Scabies - Die Krätze: Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Krätze (Skabies) ist eine weltweit in Erscheinung tretende infektiöse Hauterkrankung, die durch spezielle Milben (Sarcoptes scabiei) hervorgerufen wird. Sie zeigt sich regional gehäuft, besonders im Umfeld eines an Krätze erkrankten Menschen.

Befruchtete Milbenweibchen bohren winzige Löcher in die Haut zur Eiablage. Diese entwickeln sich in einem ca. drei Wochen andauenden Prozess, um sich anschließend als ausgereifte Krätzmilben selbst fortzupflanzen.

Die Erkrankung ist meldepflichtig (nach dem Infektionsschutzgesetzt, IfSG).

Die hohe Infektiösität der Krätze entsteht durch Körperkontakt (auch sexuell). Die Erkrankung gilt eigentlich als Anzeichen für hygienische Missstände. Sie zeigt sich aber bei allen menschlichen Lebensweisen und überträgt sich besonders gut in Bereichen mit erhöhtem sozialem Kontakt (z.B. Schulen, Kindergarten, Schwimmbäder).

Vermehrte Hygiene kann einen Befall zwar eindämmen aber nicht ganz abhalten. Dabei gelangen einige Milbenarten auch durch Kleidung, Übertragungswege können z.B. Bettwäsche, Handtücher oder Stofftiere sein. Krätzmilben lagern ihre Eier vermehrt im Bereich der Fingerzwischenfalten, um den Bauchnabel, an den Brustwarzen, den Achseln und im Genitalbereich ab. Die ca. 0,4 Millimeter großen Spinnentierchen sind auf Sauerstoff angewiesen und ernähren sich von Lymph- und Hautzellen. Daher verbleiben sie in der Hornschicht und bohren sich nicht tiefer in den Körper ein.

Während die weiblichen Milben (Lebensdauer ca. zwei Monate) in die Haut eindringen, um die Eier abzulegen, verbleiben die männlichen Exemplare auf der Hautoberfläche und sterben nach der Befruchtung des Weibchens relativ schnell ab.

Je nach Lage des Immunsystems des Betroffenen kann der Befall weitere Erkrankungen hervorrufen. Allgemein führt die Eiablage nach wenigen Wochen zu einer Entzündungsreaktion, einhergehend mit starkem Juckreiz. Die befallene Hautregion wirkt schuppig und weist kleine Knötchen, Papeln (erhabene Verdickung der Haut) oder Bläschen auf. Die gebohrten Milbengänge erscheinen als feine rötliche Linien, an deren Enden die Milbe selbst in der Verdickung sitzt. Der (besonders durch Wärme geförderte) Juckreiz führt zum Kratzen, hierdurch wird ein Teil der Milben abgetötet bzw. entfernt. Dies fördert aber auch Mikroläsionen der Haut, die eine Eintrittspforte für Bakterien darstellen (Bildung eines eitrigen Hautausschlags).

Unbehandelt kann es zu einigen Komplikationen wie z.B. Erysipel (Wundrose), Phlegmone (bakterielle Infektion des Bindegewebes) oder Sepsis (Blutvergiftung) kommen.

Die Krätze weist einige Sonderformen auf

Die Scabies incognita (gepflegte Krätze) zeigt kaum sichtbare Anzeichen, weshalb der starke Juckreiz zuerst nicht abklärbar erscheint.

Die granulomatöse Form (Scabies granulomatosa) zeichnet sich durch hochentzündliche Hautveränderungen (große braune Koten) aus, die hauptsächlich durch das Kratzen entstehen.

Bei immungeschwächten Menschen und Kleinkindern kommt es vermehrt zur Scabies norvegica, einer besonders starken Form der Krätze. Sie ist hochansteckend und weist zusätzlich Quaddeln und papulovesikulöse Effloreszenzen auf, mit Neigung zur Krustenbildung.

Ebenfalls durch Krusten gekennzeichnet ist die Scabies crustosa, die sich besonders im Gesicht, Nacken, an der Kopfhaut und am Rücken präsentiert.

Die Diagnostik wählt zuerst die eingehende Inspektion. Bereits mit dem bloßen Auge (bzw. mit der Lupe) lassen sich Milbengänge erkennen. Daneben können mikroskopische Untersuchungen, Einfärbungen der Milbengänge (z.B. mit Gentianaviolett), Biopsien und Eröffnungen der Hauterhabenheiten Aufschlüsse über die Erkrankung geben.

Die Therapie erfolgt mit einem speziellen Mittel (Wirkstoff Permethrin, Insektizid), welches auf die gesamte Haut aufgetragen wird. Nach ca. 12 Stunden kann dieser Wirkstoff abgewaschen werden, wobei eine Behandlung zum Abtöten aller Milben und deren Eier meist ausreicht. Zusätzlich sollten alle in Kontakt mit der infektiösen Person gekommenen Menschen behandelt werden. Sämtliche Wäsche sowie Gegenstände aus dem Umfeld müssen gereinigt (gewaschen) werden, um ein erneutes Ausbrechen zu verhindern. Unbehandelt bleibt die Krätze bestehen und geht im Verlauf in das chronische Stadium über.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert