Sonnencreme und Sonnenmilch – Worauf Sie achten sollten!

24. April 2011 | Von | Kategorie: Medikamente

„Die Dosis macht das Gift!“ ist ja ein alter Spruch aus der Naturheilkunde. Und das gilt auch für das Naturheilmittel Licht und Sonne. Während sich die meisten Menschen (vor allem Ältere) viel zu viel drinnen aufhalten, wird es für Einige zu viel der Sonne. Und spätestens im Urlaub wird dann eine Sonnencreme bzw. Sonnenmilch gebraucht.

Zu starke Sonnenbestrahlung wird von Hautärzten gerne mit Hautkrebs in Verbindung gebracht. Und spätestens wenn von verschiedenen Krebsarten gesprochen wird, sind viele bereit genauer hinzuhören. Krebs möchte ja schließlich keiner haben…

Hautkrebs ist, laut Deutscher Dermatologischer Gesellschaft, mit etwa 23 Prozent die häufigste Tumorerkrankung in Deutschland. Doch obwohl meistens ältere Menschen an dem Krebs erkranken, gelten Sonnenbrände in der Kindheit als gefährlichste Auslöser für das maligne Melanom und andere Hautkrebserkrankungen.

So warnt beispielsweise die American Academy of Dermatology, dass etwa 80 Prozent aller Sonnenschäden bereits vor dem 18. Lebensjahr verursacht werden. Denn Kinderhaut vergisst nichts! Studien belegen, dass wenige schwere Sonnenbrände vor dem 15. Lebensjahr ausreichen, um das Hautkrebsrisiko um das Drei- bis Fünffache zu erhöhen.  (vgl.: Berking C.: Bedeutung von ultravioletter Strahlung bei malignem Melanom; Hautarzt; 2005; 56; S. 687-697).

Dies liegt vor allem daran, dass die vergleichsweise sehr dünne Kinderhaut empfindlich auf äußere Einflüsse reagiert. Außerdem produziert sie weniger Pigmentfarbstoff Melanin, das mehr als 99,9 Prozent der gefährlichen Strahlungsenergie in Wärme umwandelt und auf diese Weise vor Sonnenschäden schützt.
(vgl.: Meredith P. & Riesz J.: Radiative Relaxation Quantum Yields for Synthetic Eumelanin; Photochemistry and photobiology; 79, 2; 2004; S. 211–216).

Deshalb ist es auch so enorm wichtig, seinen Kindern immer einen optimalen Sonnenschutz zu bieten und einige einfache Regeln zu beachten, wenn es bei strahlend blauem Himmel an den Strand, auf die Skipiste oder auf den Spielplatz geht. Die folgenden Regeln können Sie aber auch weitgehend für Erwachsene übertragen.

Die goldenen Sonnenschutzregeln für Ihre Kinder (ab zwei Jahren)

– Weite, leichte Sommerkleidung und ein Hut mit breiter Krempe schützen am besten vor der Sonne. Kinder sollten lediglich ihre Arme und Beine den Strahlen aussetzen. Deshalb sind T-Shirts besser als Träger-Hemdchen.

– Dunkle, trockene Baumwollkleidung schützt am effektivsten vor der Sonne. Helle Shirts lassen 20 Prozent mehr UV-Strahlung durch als schwarze Kleidung. Ist die Kleidung nass, gelangt sogar doppelt so viel Strahlung an die Haut wie bei trockener Bekleidung. Interessanterweise schützt gelb ebenso sicher wie schwarz! Es gibt auch spezielle UV-Kleidung, die mindestens einen Lichtschutzfaktor von 30, besser aber 40 oder mehr haben sollten. Kleidungen, die das Prüfsiegel „UV-Standard 801“ tragen, zeugen von hohem Strahlen-Schutz unter Alltagsbedingungen (wie zum Beispiel Feuchtigkeit durch Schweiß und Meerwasser, Abnutzung, Dehnung des Gewebes beim Tragen).

– Fußrücken, Nacken und Ohren sind oft besonders gefährdet, da sie beim Sonnenschutz leicht vergessen werden. In Sandalen schützen Socken die empfindlichen Haut. Geschlossene Schuhe sind ebenso wirkungsvoll. Nacken und Ohren können mit breitem Hut und starker Sonnencreme geschützt werden.

– Unsere Augen sind besonders lichtempfindlich. Daher sollten Kinder immer Sonnenbrillen, weite Sonnenhüte oder Schirmmützen tragen. Achten Sie bei den Sonnenbrillen auf spezielle UV-Prüfsiegel und lassen Sie den Strahlenschutz gegebenenfalls vom Optiker kontrollieren. Sichere Sonnenbrillen blockieren ultraviolettes Licht bis 400 Nanometer und sind mit „UV 400“ oder dem CE-Kennzeichen markiert.

