Heilpraktikerausbildung - Erfahrungen

  • Sehr geehrter Herr Gräber,

    aktuell interessiert mich ein wichtiges Thema , nämlich das der Heilpraktikerausbildung.

    Da Sie so ziemlich immer auf dem Laufenden sind mit naturheilkundlichen Themen, wende ich mich heute mit dieser Frage an Sie, insbesondere deshalb, da ich im Oktober plane die HP Prüfung zu machen.

    Können Sie abschätzen, wie es sich mit dem „Weiterleben“ des Heilpraktikers bestellt ist und es sich überhaupt noch lohnt sich in dieser Richtung weiter zu bilden? Weiterhin interessiert mich die Frage, sollte der HP weiter fort bestehen, inwieweit wird es möglicherweise „Beschneidungen“ geben i.S. der therapeutischen Möglichkeiten?

    Mit anderen Worten, lohnt es sich heute noch den Beruf des Heilpraktikers zu erlernen?


    Ihre Antwort wäre mir wichtig und ich wäre Ihnen sehr dankbar dafür.

  • René Gräber

    Hat den Titel des Themas von „Heilpraktikerausbildung“ zu „Heilpraktikerausbildung - Erfahrungen“ geändert.
  • Ich würde die Frage auch gerne an alle Kolleginnen und Kollegen weitergeben.


    Die Bestrebungen die Heilpraktiker abzuschaffen ist ja nicht wirklich etwas Neues.

    Aktuell ist dies ja eine Forderung der FDP. Wir haben dazu hier im Forum diesen Thread:
    FDP will Heilpraktiker langfristig abschaffen


    Allerdings sehe ich seit zwei Jahren starke Bestrebungen seitens bestimmter Kreise die Therapien der Heilpraktiker zu beschneiden. Das ging schon beim Procain los und zieht sich derzeit hin die Eigenblutherapie (die in der Tat wirkungsvoll ist) zu verbieten. Dazu wird das Transfusionsgesetz hervorgekramt und entsprechend ausgelegt. Das passiert alles Schrittchen für Schrittchen.


    MIt den Naturheilverfahren ist es ähnlich. Diese werden massiv diskreditiert, vor allem derzeit die Homöopathie.

    Siehe u.a.: https://www.yamedo.de/blog/homoeopathie-abschaffen-2018/


    Da du schon recht weit mit der Ausbildung bist, würde ich diese jetzt auch fertig machen (meine Meinung).

    Ich folge da dem Rat meines Großvaters: "Bende alles was du beginnst erfolgreich!"

    Aufgegeben wird nur, wenn sich die Voraussetzungen grundlegend geändert haben und die Verfolgung des Ziels keinen Sinn mehr ergibt.

  • Der Vorsitzende der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, forderte mal im Tagespiegel den Handlungsspielraum von Heilpraktikern so weit wie möglich einzuschränken, da aus seiner Sicht die viel zu geringen Anforderungen hinsichtlich der Qualifikation der Heilpraktiker zu bemängeln seien. Eine Einschränkung oder Reform des Heilpraktikerberufes forderte er allerdings nur, weil eine Abschaffung des Berufs politisch nicht durchsetzbar sei.


    Auch nach Ansicht der Deutschen Hochschulmedizin sei die Heilpraktikerausbildung zwar "völlig unzureichend" und müsse "dringend überarbeitet" werden. Zugleich wies der Verein in einer Mitteilung aber darauf hin, dass komplementärmedizinische Ansätze die Schulmedizin wertvoll ergänzen könnten. Hierzu bedürfe es aber mehr wissenschaftlicher Evidenz als bislang.


    Ich bin zwar kein Kollege, sehe das aber auch wie Rene - mache die Ausbildung fertig. Vielleicht wird es irgendwann mal so etwas wie eine Fachrichtung geben, für die man sich entscheiden muss - ähnlich wie in der Schulmedizin, aussterben wird der Heilpraktikerberuf aber sicherlich nicht.

  • Ich kann inzwischen die Haltung von Montgomery verstehen, weil ich eine komplementärmedizinische Berufsausrichtung begrüßen würde.


    Ich glaube, durch einen Hochschulabschluß ( wie der bei den Hebamnen angestrebte) würde die Akzeptanz bei Ärzte erhöhen werden. Besonders müssten die bundesweiten Prüfungen gleich schwer sein und in Etwa den gleichen Inhalt abfragen. Und zur mdl Prüfung müsste sich , wie bei den Physios, ein praktischer Teil gesellen.

    Was hilft der Erste- Hilfe- Koffer in der Praxis, wenn der HP kein Blut sehen und daher keinen Zugang legen kann? Alles vorgekommen!


    Ich arbeite hier im Norden gut mit einigen Ärzten zusammen. Hatte aber auch das Glück nach der Grundausbildung von einer Ärztin für Naturheilkunde unter die Fittiche genommen zu werden. Die hat mich dann mit zu Seminaren genommen, in die ich mich alleine nie getraut hätte.


