Heideblütentee

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Heideblüten werden auch Heidekraut oder Besenheide genannt. Der wissenschaftliche Begriff für die Pflanze lautet Calluna vulgaris. Die Pflanze gehört zur Familie der Heidekrautgewächse. Wie der Name schon verrät ist diese Pflanze typischerweise in Heidelandschaften anzutreffen. Die Ursprungsorte der Pflanze liegen in Europa, Island, den Färöer-Inseln und den Azoren.

Eine typische „Gesundheits-Webseite“ (wie diese heute tausendfach existieren), gibt einen kurzen Überblick über „Wissenswertes“ zur Heideblüte (1).

Wir erfahren dort, dass Heidekraut und deren Blüten in der Naturmedizin bei einer Reihe von Erkrankungen und Beschwerden zum Einsatz kommen:

„. . . im Bereich der Niere und der ableitenden Harnwege, bei Vergrößerung der Vorsteherdrüse, als Entwässerungsmittel, zur Vorbeugung bei Steinleiden, Weißfluss, bei Erkrankungen und Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes, Durchfall, Magen-Darm-Krämpfen, Koliken, Leber- und Gallenerkrankungen, bei Gicht, Rheuma, Erkrankungen und Beschwerden im Bereich der Atemwege, Husten, Erkältungskrankheiten, bei Schlafstörungen, Unruhezuständen sowie in Augenbädern bei Augenentzündungen, ferner zur Wundbehandlung, bei Fieber, Milzleiden sowie als schweißtreibendes Mittel angewendet.“

Und: „Heideblüten-Tee wird traditionell bei Blasensteinen, Gicht, Magen-Darm-Beschwerden und Rheuma eingesetzt.“ 

Die Webseite beeilt sich aber sofort einzuwenden, dass „die Wirksamkeit bei den aufgeführten Anwendungsgebieten als nicht belegt gilt.“ Auch hier kommt wieder die Unterstellung zur Anwendung, dass naturheilkundliche Erfahrungswerte bedeutungslos sind und nur von den Behörden zugelassene Substanzen „wirksam sein dürfen“. Die Tatsache, dass es wenig wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Pflanze gibt, erlaubt jedoch keinesfalls den Rückschluss, dass es die aufgezählten Wirkungen nicht geben kann. Der einzige Rückschluss, der zu diesem Zeitpunkt erlaubt ist, besteht in der Tatsache, dass Heidekraut in der Naturmedizin eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen scheint. Und es erlaubt den Rückschluss, dass die wenigen Studien Resultat eines relativen Desinteresses der Schulmedizin an natürlichen Heilmethoden sind.

Heidekraut und die Wissenschaft

Von nicht ganz 200 Veröffentlichungen im PubMed gibt es nur 6 Arbeiten, die sich mit physiologischen Fragestellungen auseinandersetzen. Es gibt keine einzige klinische Studien mit Heidekraut oder Heidekrautblüten. Die meisten Studien sind reine Laborstudien und einige wenige Studien mit Ratten.

Die älteste dieser Studie wurde 1992 veröffentlicht (A Calluna vulgaris extract 5-lipoxygenase inhibitor shows potent antiproliferative effects on human leukemia HL-60 cells.). Die französischen Forscher untersuchten den Einfluss eines Wasser-Extrakts von Heidekraut auf humane Leukämiezellen. Sie fanden heraus, dass der Extrakt dosisabhängig die Proliferation und Synthese von DNA der Leukämiezellen reduziert. Die Autoren schließen bemerkenswerterweise daraus, dass dieser Wirkmechanismus „den erfolgreichen Gebrauch von Heidekraut und Heidekrautblüten als Tee oder als Heilbad in der Naturmedizin erklärt“.

Im Jahr 2007 zeigten türkische Wissenschaftler mit Hilfe verschiedener Formen von Heidekraut-Extrakten, dass die Pflanze eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Komponente enthält, die Trifolin (Kaempferol 3-O-beta-D-galactoside) genannt wird (Bioassay-guided isolation of kaempferol-3-O-beta-D-galactoside with anti-inflammatory and antinociceptive activity from the aerial part of Calluna vulgaris L.)..

