Gliederschmerzen - Ursachen, Symptome und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Unter Gliederschmerzen werden im Prinzip jegliche Schmerz-empfindungen in den Armen (Brachialgie) und/oder den Beinen (meist Ischialgie) zusammengefasst. Entsprechend handelt es sich um einen so genannten Extremitätenschmerz.

Medizinisch wird der Begriff in der Regel mit der Trias aus Gelenkschmerzen (Athralgien), Knochenschmerzen (Osetalgien) und Muskelschmerzen (Myalgien, welche meist symmetrisch auftreten) belegt.

Symptombilder

Gliederschmerzen sind keine eigene Diagnose, sondern ein Symptom und weisen fast ausschließlich auf eine andere Erkrankung hin. Die Ausprägung der Beschwerden variiert wegen des unterschiedlichen Schmerzempfindens von Mensch zu Mensch und ist dazu auch abhängig von der zu Grunde liegenden Ursache.

Manchmal ist nur ein leichtes, kaum merkliches Ziehen spürbar. In anderen Fällen liegen massive Schmerzen vor, welche bis zur Bewegungseinschränkung, Minderung der Lebensqualität oder Arbeitsunfähigkeit führen können. Häufig treten die Beschwerden flüchtig oder in Intervallen (mit beschwerdefreien Zeiten) auf. Seltener kommt es zu chronisch anhaltenden Schmerzzuständen. Dann ist in der Regel nur eine Extremität betroffen und es liegt meist eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung vor.

Therapeutisch sollte in erster Linie die Grundkrankheit behandelt werden. Die Schmerzen selbst können z.B. durch physikalische Therapien gelindert werden (Wärme bei z.B. Arthrose oder hormonellgetriggerten Gliederschmerzen. Kälte z.B. bei Entzündungen oder bei Beschwerden im Rahmen von Infektionskrankheiten).

Therapiemaßnahmen

Bei starken Schmerzen können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, z.B. nicht-steroidale Antirheumatika oder Paracetamol. Zusätzlich ist bei akuten Gliederschmerzen körperliche Schonung zu empfehlen. Meistens sind Infektionskrankheiten die Ursache für Gliederschmerzen. In diesem Fall sind sie in der Regel in beiden Armen und Beinen vorhanden. Die Schmerzen sind als Zeichen der systemischen Infektion und deren Abwehr zu werten, oft mit ausgelöst durch die Ausschüttung von Schmerzstoffen (vor allem so genannte Prostaglandine).

Die Diagnose wird meist über die charakteristischen Begleiter-scheinungen der zu Grunde liegenden Erkrankung gestellt, ggf. sind ergänzende Blutentnahmen - Blutwerte auf Entzündungszeichen oder Antikörper gegen Viren sinnvoll. Im medizinischen Alltag ist eine stark ausgeprägte banale Erkältung am häufigsten.

Neben Gliederschmerzen kommt es in unterschiedlicher Ausprägung zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Kratzen im Hals, Husten und Schnupfen. Fieber mit Schüttelfrost kann hinzukommen.

Die Therapie ist symptomatisch mit Lutschtabletten, viel Flüssigkeit (z.B. Salbeitee), Bädern mit Erkältungszusätzen und ggf. Schmerzmitteln. Da grippale Infekte in der Regel durch Viren ausgelöst werden, sind Antibiotika ohne vorliegende bakterielle Superinfektion sinnlos. Ein weiteres typisches Beispiel ist die Virusgrippe, ausgelöst durch Influenza-Viren, welche zu einer systemischen Erkrankung mit hohem Fieber, Husten und Gliederschmerzen führt. Komplikationen, unter anderem Hirnhautentzündung (Meningitis) oder hämorrhagische Lungenentzündungen durch eine bakterielle Superinfektion, kommen vor.

