Neurinom: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Das Neurinom ist ein gutartiger (benigner) Nervenfasertumor, der von
speziellen Zellbausteinen ausgeht (Schwannsche Zellen) und häufig auch Schwannom genannt wird.
Hauptsächlich ist die hintere Schädelgrube betroffen. Die Schwannschen Zellen bilden unter physiologischen
Bedingungen eine Schutzschicht, die für die ordnungsgemäße Reizweiterleitung sorgt.
Neurinome bilden sich auch an die Muskulatur versorgenden peripheren Nerven oder an Wurzeln von
Rückenmarknerven. Wesentlich häufiger jedoch sind Hirnnerven betroffen, besonders der VIII. Hirnnerv (Nervus
vestibulocochlearis, Gehörnerv). Der als Akustikusneurinom bezeichnete Tumor macht fast acht Prozent aller
Gehirntumoren aus.
Neurinome wachsen sehr langsam und isoliert (keine Streuung, kein Einwachsen in
Nachbarregionen). Die höchste Erkrankungsrate lässt sich zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr feststellen, bei
Akustikusneurinomen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.
Die genauen Ursachen für die Entstehung sind noch nicht geklärt. Ein genetischer Zusammenhang des
Akustikusneurinoms mit der Neurofibromatose vom Typ I (Morbus (Von) Recklinghausen) konnte bereits nachgewiesen
werden. Generell entstehen die Tumoren an Stellen der Nervenfasern, die eine geänderte Hüllenstruktur aufweisen
(veränderte Schwannsche Zellen).
Durch das langsame Wachstum entwickeln sich die Symptome nur zögerlich.
Zusätzlich spielt die Lage eine wesentliche Rolle – je nach betroffenem Nerv zeigt sich ein unterschiedliches Bild.
Der Beginn ist durch eine schmerzlose Schwellung gekennzeichnet. Zusätzlich können sich Empfindungsstörungen an
bestimmten Körperstellen zeigen. Schmerzen entwickeln
sich erst bei beginnender Verdrängung von Nachbarstrukturen (durch den Druck).
Hauptsächlich wachsen Neurinome in den Bereich der Halsregion oder der Schädelgrube ein, wodurch sie sichtbar
werden. Hier zeigt sich eine erhöhte Druckempfindlichkeit. Weitere unspezifische Symptome sind
Sensibilitätsstörungen, Parästhesien, Kraftverlust und Taubheitsgefühle (z.B. im Bereich eines Arms).
Ist der Gehörnerv betroffen zeigt sich vor allem eine Störung des (zugehörigen) Gleichgewichtssinns. Es kommt zu
Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und (meist
einseitigem) Tinitus (Ohrensausen). Daneben entwickelt sich auch eine Schwerhörigkeit (zu 90 Prozent einseitig),
die unter Umständen zu einer Taubheit führen kann (Siehe auch Artikel über HNO).
Je weiter das Wachstum fortgeschritten ist, desto eher besteht die Gefahr, dass weitere Nerven in
Mitleidenschaft gezogen werden. Ausgedehnte Neurinome führen auch zu Lähmungserscheinungen im Gesicht
(Facialisparese). Daneben kann es zu einem anwachsenden Druck im Bereich des Hirnstamms kommen. Dieser äußert sich
durch wiederkehrende Kopfschmerzen, Übelkeit, Brechreiz, allgemeines Unwohlsein sowie Sehstörungen, Hörstörungen und Riechstörungen.
Da das Nervensystem in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System steht, drohen hier weitreichende
Folgen für den Organismus. In sehr seltenen Fällen ist die Zirkulation des Hirnwassers gestört, dies kann zu einem
totalen Zusammenbruch des Kreislaufs führen.
Neben Anamnese und Inspektion werden vor allem die Ohren eingehend untersucht (Blick ins Ohrinnere, Hörtest =
Audiometrie). Der Gleichgewichtssinn wird ebenfalls überprüft (thermischer Test). Neurologische
Ausfallserscheinungen können bereits erste Vermutungen zulassen. An apparativen Hilfsmitteln stehen CT und MRT zur
Verfügung.
Meist werden Neurinome in ihrem Wachstum beobachtet, eine Therapie wird erst notwendig bei
einsetzenden Beschwerden. Hier erfolgt zunächst eine (meist medikamentöse) Behandlung von Kopfschmerz, Übelkeit und Brechreiz. Kommt es zu einer Zunahme der
Beschwerden und lässt sich ein weiteres Wachstum nachweisen, stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung.
Besonders Akustikusneurinome können durch eine spezielle Bestrahlung (Gamma-Knife) therapiert werden. Die
operative Entfernung wird bei Tumoren größer als drei
Zentimeter gewählt. Je nach Lage erfolgt der Zugang durch die Schädeldecke oder den Ohrkanal. Hierbei ist jedoch
das Risiko groß, nicht beteiligte Strukturen oder Nerven zu zerstören.
Je kleiner der Tumor ist, desto besser lässt er sich behandeln. In über 70 Prozent der Fälle können Hörvermögen
und Gleichgewichtssinn erhalten werden. Bei mehr als 90 Prozent der Betroffenen zeigt sich ein Einhalten des
Wachstums nach lokaler Therapie. In ca. 30 Prozent der Erkrankungsfälle kann es jedoch auch zu weiteren
Einschränkungen (z.B. durch Beteiligung von Gesichtsnerven), zum Teil mit Hörverlust kommen.

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