Cimicifuga: Das homöopathische Arzneimittelbild

Mittelherkunft und arzneiliche Wirkung von Cimicifuga

Cimicifuga racemosa, das Wanzenkraut, von lat. „cimex“ für Wanze und „fuga“ für Flucht, trägt ihren Namen zu Recht: Schädlinge machen einen großen Bogen um diese Pflanze. „Racemosa“ steht für die traubenförmige Anordnung ihrer Blüten. Besser bekannt ist Cimicifuga unter dem Namen Traubensilberkerze oder schwarze Schlangenwurzel, benannt nach ihren im Wind klapperschlangenartig rasselnden Samenhülsen.

von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Diese robuste, bis zu zwei Meter hoch werdende Pflanze wächst in den Bergen Nordamerikas, aber auch an schattigen, feuchten Standorten innerhalb Europas. Sie besitzt große, gefiederte Laubblätter, präsentiert im Juli kleine weiße Blüten und entwickelt Balgfrüchte. Zur Mittelherstellung verwendet werden allerdings nur der frische Wurzelstock und die Wurzeln, im Herbst zu sammeln. Im Wurzelstock finden sich u. a. Salizylsäure, Gerbstoffe und Zucker sowie eine harzige Verbindung, das Cimicifugin, welches Hautrötungen und Ausschläge verursachen kann.

Ureinwohner nutzen Cimicifuga traditionell gegen Schlangenbisse sowie zur Wehenanregung und Geburtserleichterung. Erstmalig im 17. Jahrhundert durch Morrison beschrieben, wurde die Wurzel im 18. Jahrhundert zur Behandlung von Geschwulsten, später auch bei Rheuma und Chorea empfohlen.

Cimicifuga gehört zu den häufig eingesetzten Mitteln, typische Potenzen sind D6 bis C200.

Der Kern des Mittels in der Homöopathie

Cimicifuga ist schmerz- und blutungsstillend und entkrampfend, ideal bei vielen rheumatischen, neuralgischen und hormonell bedingten Beschwerden wie Problematiken von Menstruation, Geburtsverlauf und Klimakterium.

Aufgrund seines digitalisähnlichen Effektes kann es auch bei Herzrhythmusstörungen angeraten sein. Psychische Symptomatiken wie nervöse Reizbarkeit, einhergehend mit Ohrgeräuschen und Ohrensausen sind Cimicifuga in niedrigerer Dosierung gut zugänglich. Ähnliches gilt für Migräne, Schlaflosigkeit, Angstzustände, Melancholie und depressive Verstimmungen.

Überdosierungen von Cimicifuga führen zu Kopfschmerzen, Gliederzittern und Steifheit. Bei Frauenbeschwerden hat sich Pulsatilla als geeignetes Wechselmittel erwiesen.

Cimicifuga und seine Funktionskreise

Hormonelle Veränderungen während Menstruation und Klimakterium rufen vielfältige Beschwerden wie starke Krämpfe oder Eierstockschmerzen hervor. Auch bei Kopfschmerzen und Nackenschmerzen sowie Rückenschmerzen, Hitzewallungen und Schwindel sowie Depressionen und Angstzuständen bringt Cimicifuga Erleichterung.

Frauen klagen über einen verspannten Nacken und eine druckempfindliche Wirbelsäule, Gliederschmerzen und Verkrampfungen. Menstruationsbeschwerden werden wiederum von Rückenschmerzen begleitet: Psychische und körperliche Problematiken wechseln sich hier ab.

Anwendungsgebiete von Cimicifuga racemosa

  • Regelschmerzen,
  • ausbleibende oder schmerzhafte Menstruation bei Jugendlichen,
  • Krämpfe im Magen-Darm-Bereich und im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane,
  • depressive Verstimmungen,
  • Schlafprobleme,
  • Schwangerschaftsübelkeit,
  • Beschwerden vor und während der Geburt,
  • Muskel-, Gelenkschmerzen und Nervenschmerzen,
  • schneidender Ischiasschmerz in der linken Hüfte,
  • berstende Kopfschmerzen oder Migräne nach Anspannung,
  • steifer Hals mit ausstrahlenden Schmerzen.

Besserung tritt ein durch

  • Wärme,
  • Essen,
  • frische Luft,
  • Zusammenkrümmen,
  • Druck (bei Ischiasschmerz),
  • wohl dosierte Bewegung.

Die Beschwerden verschlimmern sich bei

  • Kälteeinwirkung,
  • feuchtem Wetter,
  • vor und während der Menstruation,
  • intensiver Bewegung und körperlicher Anstrengung,
  • Stress und Erregung.

Die Cimicifuga-Psyche

Die Betroffenen sind niedergedrückt (nicht nur im Klimakterium), besorgt und verängstigt, dabei aber hektisch und unerwartet mitteilsam. Manche Patientinnen leiden unter Platzangst.

Frauen, die ein langdauerndes Klimakterium erfahren, leiden unter ständiger Schlaflosigkeit. Nervös, unruhig, hysterisch und aufgeregt, klagen sie über Appetitlosigkeit und ein starkes, subjektives Leeregefühl im Magen. Ihr Bedürfnis, ständig zu reden und sich mitzuteilen nimmt zuweilen extreme Formen an.

Depressive Phasen sind von Alpträumen geprägt, die drohendes Unheil und Katastrophen zum Gegenstand haben. Gleichzeitig dominiert das Gefühl, von einer watteartigen Wolke umhüllt zu sein. Geistiges Überarbeiten und Überanstrengen löst u. a. starken Kopfschmerz aus, der an frischer Luft wieder verschwindet.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.07.2012 aktualisiert

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René Gräber