Die Therapie erfolgt ebenfalls symptomatisch, aber zusätzlich mit virushemmenden Medikamenten. Eine Impfung ist möglich und wird für viele Menschen von der ständigen Impfkommission STIKO empfohlen. Aber auch andere Infektionskrankheiten gehen nicht selten mit Gliederschmerzen einher, z.B. die Masern (in Deutschland durch konsequente Impfkampagnen sehr selten geworden), Mumps (eine virale Erkrankung mit Schwellung und Entzündung vor allem der Speicheldrüsen) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, durch Zecken übertragene, bedrohliche Krankheit mit zweigipfeligen Verlauf. Es kommt zu neurologischen Ausfällen bei Fieber und ausgeprägtem Kopfschmerz. Eine Impfung ist möglich und für Risikopatienten empfohlen).

Verschiedene Arten und Auslöser für Gliederschmerzen

Auch ist an eine Erkrankung primär der Gelenke, Muskeln oder Knochen selbst zu denken. Dabei kommt es in der Regel zu dauerhaften (chronischen) Schmerzen der Extremitäten, allerdings sind beschwerdeärmere Intervalle möglich. Gerade bei älteren Menschen liegt oft eine Arthrose dem Gliederschmerz zu Grunde. Die zusätzlichen Muskelschmerzen ergeben sich aus einer Schonhaltung, welche zur Entlastung des Knorpels eingenommen wird. Am häufigsten sind die Knie- und Hüftgelenke betroffen. Aber auch die Wirbelsäule, Daumengrundgelenk und Füße sind oft von dem schmerzhaften Verschleiß befallen.

Ebenso können Erkrankungen aus dem rheumatischen Formen-kreis zu Gliederschmerzen führen (Rheuma). Die rheumatoide Arthritis ist dabei das häufigste Krankheitsbild. Neben der zerstörenden Entzündung der Gelenke sind begleitende Muskelschmerzen durch Reizung und Fehlhaltung typisch. Die Diagnose wird klinisch, röntgenologisch und im Labor gestellt. Eine Behandlung erfolgt mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln und mit immunsuppressiver bzw. immunmodulierender Therapie.

Seltener sind die Kollagenosen (z.B. systemische Lupus erythe-matodes mit Gliederschmerzen als Leitsymptom, Sklerodermie mit Verdickung und Schrumpfung der Körperhaut oder das Sjögren-Syndrom mit Sicca-Symptomatik), das Weichteilrheuma (Entzündung z.B. der Muskeln, Bänder und des Bindegewebes) und die Fibromyalgie (Krankheit mit massiven Schmerzzuständen ohne organisches Korrelat. Eine psychosomatische Ursache wird diskutiert) Auslöser für Gliederschmerzen.

Bei einem Überschuss an Harnsäure kann es zu einem akuten Gichtanfall kommen, wenn diese als Kristall im Gelenk ausfällt. Gicht zeigt sich meist durch eine sehr schmerzhafte Entzündung an der unteren Extremität, am häufigsten im Zehengrundgelenk (Podagra). Prädisponierende Faktoren sind fleischhaltige Ernährung, Alkoholkonsum und Übergewicht. Behandelt wird der akute Gichtanfall mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (nicht-steroidalen Antiphlogistika, z.B. Diclofenac) und harnsäuresenkenden Medikamenten (z.B. Allopurinol).

Differentialdiagnostisch sollte auch an eine Nervenschädigung mit meist einschießenden Gliederschmerzen (Neuralgien) gedacht werden. Die Diagnose wird mittels neurologischer Untersuchung gestellt, ergänzend können die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen oder bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT eingesetzt werden.

Im klinischen Alltag finden sich aus dem neurologischen Formenkreis vor allem Wurzelreizungen bei einem Bandscheibenschaden. Drückt vorgewölbtes oder bereits ausgetretenes Bandscheibenmaterial auf einen Spinalnerv, kommt es zu Schmerzen innerhalb seines Innervationsgebietes (Dermatom). Sensibilitätsstörungen (z.B. Taubheit, Kribbeln) und motorische Ausfälle können hinzukommen.

Die Therapie ist zuerst konservativ (mit Schmerzmitteln und Krankengymnastik), erst bei deren Versagen oder bei neurologischen bzw. motorischen Ausfällen wird operiert. Ebenfalls oft führt eine Nervenkompression aus anderen Gründen zu Gliederschmerzen, klassisches Beispiel ist das Karpaltunnel-Syndrom. Durch ein bindegewebiges Band am Handgelenk wird der N. medianus komprimiert und es kommt zu Schmerzen in der Hand und hochziehend in den ganzen Arm. Später kommen motorische Ausfälle mit Muskelschwund dazu. Die Behandlung ist bei therapiebedürftigen Befunden primär operativ. Im Prinzip kann aber jeder Nerv des Körpers von einem Nervenkompressions-Syndrom betroffen sein.

Seltener ist als neurologische Ursache für Gliederschmerzen eine Nervenentzündung (Neuritis) zu finden. Diese findet sich z.B. nach einer Infektion mit dem Herpes Zoster-Virus (postherpetische Neuralgie). Auch eine Polyneuropathie des peripheren Nervensystems (z.B. durch Diabetes mellitus oder bei Alkoholkrankheit) kann zu Gliederschmerzen führen. Diese neuralgischen Schmerzen sind sehr schlecht einer Therapie zugänglich. Es werden Versuche mit Antiepileptika, Antidepressiva und Morphium unternommen. Ebenso können Durchblutungsstörungen an den Extremitäten zu Gliederschmerzen führen.

Am häufigsten ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) durch Arteriosklerose. Die Krankheit steht in enger Assoziation zum Tabakkonsum, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Typischerweise treten die Schmerzen unter Belastung auf, wenn das Sauerstoffangebot den Bedarf nicht mehr decken kann. Durch die Minderdurchblutung entsteht dann ein ischämischer Schmerz, ähnlich einem Krampf. Bleiben die Betroffenen stehen, bessert sich die Symptomatik („Schaufensterkrankheit“). Therapeutisch stehen blutverdünnende Medikamente zur Verfügung (z.B. ASS und Clopidogrel), als ultima ratio stehen operative Therapien (z.B. Stenteinlage, Ballondilatation oder Bypässe) zur Verfügung.

Auch Krampfadern können durch die gestörte Durchblutung und die Wasseransammlungen in den Beinen zu Spannungsgefühlen und Gliederschmerzen führen. Angepasste Kompressionsstrümpfe und kalte Duschen können die Beschwerden lindern. Akut kann eine Thrombose zu den schmerzhaften Beschwerden führen. Das Bein ist charakteristischerweise geschwollen, livide Verfärbt und druckempfindlich. Die Diagnose wird über das Labor (D-Dimere) und mittels Ultraschall der Venen gestellt. Zu Behandlung werden Stützstrümpfe verordnet und durch blutverdünnende Medikamente (hier meist Heparin, ambulant ggf. Einstellung auf Marcumar) wird versucht den Thrombus aufzulösen, bzw. ein weiteres Wachstum und eine Lungenembolie/Lungenerkrankungen zu verhindern.

Bei Frauen sollte auch an Hormonschwankungen gedacht werden. So leiden viele Frauen vor ihrer Regelblutung an Gliederschmerzen (prämenstruelles Syndrom), aber auch in der Schwangerschaft und vor allem in den Wechseljahren sind Schmerzen am Bewegungsapparat häufige unangenehme Begleiter.

Seltene Ursachen sind Vergiftungen (z.B. mit Quecksilber, Thallium oder Blei), Strahlenschäden (z.B. nach Tumorbestrahlung) oder das Raynaud-Syndrom (Durchblutungsstörung der Hände, oft zusammen mit rheumatischen Erkrankungen auftretend).

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert