Sjögren-Syndrom: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
Das Sjögren-Syndrom beschreibt eine Erkrankung, bei der es durch den langsamen Funktionsverlust sekretorischer
Drüsen zu einer eingeschränkten Produktion von Drüsenflüssigkeiten kommt. Hauptsächlich sind Tränenflüssigkeit und
Speichel betroffen, daneben finden sich aber auch Erkrankungsformen, die die Magensaftproduktion eindämmen.
Beim Sjögren-Syndrom bildet der Körper spezielle Antikörper, die sich gegen die Speichel- und Tränendrüsen
richten. Die unzureichende Produktion der Flüssigkeiten führt zu Entzündungen und Reizungen, Augen und Schleimhäute
trocknen langsam aus. Wodurch es zu diesem Syndrom kommt ist noch nicht vollständig erforscht.
Das Immunsystem scheint fehlerhaft ausgeprägt zu sein (= Autoimmunerkrankung), daneben vermutet man eine
erbliche Veranlagung. In 50 Prozent der Fälle liegt eine isolierte Erkrankung (= primäres Sjögren-Syndrom) vor. Bei
den übrigen 50 Prozent lassen sich weitere Bindegewebserkrankungen feststellen (z.B. chronische Polyarthritis,
progressive systemische Sklerose, Lupus erythematodes), die meist rheumatoiden Ursprungs sind. Daher wird das
Syndrom auch den rheumatoiden Erkrankungen zugeordnet, von denen es weltweit über 400
verschiedene Formen gibt. In nahezu 90 Prozent aller Erkrankungsfälle sind Frauen betroffen.
Das Sjögren-Syndrom weist eine Vielzahl an unterschiedlichen Symptomen auf, die vor allem durch die fehlenden
Flüssigkeiten verursacht werden. Besonders betroffen ist das Auge. Hier kommt es zu einem Trockenheitsgefühl
(Xerophthalmie), welches Juckreiz und Rötung hervorruft. Betroffene spüren ständig nicht vorhandene Fremdkörper im
Auge, versuchen diese herauszuwischen und fördern so eine zunehmende Entzündung. Durch die herabgesetzte Produktion
von Ohr-, Kiefer- und Zungenspeicheldrüsen trocknen Mund- und Rachenraum ebenfalls aus (= Sicca-Syndrom). Das
entstehende Durstgefühl kann durch Flüssigkeitsaufnahme nur selten zu einem Abklingen der Symptomatik beitragen.
Auch hier entstehen Reizungen und Entzündungen, vor allem im Bereich des Zahnfleisches. Daneben können weitere
Bereiche in Mitleidenschaft gezogen sein, z.B. die Nasenschleimhaut, das Bronchialsystem, die Luftröhre oder auch
die Lunge, wodurch Hustenreize und auch Heiserkeit entstehen. In seltenen Fällen zeigen sich eine trockene
Schleimhaut im Bereich der Sexualorgane (Vagina), eine Beeinflussung der Nierenfunktion, Durchblutungsstörungen,
Nervenläsionen (Polyneuropathien) oder auch Funktionsstörungen von Muskeln und Gelenken.
Durch die Reizungen und Entzündungen entwickeln sich Schmerzen in den betroffenen Regionen, insgesamt fühlen sich
viele Betroffene schlapp, müde und leistungsschwach.
Bei ca. einem Viertel aller Erkrankungen kommt es zusätzlich zu einem Anschwellen der regionalen Lymphknoten.
Hier droht in seltenen Fällen (bei fünf von 100) auch die Entartung (Non-Hodgkin-Lymphom).
Die eingehende Untersuchung, vor allem der Augen, sichert rasch die Diagnose. Die verminderte Tränenflüssigkeit
führt zu einer vermehrten Verhornung, meist mit feinen, sichtbaren Rissen. Daneben werden Gewebeproben der
Schleimhäute entnommen und ausgewertet. Labor und Gewebeproben weisen die spezifischen Antikörper auf.
Da die Ursachen für die Entstehung noch nicht abschließend entschlüsselt sind, kann die Therapie nur
symptomatisch erfolgen. Durch geeignete Tränenersatzflüssigkeiten und Salben wird das Auge feucht gehalten. Die
Speichelproduktion im Mund wird durch spezielle Kaugummis angeregt, Gels und Spülungen sorgen für zusätzliche
Flüssigkeit. Betroffene sollten eine übermäßige Zahnpflege durchführen, da eine trockene Schleimhaut Karies und
Parodontose fördert. Zuckerhaltige sowie salzige Speisen und Getränke sollten weitestgehend vermieden werden, hier
droht weiterer Flüssigkeitsverlust. Schmerzen werden medikamentös behandelt, Immunsuppressiva sollen den weiteren
körpereigenen Angriff eindämmen.
Der Verlauf der Erkrankung richtet sich nach der bereits vorhandenen Zerstörung sowie möglichen
Begleiterkrankungen. Die isolierte Form weist gute Therapieerfolge auf. Zwar kann die Erkrankung nicht geheilt
werden, mit geeigneten Mitteln lässt sich diese aber sehr gut aufhalten. Bei zusätzlichen Erkrankungen steht deren
Therapie im Vordergrund. Je frühzeitiger z.B. ein Lymphom entdeckt wird, desto besser ist die Prognose.
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