Ignatia: Das homöopathische Arzneimittelbild

Mittelherkunft und arzneiliche Wirkung von Ignatia

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ignatia Amara, die Ignatiusbohne, ist ein Schlingpflanzengewächs aus der Familie der Brechnussgewächse, beheimatet auf den Philippinen. Diese giftige Schlingpflanze wächst an Bäumen, sowohl in der Ebene als auch auf Berggipfeln. Die Arznei wird aus dem reifen, getrockneten und sehr harten Samen der orangenähnlichen Frucht gewonnen.

Ihre psychoaktiven Wirkstoffe haben einen direkten Effekt auf das Nervensystem, wo sie eine sensorische Überreizung und damit Muskelkrämpfe und psychische Veränderungen auslösen.

Der Kern des Mittels in der Homöopathie

Erfahrungen unterdrückter Wut, verdrängten Kummers und Enttäuschung führen zu körperlicher, mentaler und psychischer Erschöpfung. Das Bedürfnis nach Alleinsein und Rückzug ist groß. Geringste Anlässe verstören und kränken. Widerspruch macht wütend (auch auf sich selbst), zuweilen sogar hysterisch. Ignatia ist launenhaft: Lachen und Weinen, Freude und Leid liegen hier nah beieinander und wechseln sich in rascher Folge ab.

Dennoch können Patienten ihre Gefühle nicht wirklich ausdrücken: Ihr Verhalten wirkt daher oftmals paradox. Hohe Erwartungen an das soziale Umfeld verschärfen die Problematik: Enttäuschungen des eigenen Idealismus sind so vorprogrammiert. Auch Kinder reagieren auf Kritik mit raschem Kränkeln und nächtlichem Gliederzucken.

Ignatia ist angezeigt bei Frauen (und Männern) nervösen Temperaments, die charakterlich eher weich gestimmt sind, über eine rasche Auffassungsgabe verfügen sowie viel und unwillkürlich seufzen. Der militante Nichtraucher ist ein Ignatia-Typ: Er kann nicht anders, als Tabak und Rauchen mit Ekel zu begegnen. Überraschenderweise wird auch Obst oft abgelehnt, denn es kann, wie Tabak, Ignatia-Pathologien auslösen.

Aufgrund seiner Vielzahl gegenläufiger Symptome trägt Ignatia auch den Namen „Mittel der Widersprüche“: Frierende klagen über Durst, Husten verschlimmert sich durch das Husten selbst, Übelkeit bessert sich durch Essen oder Hämorrhoiden-beschwerden werden beim Gehen abgeschwächt.

Ignatia ist sehr schmerzsensibel, wobei Schmerzen in exakt begrenzten Bereichen auftreten. Typisch auch: Schwitzen im Gesichtsbereich, vor allem während des Essens.

Man unterscheidet zwei Körperkonstitutionstypen: Der eine langgliedrig, schlank und zart sowie von kultiviertem Auftreten, der andere grob, maskulin und zu Übergewicht und starker Körperbehaarung neigend. Beide zeigen einen dunkleren Teint, dichtes, oft gelocktes Haar und volle Lippen. Allerdings: Nicht jeder dunkle Typ lässt sich Ignatia zuordnen, und auch hellhäutige Ignatia-Menschen sind zu finden.

Ignatia und seine Funktionskreise

Entgegen vielfacher Annahme ist Ignatia kein reines Frauenmittel, auch Männer profitieren davon. Ignatia ist des Weiteren gegen Natrium Muriaticum, ein anderes so genanntes Kummermittel, abzugrenzen, das als Mittel chronischen Kummers gilt und die für Ignatia typische, paradoxe Launenhaftigkeit nicht zeigt.

Ignatia-Menschen neigen zu krampfartigen, durch emotionale Belastung ausgelösten Beschwerden. Das Erleben ist intensiv, widersprüchlich und hat seine Ursache in emotionalen Traumata, die durch eine restriktive Erziehung bedingt sein können. Gern flieht man in eine romantische Gefühlswelt.

