Homöopathie bei Grippe, Erkältung und Fieber

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ein Grippaler Infekt und eine Erkältung setzen oft unerwartet und plötzlich ein.

Deshalb sollte man besonders bei steigendem Fieber rasch beginnen, das Immunsystem mit homöopathischen Mitteln zu mobilisieren und zu stabilisieren, um den Infekt aufzuhalten oder zumindest zu erreichen, dass er gemildert abläuft.

Wie bei allen akuten Prozessen muss man wissen, dass die Mittel im Akutzustand bis zur Besserung häufiger eingenommen. Tritt eine Verschlechterung ein, ist die Wahl des Mittels zu überprüfen und / oder das Mittel seltener zu nehmen oder auch die Einnahme auszusetzen.

Homöopathie Mittel in der Form von Globuli

Gerade "Neulinge" in der Homöopathie sind mit dem eben Geschriebenen überfordert. Homöopathie hat nun einmal etwas komplexere Regeln (siehe auch: Homöopathie-Regeln). Diese gehen über das Schema "drei mal täglich eine" hinaus, das die meisten Patienten ja von ihrem Arzt gewohnt sind.

Die homöopathische Methode ist keine einfache Standard-Therapie, die sich ausschließlich an der Diagnose orientiert. Der Homöopath schaut sehr genau auf die individuellen Symptome, die bei Erkältungen und Grippe sehr unterschiedlich sein können. Er fragt beispielsweise, ob der Husten tief sitzt, also aus der Lunge heraus kommt oder ob es sich um einen trockenen Reizhusten handelt. Bessern sich die Symptome eher an frischer Luft oder in warmer Umgebung?

Solche Feinheiten sind von Bedeutung, wenn es um die Wahl der Präparate geht. Wenn sich die Erkrankung nicht bessert, muss das Mittel gewechselt werden. Auch in diesem Falle berücksichtigt der Homöopath den Verlauf der Symptome und ihre Veränderungen. Wenn zum Beispiel nach der Einnahme von Ammonium carbonicum D30 keine Linderung eintritt und der Kranke gereizt erscheint und Magen-Darm-Beschwerden sowie einen kalten Rücken hat, ist Nux vomica D6 angezeigt. Hat der Patient starken Durst und macht einen ängstlichen Eindruck, ist Aconitum D6 das geeignete Mittel für die Fortsetzung der Behandlung. Wenn trotz geänderter Medikation immer noch keine Besserung in Sicht ist, muss Mercurius D6 gegeben werden. Nun spielt auch die Zeitmessung eine entscheidende Rolle. Nach 6 Stunden müssen sich die Beschwerden bessern, sonst muss auf die stündlich abwechselnde Einnahme von Arsenicum D6 und Mercurius D6 umgestellt werden.

Für eine wirksame Behandlung kann diese Entscheidungen nur ein erfahrener Therapeut treffen. Die Selbstmedikation durch den Patienten ist weniger sinnvoll.

Dennoch: Hier weitere Therapiemöglichkeiten der Homöopathie

Bei den ersten Anzeichen eines Infektes, etwa Niesen und fieberheißer Kopf, löst man je 5 Kügelchen Aconitum D12 und Mercurius solubilis D12 in einer Tasse Wasser auf und trinkt diese Lösung innerhalb von 2 bis 3 Stunden schluckweise aus. Erfahrungsgemäß kann man damit oft schon im Frühstadium den Infekt aufhalten.

Bei einer Grippe oder Erkältung mit und ohne Fieber, kann man schneller und gezielter mit homöopathischen Mitteln helfen, wenn man die Art und Weise des Auftretens der Beschwerden berücksichtigt.

Bei schlagartigem Beginn der Grippe nach Kälteentwicklung mit pochenden KopfschmerzenHalsschmerzen, Ohrenschmerz (Mittelohrentzündung) mit trockenem Husten und Fieber, bei schwitzig rotem Gesicht denkt man als Erstes an Aconitum C30 und als Folgemittel an Belladonna C30.

Gegen die sogenannte Kopfgrippe mit Nackenschmerzen, die sich über die Schläfen zur Stirn hinziehen, sowie Nervosität, Kratzen im Hals, Zittrigkeit bis zum Schüttelfrost und Benommenheit, ist Gelsemium D12 meist das richtige Mittel. Die herausragenden Leit-Symptome sind Erschöpfung und Abgeschlagenheit. Gelsemium ist auch seit einigen Jahren bei der sogenannten Kopfgrippe das Mittel der Wahl (Genius epidemicus). Vor allem wenn die Beschwerden kurz vor oder nach der Zeitumstellung auftreten, sollten Sie an Gelsemium denken.

