Ignatia: Das homöopathische
Arzneimittelbild
Mittelherkunft und arzneiliche Wirkung von Ignatia
Ignatia Amara, die Ignatiusbohne, ist ein Schlingpflanzengewächs aus der Familie der Brechnussgewächse,
beheimatet auf den Philippinen. Diese giftige Schlingpflanze wächst an Bäumen, sowohl in der Ebene als auch auf
Berggipfeln. Die Arznei wird aus dem reifen, getrockneten und sehr harten Samen der orangenähnlichen Frucht
gewonnen.
Ihre psychoaktiven Wirkstoffe haben einen direkten Effekt auf das Nervensystem, wo sie eine sensorische
Überreizung und damit Muskelkrämpfe und psychische Veränderungen auslösen.
Der Kern des Mittels in der Homöopathie
Erfahrungen unterdrückter Wut, verdrängten Kummers und Enttäuschung führen zu körperlicher, mentaler und
psychischer Erschöpfung. Das Bedürfnis nach Alleinsein und Rückzug ist groß. Geringste Anlässe verstören und
kränken. Widerspruch macht wütend (auch auf sich selbst), zuweilen sogar hysterisch. Ignatia ist launenhaft: Lachen
und Weinen, Freude und Leid liegen hier nah beieinander und wechseln sich in rascher Folge ab.
Dennoch können Patienten ihre Gefühle nicht wirklich ausdrücken: Ihr Verhalten wirkt daher oftmals paradox. Hohe
Erwartungen an das soziale Umfeld verschärfen die Problematik: Enttäuschungen des eigenen Idealismus sind so
vorprogrammiert. Auch Kinder reagieren auf Kritik mit raschem Kränkeln und nächtlichem Gliederzucken.
Ignatia ist angezeigt bei Frauen (und Männern) nervösen Temperaments, die charakterlich eher weich gestimmt
sind, über eine rasche Auffassungsgabe verfügen sowie viel und unwillkürlich seufzen. Der militante Nichtraucher
ist ein Ignatia-Typ: Er kann nicht anders, als Tabak und Rauchen mit Ekel zu begegnen. Überraschenderweise wird
auch Obst oft abgelehnt, denn es kann, wie Tabak, Ignatia-Pathologien auslösen.
Aufgrund seiner Vielzahl gegenläufiger Symptome trägt Ignatia auch den Namen „Mittel der Widersprüche“:
Frierende klagen über Durst, Husten verschlimmert sich
durch das Husten selbst, Übelkeit bessert sich durch
Essen oder Hämorrhoiden-beschwerden
werden beim Gehen abgeschwächt.
Ignatia ist sehr schmerzsensibel, wobei Schmerzen in exakt begrenzten Bereichen auftreten. Typisch auch:
Schwitzen im Gesichtsbereich, vor allem während des
Essens.
Man unterscheidet zwei Körperkonstitutionstypen: Der eine langgliedrig, schlank und zart sowie von kultiviertem
Auftreten, der andere grob, maskulin und zu Übergewicht und starker Körperbehaarung neigend. Beide zeigen einen
dunkleren Teint, dichtes, oft gelocktes Haar und volle Lippen. Allerdings: Nicht jeder dunkle Typ lässt sich
Ignatia zuordnen, und auch hellhäutige Ignatia-Menschen sind zu finden.
Ignatia und seine Funktionskreise
Entgegen vielfacher Annahme ist Ignatia kein reines Frauenmittel, auch Männer profitieren davon. Ignatia ist des
Weiteren gegen Natrium Muriaticum, ein anderes so genanntes Kummermittel, abzugrenzen, das als Mittel chronischen
Kummers gilt und die für Ignatia typische, paradoxe Launenhaftigkeit nicht zeigt.
Ignatia-Menschen neigen zu krampfartigen, durch emotionale Belastung ausgelösten Beschwerden. Das Erleben ist
intensiv, widersprüchlich und hat seine Ursache in emotionalen Traumata, die durch eine restriktive Erziehung
bedingt sein können. Gern flieht man in eine romantische Gefühlswelt.
