Gliederschmerzen - Ursachen, Symptome und
Therapie
Unter Gliederschmerzen werden im Prinzip jegliche Schmerz-empfindungen in den Armen
(Brachialgie) und/oder den Beinen (meist Ischialgie) zusammengefasst. Entsprechend handelt es sich um einen so
genannten Extremitätenschmerz.
Medizinisch wird der Begriff in der Regel mit der Trias aus Gelenkschmerzen
(Athralgien), Knochenschmerzen (Osetalgien) und Muskelschmerzen (Myalgien,
welche meist symmetrisch auftreten) belegt.
Symptombilder
Gliederschmerzen sind keine eigene Diagnose, sondern ein Symptom und weisen fast
ausschließlich auf eine andere Erkrankung hin. Die Ausprägung der Beschwerden variiert wegen des unterschiedlichen
Schmerzempfindens von Mensch zu Mensch und ist dazu auch abhängig von der zu Grunde liegenden Ursache.
Manchmal ist nur ein leichtes, kaum merkliches Ziehen spürbar. In anderen Fällen liegen massive Schmerzen vor, welche bis zur Bewegungseinschränkung, Minderung der Lebensqualität oder
Arbeitsunfähigkeit führen können. Häufig treten die Beschwerden flüchtig oder in Intervallen (mit beschwerdefreien
Zeiten) auf. Seltener kommt es zu chronisch anhaltenden Schmerzzuständen. Dann ist in der Regel nur eine Extremität
betroffen und es liegt meist eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung vor.
Therapeutisch sollte in erster Linie die Grundkrankheit behandelt werden. Die Schmerzen selbst können z.B. durch
physikalische Therapien gelindert werden (Wärme bei z.B. Arthrose oder hormonellgetriggerten
Gliederschmerzen. Kälte z.B. bei Entzündungen oder bei Beschwerden im Rahmen von Infektionskrankheiten).
Therapiemaßnahmen
Bei starken Schmerzen können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, z.B. nicht-steroidale Antirheumatika oder
Paracetamol. Zusätzlich ist bei akuten Gliederschmerzen körperliche Schonung zu empfehlen. Meistens sind
Infektionskrankheiten die Ursache für
Gliederschmerzen. In diesem Fall sind sie in der Regel in beiden Armen und Beinen vorhanden. Die Schmerzen sind
als Zeichen der systemischen Infektion und deren
Abwehr zu werten, oft mit ausgelöst durch die Ausschüttung von Schmerzstoffen (vor allem so genannte
Prostaglandine).
Die Diagnose wird meist über die charakteristischen Begleiter-scheinungen der zu Grunde liegenden Erkrankung
gestellt, ggf. sind ergänzende Blutentnahmen - Blutwerte auf Entzündungszeichen oder Antikörper gegen Viren sinnvoll.
Im medizinischen Alltag ist eine stark ausgeprägte banale Erkältung am häufigsten.
Neben Gliederschmerzen kommt es in unterschiedlicher Ausprägung zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Kratzen
im Hals, Husten und Schnupfen. Fieber mit Schüttelfrost kann
hinzukommen.
Die Therapie ist symptomatisch mit Lutschtabletten, viel Flüssigkeit (z.B. Salbeitee), Bädern mit
Erkältungszusätzen und ggf. Schmerzmitteln. Da grippale Infekte in der Regel durch Viren ausgelöst werden, sind
Antibiotika ohne vorliegende bakterielle Superinfektion sinnlos. Ein weiteres typisches Beispiel ist die
Virusgrippe, ausgelöst durch Influenza-Viren, welche zu einer systemischen Erkrankung mit hohem Fieber, Husten und Gliederschmerzen führt. Komplikationen, unter
anderem Hirnhautentzündung
(Meningitis)
oder hämorrhagische Lungenentzündungen durch eine
bakterielle Superinfektion, kommen vor.
