Venöse Insuffizienz im Gehirn bei MS entdeckt

Die neuesten Ergebnisse in der MS-Forschung (Multiple Sklerose) geben Hinweise auf die nicht unerhebliche Beteiligung eines abnormen Blutflusses im Gehirn. Danach weisen extra- wie auch intrakranielle Venen der MS-Kranken starke Veränderungen auf. Dies konnte jetzt mit neuesten bildgebenden Verfahren sichtbar gemacht werden.

Für die Aufsehen erregende Entdeckung zeichnen sich zwei Forschergruppen aus Italien und den USA verantwortlich und gaben ihr die Bezeichnung „Chronische zerebrospinale venöse Insuffizienz“ (CCSVI). Auf dem Kongress der US-Neurolgengesellschaft (AAN) in Toronto stießen sie damit auf großes Interesse.

Besonders signifikant ist das merklich reduzierte Gesamtvolumen der Venen im Gehirn von MS-Patienten. Dieses geringe Venenvolumen verursacht eine durch Stenosen (Verengungen) bedingte, chronisch venöse Abflussstörung. Das gestörte Abfließen des Blutes ist seinerseits die Ursache für eine Perfusion des Hirnparenchyms in Begleitung eines Reflux in den zerebralen Venen. Die Folge sind erhöhte Eisenablagerungen im Gehirn. Ebenso ist der zerebrospinale Liquorfluss im Sylvius-Aquädukt gestört.

Mittels der MRT-Variante Susceptibility-Weihted Imaging (SWI) lassen sich zerebrale Venen darstellen. Das Forscherteam um Dr. Guy U. Poloni aus Buffalo wies damit nach, dass das Gesamtvolumen der Hirnvenen bei MS-Kranken im Schnitt um 20 Prozent geringer ist als bei Gesunden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Arbeitsgruppe um Professor Paolo Zabonis aus Ferrara in Italien. Bei Messungen der venösen Hämodynamik fand man bei MS-Patienten eine venöse Insuffizienz mit venösem Rückstau.

Je ausgeprägter die venöse Insuffizienz war, umso stärker war die intrazerebrale Perfusion (Durchströmung) gestört und umso mehr Eisen war in den Läsionen. Das bestätigt auch bisherige Forschungsergebnisse, die besagen, dass hohe Eisenkonzentrationen im Gehirn einhergehen mit einem ausgeprägten Behinderungsgrad.

René Gräber

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