– Benutzen Sie eine Sonnencreme, die mindestens den Lichtschutzfaktor 30 hat. Dies gilt auch im Schatten, da das Licht reflektiert wird. Im Schnee und am Wasser ist die Strahlenreflexion besonders hoch. Selbst wenn es windig und kalt ist, bedeutet das nicht, dass die Sonnenstrahlen weniger gefährlich sind. Ist es hingegen bewölkt, so kommen nur wenige UV-Strahlen bei uns an.

Sonnenschutz für empfindliche Kinderhaut

Sehr hellhäutige und rothaarige Kinder sind besonders anfällig für Sonnenbrände und Hautkrebserkrankungen. Neben den oben genannten Regeln gilt hier: Die Sonnencreme sollte einen LSF von 50 oder mehr aufweisen und wasserfest sein. Auch bei anderen Kindern ist ein LSF von mindestens 30 erforderlich.

Sonnenschutzmittel, die Alkohol enthalten, trocknen die Haut leicht aus. Daher empfiehlt sich für Kinder eine Sonnencreme ohne Alkohol. Allerdings sind solche Produkte recht rar.

Dermatologisch getestete Sonnencremes rufen keine Unverträglichkeitsreaktionen – wie rote, juckende Pusteln – auf der Haut hervor. Gerade bekannte Allergiker oder an Neurodermitis erkrankte Kinder können nämlich leicht Probleme mit Duftstoffen, Emulgatoren oder Konservierungsmitteln bekommen.

Babys und Kleinkinder im Schatten lassen

Säuglinge und Kleinkinder bis zu zwei Jahren sollten, nach Empfehlung von Hautärzten, überhaupt nicht direkter Sonne ausgesetzt werden. An der frischen Luft sind sie im Schatten bestens aufgehoben, auch hier mit leichter Kleidung und einem Sonnenhut geschützt. Im Kinderwagen helfen Sonnenschirme und Sonnensegel.

Da es bisher keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu gibt, ob die empfindliche Babyhaut chemische UV-Filter verträgt, sollten Sie für Ihre Kinder unter einem Jahr am besten gar keine Sonnencreme benutzen. Ist es aber einmal unumgänglich, einzelne Hautpartien, etwa das Gesicht, zusätzlich vor der Sonne zu schützen, dann benutzen Sie sicherheitshalber Sonnencreme, die nur natürliche Mineralien als Schutz vor der Strahlung enthält. So eine Sonnenmilch empfehle ich übrigens auch für Erwachsene.

Lichtschutzfaktor niemals ausreizen

Hat eine Sonnencreme einen besonders hohen Lichtschutzfaktor (LSF), so können wir uns auch lange in der Sonne aufhalten. Ein LSF 20 besagt demnach, dass wir uns 20 Mal so lange unter freiem Himmel aufhalten können wie ohne Sonnencreme. Wer normalerweise bereits nach 10 Minuten eine gerötete Haut bekommt, kann also – gründlich eingecremt – theoretisch mehr als drei Stunden in der Sonne bleiben. Aber Vorsicht: Der angegebene LSF gilt nur unter Laborbedingungen. In der Praxis sollten Sie diesen Zeitraum auf jeden Fall deutlich unterschreiten.

Mineralische UV-Filter

Mineralische Lichtschutzfilter (Zinkoxid oder Titandioxid) in den Sonnencremes bestehen aus winzig kleinen Pigmenten, die sich wie ein schützender Film auf die Haut Ihres Kindes legen. Die Pigmente reflektieren das Sonnenlicht, so dass dieses nicht in die Haut eindringen kann. Teilweise handelt es sich bei diesen mineralischen UV-Filtern um Nanopartikel, die ich generell mit Skepsis betrachtet werden und deren Wirkung auf unseren Organismus bisher kaum erforscht ist. Im Gegenteil: Forscher aus Bristol konnten belegen, dass Nanoteilchen sogar das Erbgut schädigen können. Der BUND forderte bereits 2010, eine Kennzeichnungspflicht für Nanoprodukte.

In biologischen mineralischen Sonnencremes behalten die Mineralien ihre natürliche Größe, so dass sie auf keinen Fall in die Haut eindringen können und als unbedenklich gelten.

Chemische UV-Filter

Chemische Filter dringen in die oberen Hautschichten ein, um hier die gefährlichen UV-Strahlen in harmloses Infrarot-Licht umzuwandeln. Allerdings haben Züricher Wissenschaftler in Tierversuchen und Zellkulturen gezeigt, dass viele chemische Substanzen hormonelle Effekte haben. So bewirkt der UV-Filter 4-MBC (4-Methyl-Benzylidene Camphor), auf die Haut von jungen Rattenweibchen aufgetragen, eine vorzeitige Vergrößerung der Gebärmutter (Schlumpf M. et al.: In vitro and in vivo estrogenicity of UV screens; Environ Health Perspect; 2001; 109(3); 239-244).