Die Therapie erfolgt ebenfalls symptomatisch, aber zusätzlich mit virushemmenden Medikamenten. Eine Impfung ist
möglich und wird für viele Menschen von der ständigen Impfkommission STIKO empfohlen. Aber auch andere
Infektionskrankheiten gehen nicht selten mit Gliederschmerzen einher, z.B. die Masern (in Deutschland durch konsequente
Impfkampagnen sehr selten geworden), Mumps (eine virale Erkrankung mit Schwellung
und Entzündung vor allem der Speicheldrüsen) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis
(FSME, durch
Zecken übertragene, bedrohliche Krankheit mit zweigipfeligen Verlauf. Es kommt zu neurologischen Ausfällen bei
Fieber und ausgeprägtem Kopfschmerz. Eine Impfung ist möglich und für
Risikopatienten empfohlen).
Verschiedene Arten und Auslöser für Gliederschmerzen
Auch ist an eine Erkrankung primär der Gelenke, Muskeln oder
Knochen selbst zu denken. Dabei kommt es in der Regel zu dauerhaften (chronischen) Schmerzen der Extremitäten, allerdings sind beschwerdeärmere Intervalle möglich. Gerade bei
älteren Menschen liegt oft eine Arthrose
dem Gliederschmerz zu Grunde. Die zusätzlichen Muskelschmerzen ergeben sich aus einer Schonhaltung, welche zur
Entlastung des Knorpels eingenommen wird. Am häufigsten sind die Knie- und Hüftgelenke betroffen. Aber auch die
Wirbelsäule, Daumengrundgelenk und Füße sind oft von dem schmerzhaften Verschleiß befallen.
Ebenso können Erkrankungen aus dem rheumatischen Formen-kreis zu Gliederschmerzen führen
(Rheuma). Die rheumatoide Arthritis ist dabei das
häufigste Krankheitsbild. Neben der zerstörenden Entzündung der Gelenke sind begleitende Muskelschmerzen durch
Reizung und Fehlhaltung typisch. Die Diagnose wird klinisch, röntgenologisch und im Labor gestellt. Eine Behandlung
erfolgt mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln und mit immunsuppressiver bzw. immunmodulierender Therapie.
Seltener sind die Kollagenosen (z.B.
systemische Lupus
erythe-matodes mit Gliederschmerzen als Leitsymptom, Sklerodermie mit Verdickung und Schrumpfung der
Körperhaut oder das Sjögren-Syndrom mit Sicca-Symptomatik), das Weichteilrheuma (Entzündung z.B. der Muskeln,
Bänder und des Bindegewebes) und die Fibromyalgie (Krankheit mit massiven
Schmerzzuständen ohne organisches Korrelat. Eine psychosomatische Ursache wird diskutiert) Auslöser für
Gliederschmerzen.
Bei einem Überschuss an Harnsäure kann es zu einem akuten Gichtanfall kommen, wenn diese als
Kristall im Gelenk ausfällt. Gicht zeigt sich meist durch eine sehr schmerzhafte Entzündung an der unteren
Extremität, am häufigsten im Zehengrundgelenk (Podagra). Prädisponierende Faktoren sind fleischhaltige Ernährung,
Alkoholkonsum und Übergewicht. Behandelt wird der akute Gichtanfall mit
entzündungshemmenden Schmerzmitteln (nicht-steroidalen Antiphlogistika, z.B. Diclofenac) und harnsäuresenkenden
Medikamenten (z.B. Allopurinol).
Differentialdiagnostisch sollte auch an eine Nervenschädigung mit meist einschießenden
Gliederschmerzen (Neuralgien) gedacht werden. Die Diagnose wird mittels neurologischer Untersuchung gestellt,
ergänzend können die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen oder bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT
eingesetzt werden.
Im klinischen Alltag finden sich aus dem neurologischen Formenkreis vor allem Wurzelreizungen bei einem
Bandscheibenschaden. Drückt
vorgewölbtes oder bereits ausgetretenes Bandscheibenmaterial auf einen Spinalnerv, kommt es zu Schmerzen
innerhalb seines Innervationsgebietes (Dermatom). Sensibilitätsstörungen (z.B. Taubheit, Kribbeln) und
motorische Ausfälle können hinzukommen.
Die Therapie ist zuerst konservativ (mit Schmerzmitteln und Krankengymnastik), erst bei deren Versagen oder bei
neurologischen bzw. motorischen Ausfällen wird operiert. Ebenfalls oft führt eine Nervenkompression aus anderen
Gründen zu Gliederschmerzen, klassisches Beispiel ist das Karpaltunnel-Syndrom. Durch ein
bindegewebiges Band am Handgelenk wird der N. medianus komprimiert und es kommt zu Schmerzen in der Hand und
hochziehend in den ganzen Arm. Später kommen motorische Ausfälle mit Muskelschwund dazu. Die Behandlung ist bei
therapiebedürftigen Befunden primär operativ. Im Prinzip kann aber jeder Nerv des Körpers von einem
Nervenkompressions-Syndrom betroffen sein.
Seltener ist als neurologische Ursache für Gliederschmerzen eine Nervenentzündung (Neuritis) zu
finden. Diese findet sich z.B. nach einer Infektion mit dem Herpes Zoster-Virus (postherpetische Neuralgie). Auch
eine Polyneuropathie des peripheren
Nervensystems (z.B. durch Diabetes
mellitus oder bei Alkoholkrankheit) kann zu Gliederschmerzen führen. Diese neuralgischen Schmerzen sind sehr
schlecht einer Therapie zugänglich. Es werden Versuche mit Antiepileptika, Antidepressiva und Morphium unternommen.
Ebenso können Durchblutungsstörungen an den
Extremitäten zu Gliederschmerzen führen.
Am häufigsten ist die periphere arterielle
Verschlusskrankheit (pAVK) durch
Arteriosklerose.
Die Krankheit steht in enger Assoziation zum Tabakkonsum, Bluthochdruck oder Diabetes
mellitus. Typischerweise treten die Schmerzen unter Belastung auf, wenn das Sauerstoffangebot den Bedarf
nicht mehr decken kann. Durch die Minderdurchblutung entsteht dann ein ischämischer Schmerz, ähnlich einem
Krampf. Bleiben die Betroffenen stehen, bessert sich die Symptomatik („Schaufensterkrankheit“).
Therapeutisch stehen blutverdünnende Medikamente zur Verfügung (z.B. ASS und Clopidogrel), als ultima ratio
stehen operative Therapien (z.B. Stenteinlage, Ballondilatation oder Bypässe) zur Verfügung.
Auch Krampfadern können durch
die gestörte Durchblutung und die Wasseransammlungen in den Beinen zu Spannungsgefühlen und Gliederschmerzen
führen. Angepasste Kompressionsstrümpfe und kalte Duschen können die Beschwerden lindern. Akut kann eine
Thrombose zu den schmerzhaften
Beschwerden führen. Das Bein ist charakteristischerweise geschwollen, livide Verfärbt und druckempfindlich. Die
Diagnose wird über das Labor (D-Dimere) und mittels Ultraschall der Venen gestellt. Zu Behandlung werden
Stützstrümpfe verordnet und durch blutverdünnende Medikamente (hier meist Heparin, ambulant ggf. Einstellung auf
Marcumar) wird versucht den Thrombus aufzulösen, bzw. ein weiteres Wachstum und eine Lungenembolie/Lungenerkrankungen zu verhindern.
Bei Frauen sollte auch an Hormonschwankungen gedacht werden. So leiden viele Frauen vor ihrer Regelblutung an
Gliederschmerzen (prämenstruelles Syndrom), aber auch in der Schwangerschaft und vor allem in den Wechseljahren sind
Schmerzen am Bewegungsapparat häufige unangenehme Begleiter.
Seltene Ursachen sind Vergiftungen (z.B. mit Quecksilber, Thallium oder Blei), Strahlenschäden (z.B. nach
Tumorbestrahlung) oder das Raynaud-Syndrom (Durchblutungsstörung der Hände, oft zusammen mit rheumatischen Erkrankungen auftretend).
verwandte Themen sind: Durchblutungsstörungen

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