
Den Gelenkverschleiß begünstigend wirkt vor allem Übergewicht (Adipositas), wodurch es zu einer andauernden
Überbelastung der Gelenkflächen kommt.
Die Veränderungen sind meist schleichend und führen über einen langen Zeitraum zur vollständigen Zerstörung der
Gelenkfläche.
Der Beginn weist unspezifische Anzeichen auf. Es zeigen sich zunehmende Spannungsgefühle, Steifigkeit der
Gelenke (vor allem nach Ruhephasen), Wetterfühligkeit und Bewegungsunsicherheiten.
Der fortschreitende Knorpelabbau führt zu Schmerzen, die bei Belastung und schlechtem Wetter (kalt, nass)
zunehmen. Je nach betroffenem Gelenk kommt es zu unterschiedlichen Symptomen.
Meist fallen die ersten Bewegungen schwer und führen zu stichartigen Schmerzen (= Anlaufschmerz), die sich bessern, sobald das Gelenk
sich wieder an die veränderte Belastungssituation gewöhnt hat. Bei Hüft- oder Kniearthrose fallen vor allem das
Herabsteigen einer Treppe oder das Anziehen schwer.
Ist das Daumensattelgelenk betroffen, können einfache Griffe zum Teil nicht ausgeführt werden (z.B. Halten einer
Tasse).
Sind mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen, spricht der Mediziner von Polyarthrose. Durch den zurückgehenden
Knorpel liegen irgendwann die Knochen ohne Schutz aufeinander. Die Reibung und abgelöste Knorpelfragmente fördern
entzündliche Prozesse (= aktivierte Arthrose). In diesem Fall sprechen wir auch von einer
Arthritis (Gelenkentzündung).
Das Gelenk erwärmt und rötet sich, nicht selten bildet sich Flüssigkeit (Erguss), die den Bereich anschwellen
lässt und somit die Funktionalität weiter einschränkt. Der Verlauf führt letztendlich auch zu einer Verformung des
Gelenkes (der Gelenkspalt wird kleiner, die Knochenenden verbreitern sich oder weisen Dellen auf und verlieren ihre
physiologische Form).
Diagnose
Die schulmedizinische Diagnostik nutzt Anamnese (Gespräch) und Inspektion (Untersuchung). Der Knorpelabbau und
dadurch verursachte Gelenkveränderungen können mithilfe einer Röntgenaufnahme indirekt dargestellt werden. Den
Knorpel selbst kann man mit einer Röntgenaufnahme nicht beurteilen - nur indirekt anhand des Gelenkspaltes und
eventueller Umbauprobleme.
Daneben werden in der Schulmedizin MRT, CT oder eine diagnostische Arthroskopie genutzt. Bei bestehender
Schwellung des Knies erfolgt oft Punktion (Absaugen von Flüssigkeit aus dem Knie mit einer Spritze) und
Auswertung der Flüssigkeit. Im einem Blutbild (Laborwerte) lassen sich eventuell Entzündungszeichen nachweisen.
Therapie
Die Arthrose gilt in weiten Teilen der Schulmedizin als nicht heilbar. Eine häufige Aussage, die
Patienten hören ist: "Damit müssen Sie leben." Angewandte schulmedizinische Therapieformen versuchen ein Aufhalten
des weiteren Knorpelabbaus und dienen hauptsächlich der Linderung der Beschwerden.
Hier werden vor allem physikalische Maßnahmen wie Wärme-behandlung, Balneotherapie und Physiotherapie oder
Medizinische Trainingstherapie verordnet. Ein konkretes Beispiel wie so etwas aussehen kann, finden Sie im
Beitrag: Medizinische
Trainingstherapie für das Knie
Injektionen mit Kortison und Lokalanästhetikum sind ebenfalls in der Schulmedizin beliebt und können
kurzfristig einer Entzündung und dem Schmerz entgegenwirken.
"Gelenkspülungen" dienen der Entfernung freier Knorpelanteile und Knochenfragmente.
Zur "Gelenkschonung" werden auch orthopädische Stützen, Schienen, Bandagen und Hilfsmittel (z.B.
Fersenkissen, Unterarmgehstützen) verschrieben.
Operationen
Ist der Gelenkverschleiß bereits weit fortgeschritten und führt dieser zu einer Einschränkung der
Lebensqualität, wird oft operiert:
Ist das Gelenk bereits stark zerstört, erfolgt der Aufbau mit einem Gelenkersatz (z.B.
Hüftprothese oder Knieprothese).
In seltenen Fällen ist die arthrotische Veränderung bereits soweit fortgeschritten, dass eine Gelenkprothese
keine Besserung bringt. Hier wird seitens der Schulmedizin oft eine "Versteifung" vorgeschlagen (=
Arthrodese), um eine Schmerzlinderung bzw. Schmerzfreiheit zu erzielen. Deutlicher Nachteil dieser Methode ist eine
eingeschränkte Funktionalität des betroffenen Bereichs (z.B. kann der Fuß bei einer Versteifung im Sprunggelenk
nicht mehr abgerollt werden).
Bei Gelenkfehlstellungen wird auch manchmal eine sog. Osteotomie vorgeschlagen, wobei der
fehlgestellte Knochen durchtrennt wird und durch Anfügen oder Wegnehmen eines Knochenkeils begradigt und
mit Platten und Schrauben wieder befestigt wird.

Vorbeugung
Durch sportliche Aktivitäten, ausreichende Bewegung, Meidung von Übergewicht bzw. andauernder Überbelastung von
Gelenken kann in vielen Fällen der Prozess des Knorpelabbaus verzögert oder gemildert werden.
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