Menschliche Brustkrebszellen beginnen durch die Zugabe von 4-MBC ebenfalls zu wachsen. Dies bestätigt die östrogene Wirkung der Substanz. Während die Forschergruppe um Magret Schlumpf neun von zehn untersuchte chemische UV-Filter für hormonell aktiv und daher bedenklich hält, geht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) davon aus, dass lediglich 4-MBC in Sonnencremes möglicherweise gesundheitlich bedenklich ist (www.bfr.bund.de/cd/6891).

Ich würde jedenfalls soche Substanzen immer meiden wollen.

Mindestschutz vor UV-A-Strahlung

Das ultraviolette, für uns Menschen nicht sichtbare Licht lässt sich in weitere Einheiten unterteilen. So hat UV-A-Licht eine Wellenlänge von 320 bis 400 Nanometer, während UV-B-Licht bei 280 bis 320 Nanometern liegt. Während wir – ohne ausreichenden Schutz – die Auswirkungen der UV-B-Strahlen schon nach kurzer Zeit als Hautrötung und schmerzenden Sonnenbrand wahrnehmen, dringt das UV-A-Licht fast unbemerkt in unsere Haut ein.

Allerdings ist wissenschaftlich bestätigt, dass die Strahlung ebenfalls gefährlich ist. Schließlich kann sie zu Erbgutschäden führen, die, ebenso wie die UV-B-Strahlung, Hautkrebs auslöst (van Weelden H. et al.: The carcinogenic risks of modern tanning equipment: is UV-A safer than UV-B?; Arch Dermatol Res; 1988; 280(5); S. 300-307).

Der auf den Sonnenschutz-Produkten angegebene LSF bezieht sich allerdings nur auf die UV-B-Strahlen. Das Problem daran: Wir halten uns länger in der Sonne auf, bekommen keinen Sonnenbrand und wähnen uns daher in Sicherheit, da wir die gefährlichen UV-A-Strahlen nicht bemerken.

Seit 2009 müssen Sonnenmilch und Sonnencremes daher einen einheitlichen minimalen Strahlenschutz vor UV-A-Licht aufweisen. Demnach liegt das Verhältnis von UV-A-Schutz zu UV-B-Schutz bei mindestens 1:3. Bei rein mineralischen UV-Filtern mit einem Lichtschutzfaktor ab 30 fällt die Leistung des UV-A-Schutzes stark ab, während der UV-B-Filter problemlos funktioniert. Gemische aus chemischen und mineralischen UV-Filtern können das Verhältnis hingegen auch bei hohem LSF aufrechterhalten.

Eincremen – Aber richtig

Da Kinderhaut empfindlich ist, kann sie auch im Schatten verbrennen. Daher gilt: Immer eincremen, wenn Ihr Kind sich bei Sonnenschein im Freien aufhält, auch unter dem Sonnenschirm oder im Schatten eines Baumes.

Auch wasserfeste Produkte gehen beim Schwitzen und Baden teilweise verloren. Achten Sie daher darauf, sich selbst und Ihre Kinder regelmäßig nachzucremen.

Sonnencreme sollte als dünner Film die Hautoberfläche umgeben. Wird sie hingegen in die Haut einmassiert, nimmt die Schutzwirkung ab.

Seien Sie beim Sonneschutz großzügig. Denn je dicker Sie die Creme auftragen, desto besser wirkt sie. Sprays scheinen zwar praktisch, da langwieriges Einreiben wegfällt; sie werden aber meistens nicht dick genug aufgetragen, so dass der angegebene Lichtschutzfaktor nicht erreicht werden kann.

Fast alle Sonnencremes enthalten mineralische Filter. Da diese einen Schutzfilm auf der Haut bilden, wirkt die Creme direkt. Sie müssen also nicht, wie früher empfohlen, eine halbe Stunde warten, bevor Sie in die Sonne gehen.

Da Sonnencreme die Haut austrocknet, verwenden Sie am Abend Feuchtigkeitslotions oder andere Präparate.

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René Gräber - Heilpraktiker & Sportpädagoge mit eigener Praxis. Sie finden mich unter anderem auch auf Google+, facebook, Xing oder Twitter. Ich schreibe und berichte regelmäßig zu den Themen Medizin, Fitness und Gesundheit. Wenn Sie dies interessiert, dürfen Sie gerne (siehe Box hier unten), meinen persönlichen Gesundheits-Newsletter anfordern. In den ersten 5 Teilen berichte ich über meine "5 Lieblings-Wundermittel".

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Ein Kommentar
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  1. Um den Metabolismus zu stimulieren – sprich: die UVB – Strahlung besser zu vertragen, sind genügend Mengen von Biophotonen (Sonne von Innen) das beste Mittel, um sich auf die Sonnen-Saison vorzubereiten.
    Informieren Sie sich bitte ebenfalls über diese „quantendynamische“ Methode.
    Kommen Sie gut durch den Sommer !

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