Ignatia-Zustände sind direkte Folge von Enttäuschung, Verlust, Verlassenheitsgefühl und erfahrener
Zurückweisung. Der Patient zieht sich auf sich selbst zurück oder reagiert mit Rachsucht und massiven
Vorwürfen.
Indikationen für Ignatia
Für den Verdauungsapparat:
- Appetitlosigkeit (aufgrund psychischer
Beeinträchtigungen, wobei Hunger das Einschlafen erschwert),
- Krämpfe von Magen und Speiseröhre,
- Gastritis,
Ulcus Pepticum (Leeregefühl im Magen, Kloß im Hals, ständiges Gähnen, Besserung durch Essen),
- Mundgeruch, saurer Geschmack und verstärkter Speichelfluss,
- Schluckauf (aufgrund von Kummer, bei Kälte und
in Ruhe schlimmer),
- Übelkeit und Erbrechen.
Im Bereich des Geschlechtssystems:
- Dysmenorrhoe (starke, verfrühte Monatsblutung)
Für die Atmungsorgane:
Für das Nervensystem:
- plötzlich einsetzende wie abrupt endende Kopfschmerzen,
- Ischialgie und Neuralgie (rheumatoide Schmerzen) Rheuma,
- Apoplexie mit Blässe und Leereempfinden im
Kopf.
Beschwerden verschlimmern sich durch:
- Tabak (der Kopfschmerzen verursacht oder diese verstärkt),
- hochprozentigen Alkohol wie Weinbrand,
- starken Kaffee,
- Berührung,
- Bewegung,
- intensive Gerüche,
- Ärger und Sorgen,
- Kritik.
Besserung tritt ein durch:
- Wärmeanwendung,
- Liegen auf der jeweils betroffenen Seite,
- festen, harten Druck,
- Gehen,
- freundliche, wohlgesonnene Gesellschaft.
Die Ignatia-Psyche
Depressionen, Melancholie, Hysterie und Hypersensibilität prägen die Ignatia-Psyche. Vegetative Dystonie liegt
vor, man zeigt sich lebhaft, aber dennoch introvertiert. Das Gemüt ist launisch, während man Kummer in sich
hineinfrisst.
Die Konsequenz: Krämpfe und Verkrampfungen, paradoxe Symptome und Wechselhaftigkeit. Sogar die Ohnmachtsneigung
ist nicht unerheblich. Hier finden sich kreative Romantiker, die zur Hysterie neigen und Idealisten, deren
Erwartungen oft enttäuscht werden, worauf sie innerlich verhärten.
Das Ignatia-Kind
Ignatia-Kinder sind launisch, nervös (auch: nervöse Magenverstimmungen) und geräuschempfindlich. Schulkinder
klagen über Kopfschmerzen, die sich durch heiße Umschläge rasch bessern.
Diese Kinder nehmen sich kleinste Rückschläge sehr zu Herzen: Die Angst vor Blamage ist hier übergroß. Werden
sie kritisiert, reagieren sie häufig mit Bettnässen oder Krampfanfällen. Diese Kleinen sind idealistische Grübler, dabei
ehrgeizig und von ausgezeichneter Auffassungsgabe.
Alles Laute und Intensive ist ihnen allerdings zuwider. Bei Sanftem und Sentimentalem (z. B. in der Musik)
blühen sie auf. Ihr Appetit ist wechselhaft: Zu den Mahlzeiten appetitlos, können sie zu den unmöglichsten
Tageszeiten Heißhunger entwickeln.
Das Kind leidet an Durchfall und Erbrechen sowie Milchunverträglichkeit. Beschwerden bessern sich
durch Essen und Trinken. Ebenfalls oft anzutreffen: Nabelkoliken, Schluckauf und Globusgefühl. Bei gutem Appetit lieben
Ignatia-Kinder kalte Speisen und sauer Eingelegtes, kräftigen Käse und Tomaten. Fleisch und Milch schätzen sie
weniger, Zwiebeln werden gar nicht gut vertragen.
Ignatia verringert hier die emotionale Erregbarkeit, fördert die Konzentration und stabilisiert: Enttäuschungen
lassen sich so besser bewältigen.
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