Knochenschmerzen, "allgemeine Zerschlagenheit", Knochen- und Muskelschmerzen, Frösteln und Fieberschübe lassen sich gut mit Eupatorium perfoliatum D12, beseitigen. Daneben leiden die Kranken unter krampfartigem Husten, bei dem sie die Hände unterstützend auf die Brust pressen. Schnupfen und eine Verschlimmerung zur Nacht hin sind weitere Symptome. Dieses Mittel hilft auch gegen das typische Zerschlagenheitsgefühl.

Grippe und wässriger, Schnupfen, der im weiteren Verlauf mit dickem gelben Schleim verbunden ist, weist auf Arsenicum album D12 hin. Das häufige Niesen bringt kaum Entlastung und Husten tritt in verschiedenen Formen auf. Es kann sich um gelösten oder festsitzenden, im Hals oder der Lunge lokalisierten Husten handeln, der mit Hals- oder Brustschmerzen einher geht. Typisch sind auch Kopfschmerzen in der Stirn, Appetitlosigkeit, Schwächegefühl, Magen-Darm-Beschwerden, blasses Aussehen, viel Durst, Nachts leidet der Kranke am meisten und ist zudem unruhig und ängstlich. Dieses Mittel ist aber fast immer erst in "Folgestadien" einer Grippe angezeigt.

Die sogenannte "Brustgrippe" mit stechendem Brustschmerz, Gliederschmerzen bei geringster Bewegung oder Rippenfellreizung  heilt Bryonia D12 oder C30. Die Symptome können auch auf eine Lungenentzündung hindeuten, wenn krampfartiger, schmerzhafter Husten auftritt. Typischerweise lindern frische Luft und warmes Wasser die Symptome. Neben der Grippe und Erkältung ist Bryonia bei Lungenentzündung ein häufig angezeigtes Mittel. Vor allem bei der Gripperwelle im Frühjahr 2017 ist Bryonia ein ganz häufiges Mittel, vor allem wenn die Patienten Schleim abhusten und Durst auf Wasser haben.

Sind die Lungen und Bronchien (Bronchitis) stärker betroffen, ist Phosphorus D12 meist ein passendes Mittel. Der Husten ist bei Bryonia aber schmerzhafter. In der Praxis ist es nicht ganz einfach Phosphorus und Bryonia den Symptomen korrekt zuzuordnen. Kennzeichnend ist ein eher trockener Husten. von einander zu unterscheiden.  Manchmal ist diese Erkrankung begleitet von einer Kehlkopfentzündung und von einer Verschlimmerung der Symptome beim Liegen auf der linken Seite.

Ferrum phosphoricum D6 wirkt prophylaktisch gegen Erkältungskrankheiten. Ratsam ist die Anwendung für alle, die sich durch ihr Umfeld für ansteckungsgefährdet halten. Eine Medikation alle 4 bis 6 Stunden ist empfehlenswert. Daneben ist das Präparat besonders gut geeignet bei einer gerade beginnenden Entzündung. Spürbar ist dies an Heiserkeit, hartem, trockenen Reizhusten sowie Brustschmerzen.

Ein weiteres vorbeugendes Mittel gegen Erkältung und auch Grippe ist Influenzinum C30. Besonders empfehlenswert ist das Präparat bei spezieller Gefährdungslage wie der Kontakt zu vielen Menschen. Bereits einen Monat vor Beginn der Grippe-Saison sollte dann viermal täglich Influenzinum genommen werden. Wenn sich trotz der Medikation eine Erkältung oder Grippe durch Kratzen im Hals oder Fieber ankündigt, sollte sofort zu Oscillococcium D15 gewechselt werden, was eine verkürzte Krankheitsdauer verspricht. 

Im fortgeschrittenem Stadium der Erkältung ist Kalium bichromicum D12 angezeigt. Dann hat sich die Erkrankung soweit verschlimmert, dass bereits das Atmen schwer fällt, weil zäher Schleim die Atemwege verengt. Die Nasenschleimhäute können verkrustet sein und Schmerzen verursachen, die auch die gereizte Nasenspitze mit erfassen. Die Schmerzen können auch an den Augenbrauen auftreten.

Natrium muriaticum C30 hilft bei Erkältungen, die mit Niesen und Schnupfen klarem Schleim beginnen. Weiteres Leit-Symptom ist Appetitlosigkeit und der Verlust der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung. Die Lippen werden trocken und können kleine, sich öffnende Blasen aufweisen. Zudem durchschreiten die Kranken ein seelisches Tief, fordern aber keinen Trost, sondern wollen eher alleine sein.