    Seminare,Kontakt zu Laboren und ganz allmählich zu Ärzten..das sind Aufgaben nach der Prüfung für dich, Katharina.


    Gruß Gabriele

  • Ich bedanke mich schon einmal ganz herzlich für die interessanten Beiträge und Antworten, die mich jetzt durchaus motivieren weiter zumachen! Ergänzend zu meiner bisherigen Ausbildung kann ich noch folgendes sagen: ich bin von Haus aus MFA, habe Medizin studiert (Vorklinik), seit ca. 40 Jahren in der Medizin praktisch tätig (Schulmedizin und Komplementärmedizin (Praxis und Klinik für Naturheilkunde)!!) , arbeite auch als Gesundheitsberaterin und habe mich in den letzen Jahren im Bereich Darmgesundheit und Mitochondriale Medizin weiter gebildet ( nicht nur :-)). Praktische Kenntnisse in naturheilkundlichen Therapieformen habe ich mehr als genug!! Also fehlt nur noch der Schein!! Und ein Jobangebot habe ich auch schon :-)

    Dennoch bin ich auch der Meinung, dass die HP Ausbildung standardisiert werden sollte ... wieso sind die Verbände da nicht aktiver ?

  • Ragusa "Ich glaube, durch einen Hochschulabschluß ( wie der bei den Hebammen angestrebte) würde die Akzeptanz bei Ärzte erhöhen werden."


    Mit Verlaub: Als Heilpraktiker brauche ich keine Akzeptanz seitens der Ärzteschaft. Ich respektiere und achte das, was viele Ärztinnen und Ärzte jeden Tag für ihre Patienten leisten, wenn diese Leistung im Sinne der Patienten ist, sprich: diesen wirklich hilft. Die meisten Ärzte tun dies sicher auch in gutem Glauben, spielen aber in einem System mit, mit dessen Restriktionen das Heil der Patienten gar nicht zu erreichen ist. Darüber habe ich ja schon hinlänglich berichtet:

    Und das ist ja nur eine ganz kleine Auswahl.


    Die Ärzte, die im System mitspielen, tun sich auch keinen Gefallen:

    Würde eine HP-Ausbildung an die Hochschulen verlagert, hätten wir eine "Naturheilkunde light" und die Ausbildung würde verschult werden. Sinn der HP-Regulierung war ja, dass Wissen der Naturheilkundigen und vor allem der zur Heilung befähigten Menschen (Geistheiler und andere) irgendwie zu regulieren und denen das auch zu erlauben (in gewissem Rahmen). Als das nicht reguliert war, wurden zahlreiche dieser Heiler verfolgt, Beispiel Sebastian Kneipp. Hildegard von Bingen hatte auch keine klassische Medizin-Ausbildung -- oder glaubt hier jemand, dass sie diese Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt hätte, wenn Sie Ärztin geworden wäre? Lächerlich.


    Es gibt hinreichend gute Heilpraktiker-Schulen die eine solide Ausbildung gewährleisten. Die Frage wäre, ob so eine 3-jährige Ausbildung (an "privaten" Schulen) zur Pflicht gemacht werden sollte - ähnlich wie bei den Physiotherapeuten?

    In Anbetracht der Arbeit der Heilpraktikerschaft, sehe ich keinen Bedarf etwas zu ändern.

    Warum auch? Wo sind denn die Friedhöfe mit den Toten, die die Heilpraktiker hinterlassen?

    Die klassische Medizin (Schulmedizin, Allopathie) hat diese jährlich im tausender-Bereich zu bieten:
    https://naturheilt.com/blog/medikamente-nebenwirkung-tod/´

    Alleine in Anbetracht dieser Fakten wäre eine gründliche Überarbeitung der Vorgehensweise und Ausbildung der Ärzteschaft angebracht, nicht die der Heilpraktiker (über die man freilich auch diskutieren kann).

    Diese Diskussion gestaltet sich nach dem Motto: "Was siehst du den Splitter in des Nachbarn Auge und wirst den eigenen Balken vor deinem Hirne nicht gewahr!"


    Und jetzt stelle ich mal noch ein paar provokantere Fragen:

    Sollte man einem Menschen wir Bruno Gröning zur Auflage machen sich 3 Jahre mit für ihn "unnützem Wissen" abzumühen, um das zu tun, was er ohnehin viel besser konnte?

    Und was ist mit Jesus? Der heilte Menschen reihenweise - ohne "staatliche Heilerlaubnis".

    In Westeuropa bezeichnen sich viele Menschen ja als Christen. Ich sage euch: der wesentliche Auftrag, den Jesus hinterlassen hat, war auch ein Heilsauftrag. Er forderte seine Jünger auf, ihm das gleichzutun - und das beinhaltete auch die Heilung von Menschen. Vielleicht sollten sich mal einige "Geistliche" daran erinnern?