Photochemoprotective effect of Calluna vulgaris extract on skin exposed to multiple doses of ultraviolet B in SKH-1 hairless mice. - Diese Arbeit aus dem Jahr 2012 aus Rumänien zeigt, dass Heidekraut einen schützenden Effekt gegenüber UVB-Strahlen ausübt. Hier wurden haarlose Mäuse mit einem Heidekraut-Gel behandelt und dann verschiedenen Dosierungen von UVB-Strahlen ausgesetzt. Gemessen wurden oxidativer Stress, Entzündungsreaktionen und DNA Schädigung. Es zeigte sich, dass das Gel die Haut der behandelten Mäuse gegen Entzündungsreaktionen und DNA Schäden schützte.

Im Jahr 2014 griffen die gleichen Forscher das gleiche Thema noch einmal auf (In vitro studies on the mechanisms involved in chemoprevention using Calluna vulgaris on vascular endothelial cells exposed to UVB.). Diesmal behandelten sie Zellkulturen (Endothelzellen), die mit 2 unterschiedlichen Konzentrationen von Heidekraut-Extrakt (2,5 und 7,5 Mikrogramm) ausgetestet wurden. Die Vorbehandlung mit 2,5 Mikrogramm zeigte nach der Bestrahlung mit UVB eine verbesserte antioxidative Abwehr, einen Schutz gegen DNA Schäden und eine Abnahme der Zell-Apoptose. Die Konzentration von 7,5 Mikrogramm dagegen erwies sich als prooxidativ, verbunden mit vermehrten DNA Schäden, die auf einer Aktivierung von NF-kB (nuclear factor 'kappa-light-chain-enhancer' of activated B-cells), einem Transkriptionsfaktor, beruhten.

Mein Fazit: Diese Arbeit zeigt, dass es Unterschiede zu geben scheint zwischen einer Tierstudie und einer Laborstudie mit Zellkulturen. Es ist auch fraglich, welchen Stellenwert diese Studie für die UVB-Strahlung hat, da hier Endothelzellen untersucht wurden, die in den Blutgefäßen zu finden sind, die aber im Organismus keiner UVB-Strahlung direkt ausgesetzt sind.

Im gleichen Jahr untersuchten Forscher der Universität von Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) die in vitro Aktivitäten von Heidekraut-Extrakt auf einige Keime, die für Harnweginfektionen verantwortlich sind (In vitro activity of heather [Calluna vulgaris (L.) Hull] extracts on selected urinary tract pathogens.). Bei den Keimen handelt es sich um Escherichia coli, Enterococcus faecalis und Proteus vulgaris. Die Autoren ermittelten die geringste hemmende Konzentration des Extrakts. Es zeigte sich, dass der Extrakt signifikante antibakterielle Aktivitäten besaß/besitzt. Die Keime von Proteus vulgaris zeigten sich am empfindlichsten. Die Resultate dokumentierten, dass alle getesteten Extrakte gegen alle getesteten Keime signifikant wirksam waren.

Eine neue Studie aus diesem Jahr aus Polen untersuchte die antioxidativen Aktivitäten von wildem und kultiviertem Heidekraut (Biophenols and antioxidant activity in wild and cultivated heather.). Die gewonnenen Extrakte zeigten, dass Chlorogensäure (hat nichts mit Chlor zu tun) der Hauptbestandteil der phenolischen Komponenten im Extrakt sind, gefolgt von Catechinen. Der Extrakt der kultivierten Pflanze zeigte ein ausgesprochenes antioxidatives Potenzial.

Fazit

Die Erfahrungen der Naturheilkunde mit Heidekraut und Heidekrautblüten in Form von Tee und Heilbädern ist reichhaltig, aber in den Augen der Schulmedizin nicht signifikant. Die wissenschaftliche Dokumentation zu dieser Pflanze in Bezug auf Physiologie und Naturheilkunde fällt leider weniger als mager aus. Die wenigen hier diskutierten Beiträge zeigen jedoch ansatzweise, dass es eine naturwissenschaftliche Basis für die vielen positiven Erfahrungen der Naturheilkunde geben muss. Was hier fehlt, das ist die entsprechende Zahl an entsprechenden Studien.

Quelle:

(1) jameda.de/hausmittel/heideblueten-tee/

 

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.08.2017 aktualisiert