Gegen Bronchialkatarrh mit Husten und zähem Auswurf bei asthmatischer Bronchialenge, ist Ipecacuanha D12 ein vorzügliches Mittel.

Pulsatilla D12 ist bei dicker, grüner oder gelber Verschleimung angezeigt, die beim Husten zutage tritt. Gelöst ist der Husten aber nur tagsüber, während er nachts in der trockenen Form auftritt. Typisch ist ein Schnupfen, der sich in frischer Luft bessert und in warmen Räumen verschlimmert. Die Kranken sind psychisch sensibel und brauchen viel Zuneigung. 

Bei stinkendem Atem mit Hals- und Mandelentzündung (Tonsillitis) denkt man an Mercurius solubilis D12.

Euphrasia D12 ist das Mittel der Wahl, wenn die Nase extrem gereizt ist. Erkenntlich ist das Leit-Symptom besonders deutlich daran, dass es sich in frischer Luft und beim Liegen leicht bessert. Weiteres Kennzeichen ist ein gelöster aber tiefsitzender Husten, der viel Schleim hervorbringt.

Wenn Grippe und Fieber durch Erkältung und Verkühlung hervorgerufen werden oder durch Nasswerden bei kaltem regnerischem Wetter oder auch nach dem Baden hilft Rhus toxicodendron D12. Die Anwendung ist angezeigt, sobald Heiserkeit, Halsschmerzen mit gerötetem Rachenraum einsetzen. In einigen Fällen tritt ein rotes Dreieck an der Zungenspitze auf. Typisch ist ein Stocken der Stimme beim Beginn des Sprechens, was sich dann aber was bessert. Morgens fühlt sich der Kranke am schwächsten, weil er infolge Husten, Bauch- und Kopfschmerzen schlecht schlafen konnte. Im Laufe des Tages tritt eine leichte Erholung ein.

"Verstecktes Fieber", Frösteln, verstopfte Nase, Kopfschmerz, evtl. zusammen mit Magen-Darm-Störungen, werden mit Nux vomica D12 behandelt.

Bei trockenem, harten Husten ist Spongia D12 (bei Kindern und empfindlichen Erwachsenen C30) angezeigt. Charakteristisch für die Indikation ist eine Linderung der Beschwerden beim Trinken warmer Flüssigkeiten.

Bei Brennen in der Nase und den Augen sind Allium cepa D6 und D12 ein geeignetes Mittel. Die Kranken fühlen sich in frischer Luft etwas besser, in warmen Räumen aber eher schlechter. Zeichen der Indikation ist daneben ein Reizhusten.

Reizhusten ist auch ein Symptom, das für Drosera D12 spricht, besonders wenn der Husten so krampfartig verläuft, dass er zum Erbrechen führt.

Grippewelle 2017

Nochmal ein Wort zur Grippewelle im Frühjahr 2017:

Stehen die Kopfschmerzen im Vordergrund denke man an Gelsemium C30. Bei der Kopfgrippe in Kombination mit starkem Reizhusten kann Cocculus gut helfen. Aber denken Sie auch an Spongia oder Scilla, ein Mittel, das bereits im Herbst 2016 häufiger zum Einsatz kam.

Wiederkehrende Grippe und Infekte

Fortbestehende Restzustände nach einer Grippe, die nicht ausheilen wollen, können mit Sulfur D12, evtl. im Wechsel mit Nux vomica D8, erfolgreich beendet werden. Alternativ kann auch Sulfur D30 alle 3 bis 4 Stunden eingenommen werden, allerdings für höchstens 5 Tage.

Bleiben bei einer Grippe Schwäche und Schmerzen zurück, so nehme man China D12 zur Stärkung.

Bei allen Infekten und Entzündungen, die nicht richtig ausheilen wollen, denke man an Echinacea D1 zur Stärkung der Abwehrkräfte. Die Einnahme erfolgt hierzu über zwei bis drei Wochen.

Eine allgemeine Erkältungsneigung und Anfälligkeit für Grippe, Erkältungen und Infekte lässt sich mit der Einnahme von Calcium carbonicum D12 über einige Wochen bessern. In solchen Fällen besteht oftmals eine Schweißneigung an Händen, Füßen und Kopf.

Siehe auch Kapitel: Halsschmerzen und Rachenschmerzen - Husten und Heiserkeit - Mittelohrentzündung - Schnupfen und Heuschnupfen



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Mit den besten Wünschen,

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Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge der Sebastian Kneipp Akademie

 

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