Ignatia-Zustände sind direkte Folge von Enttäuschung, Verlust, Verlassenheitsgefühl und erfahrener Zurückweisung. Der Patient zieht sich auf sich selbst zurück oder reagiert mit Rachsucht und massiven Vorwürfen.

Indikationen für Ignatia

Für den Verdauungsapparat

  • Appetitlosigkeit (aufgrund psychischer Beeinträchtigungen, wobei Hunger das Einschlafen erschwert),
  • Krämpfe von Magen und Speiseröhre,
  • Gastritis, Ulcus Pepticum (Leeregefühl im Magen, Kloß im Hals, ständiges Gähnen, Besserung durch Essen),
  • Mundgeruch, saurer Geschmack und verstärkter Speichelfluss,
  • Schluckauf (aufgrund von Kummer, bei Kälte und in Ruhe schlimmer),
  • Übelkeit und Erbrechen.

 Geschlechtsorgane

  •  Dysmenorrhoe (starke, verfrühte Monatsblutung)

Atmungsorgane

Nervensystem

  • plötzlich einsetzende wie abrupt endende Kopfschmerzen,
  • Ischialgie und Neuralgie (rheumatoide Schmerzen) Rheuma,
  • Apoplexie mit Blässe und Leereempfinden im Kopf.

Beschwerden verschlimmern sich durch

  • Tabak (der Kopfschmerzen verursacht oder diese verstärkt),
  • hochprozentigen Alkohol wie Weinbrand,
  • starken Kaffee,
  • Berührung,
  • Bewegung,
  • intensive Gerüche,
  • Ärger und Sorgen,
  • Kritik.

Besserung tritt ein durch

  • Wärmeanwendung,
  • Liegen auf der jeweils betroffenen Seite,
  • festen, harten Druck,
  • Gehen,
  • freundliche, wohlgesonnene Gesellschaft.

Die Ignatia-Psyche

Depressionen, Melancholie, Hysterie und Hypersensibilität prägen die Ignatia-Psyche. Vegetative Dystonie liegt vor, man zeigt sich lebhaft, aber dennoch introvertiert. Das Gemüt ist launisch, während man Kummer in sich hineinfrisst.

Die Konsequenz: Krämpfe und Verkrampfungen, paradoxe Symptome und Wechselhaftigkeit. Sogar die Ohnmachtsneigung ist nicht unerheblich. Hier finden sich kreative Romantiker, die zur Hysterie neigen und Idealisten, deren Erwartungen oft enttäuscht werden, worauf sie innerlich verhärten.

Das Ignatia-Kind

Ignatia-Kinder sind launisch, nervös (auch: nervöse Magenverstimmungen) und geräuschempfindlich. Schulkinder klagen über Kopfschmerzen, die sich durch heiße Umschläge rasch bessern.

Diese Kinder nehmen sich kleinste Rückschläge sehr zu Herzen: Die Angst vor Blamage ist hier übergroß. Werden sie kritisiert, reagieren sie häufig mit Bettnässen oder Krampfanfällen. Diese Kleinen sind idealistische Grübler, dabei ehrgeizig und von ausgezeichneter Auffassungsgabe.

Alles Laute und Intensive ist ihnen allerdings zuwider. Bei Sanftem und Sentimentalem (z. B. in der Musik) blühen sie auf. Ihr Appetit ist wechselhaft: Zu den Mahlzeiten appetitlos, können sie zu den unmöglichsten Tageszeiten Heißhunger entwickeln.

Das Kind leidet an Durchfall und Erbrechen sowie Milchunverträglichkeit. Beschwerden bessern sich durch Essen und Trinken. Ebenfalls oft anzutreffen: Nabelkoliken, Schluckauf und Globusgefühl. Bei gutem Appetit lieben Ignatia-Kinder kalte Speisen und sauer Eingelegtes, kräftigen Käse und Tomaten. Fleisch und Milch schätzen sie weniger, Zwiebeln werden gar nicht gut vertragen.

Ignatia verringert hier die emotionale Erregbarkeit, fördert die Konzentration und stabilisiert: Enttäuschungen lassen sich so besser bewältigen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.07.2012 aktualisiert

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