    Zurück zur Sache:

    Ob und wie die Sache mit der Heilpraktiker-Ausbildung geregelt werden soll, ist eine Frage, die die gesamte Gesellschaft beantworten muss - und mit Sicherheit NICHT die Ärzteschaft. Über Gesetze entscheidet das Parlament, also unsere gewählten Volksvertreter.


    Aber bei unseren gewählten Volksvertretern haben wir ebenfalls eine unheilvolle Allianz, die ich ja auch immer wieder beschreibe; und da ist m.E. nicht viel zu erwarten:

    Und diese Herrschaften maßen es sich an über Gesundheit und Heilung entscheiden zu wollen?


    Und was macht die ach so evidenzblasierte "Schulmedizin"?

    Feuern ihre Kritiker und machen diese mundtot:
    https://naturheilt.com/blog/fu…ler-wird-mundtot-gemacht/

    So sieht es aus im "System".


    Ich kann nur alle Kolleginnen und Kollegen dazu aufrufen:


    Lasst euch nicht beirren! Handelt in bestem Wissen und Gewissen. Behandelt Eure Patienten wie eure Freunde. Und vor allem: werdet selbst so heil wie möglich. Denn nur ein Heiler kann heilen.


    In diesem Sinne bin ich gerne Heilpraktiker. Heiltheoretiker haben wir schon genug.

  • Du schreibst in deiner persönlichen Seite , dass du dir neben der Ausbildung zum HP mehrere medizinische Fächer an der Uni " gegönnt" hast.

    Eine derartige Qualfizierung meine ich.

    Die Qualität der Schulen ist seeeehr unterschiedlich und die der Skripte noch mehr. Hier wäre eine Standardisierung durch die Verbände im Sinne der Patienten nötig.

  • Eine Kollegin leitete mir per E-Mail einen Brief weiter, den diese an Abgeordnete des Bundestags schrieb:


    Fast täglich erschienen in der Vergangenheit negative Schlagzeilen zu unserem Berufsstand in der Presse. Immer das gleiche wird wieder und wieder gekäut – und unsere Politiker fallen darauf herein. Auch Sie in der CDU haben sich von der Stimmungsmache gegen Heilpraktiker einfangen lassen und denken über eine Einschränkung des Heilpraktikerberufs nach.


    Bei Berufshaftpflichtprämien von lediglich 15 € im Monat können wir aber gar keine größeren Schäden anrichten!


    Hebammen ohne Geburtshilfe liegen bei ca. 34 € Berufshaftpflichtprämie monatlich, Allgemeinmediziner bei ca. 43 € und Onkologen bei ca.100 € Berufshaftpflichtprämie. Es wäre so einfach für die Politik. Die Versicherungsgesellschaften müssen ihr Risiko kalkulieren und sind damit ein ganz neutraler Beobachter und Auskunftgeber. Warum interessiert eine objektive Risikoeinschätzung die CDU nicht?


    Warum hört man uns praktizierende Heilpraktiker nicht an? Es geht mir nicht um die Verbände. Diese stehen oftmals nicht einmal hinter ihren eigenen Mitgliedern.

    Ich wäre sofort bereit mich einem politischen Ausschuss zu stellen. Ja, und ich wäre auch bereit eine Nachprüfung an der Universität abzulegen. Ich fände eine Akademisierung gut. Die HP Verbände sträuben sich allerdings dagegen.

    Den Dentisten gab man früher dieses Gelegenheit. Mit dem Bestehen einer mündlichen und praktischen Prüfung waren die Dentisten dann Zahnärzte.


    Warum werden die Vertreter der Heilpraktikerverbände nicht zur Gesundheitsministerkonferenz der Länder zugelassen, wenn über den Heilpraktikerstand beraten und geurteilt wird?


    Wie kann die Ärzteschaft unsere Abschaffung fordern, wo an Ärztestreiktagen die Sterberaten drastisch zurück gehen (Quelle AOK)?


    Warum wird nach 2 Todesfällen palliativer, schulmedizinisch austherapierter (= todgeweihter) Patienten bei einem Heilpraktiker 2016 ein ganzer Berufsstand diffamiert? Und gar von der Ärzteschaft seine Abschaffung gefordert?


    Bei den Todesfällen in Göppingen durch eine Krankenschwester hingegen, wird nicht die Abschaffung aller Krankenschwestern gefordert.

    Ebenfalls in Göppingen stehen aktuell 3 Ärztinnen vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung. Das Ganze ist 2 Jahre her. Erst jetzt berichtet die Presse. Einmalig. Keine Hetzjagd. Kein Einfordern eines Verbots aller Ärztinnen.


    WARUM?


    Wir HeilpraktikerInnen handeln verantwortungsbewusst.

    Wir haben viele Fortbildungsstunden jedes Jahr, die ich ausschließlich mit den Ärzten absolviere.


    Warum diese Hetze?

    Was ist der wirkliche Grund? Es ist nicht eine Gefährdung der Patienten durch uns. Das zeigen unsere Haftpflichtprämien eindeutig und unbeirrbar an.


    Dazuhin entlasten wir das gesetzliche Gesundheitswesen.