Unsere Nahrung: Allergie oder
Nahrungsmittel-Unverträglichkeit?
Im Prinzip kann man auf jede Nahrung mit einer
Allergie reagieren.
Ein Drittel aller Deutschen leidet bereits an
einer Allergie. An einer Allergie auf Nahrungsmittel
leiden ca. drei Prozent der Erwachsenen und ca. vier
Prozent der Kinder.
Eine Allergie auf Nahrung ist eine nicht normale Reaktion
des Immunsystems auf einen eigentlich harmlosen Bestandteil der
Nahrung.
Einige Lebensmittel sind jedoch häufiger für Allergien
verantwortlich als andere – wobei auch die
Ernährungsgewohnheiten eines Landes eine Rolle spielen. Während
zum Beispiel Allergien gegen Erdnüsse in den USA und in
Frankreich verbreitet sind, spielen sie in Deutschland eine
geringere Rolle. Der Grund dafür: Kinder essen hier
weniger Erdnussbutter und kommen mit den allergieauslösenden
Stoffen später in Kontakt.
Kleinkinder in Deutschland sind vor allem gegen Kuhmilch und
Hühnerei allergisch, dann folgen Weizen und Soja. Bei
Erwachsenen sind Allergien gegen Kuhmilch und Hühnerei
ebenfalls häufig, außerdem solche gegen Fisch und Schalentiere,
aber auch Erdnüsse.
Menschen mit Heuschnupfen reagieren auf Lebensmittel, deren
Eiweiße zufällig Ähnlichkeit mit denen der Blütenpollen haben,
die ihr Immunsystem reizen. Meist sind dies Äpfel, Haselnüsse,
Karotten oder Sellerie, aber auch Früchte wie Kiwis, Pfirsiche
und eher selten – Erdbeeren.
Zum Beispiel reagiert ein Patient mit Heuschnupfen, der
gegen Birkenpollen allergisch ist, auch mit einer Allergie
auf den Genuss von Kernobst und Gewürzen. Diese Reaktion ist
typisch für eine Kreuzallergie. Gekocht oder gebacken
sind die meisten Nahrungsmittel für Allergiker gut
verträglich.
Was ist der Unterschied zwischen
einer Nahrungsmittelallergie und einer
Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Bei einer Nahrungsmittelallergie
reagiert das Immunsystem auf harmlose Bestandteile im
Essen. Meistens reagiert der Körper auf bestimmte
Proteine (Eiweiße) und behandelt diese so, als wären
diese Proteine gefährliche Eindringlinge in den Körper.
Es produziert Antikörper, die dafür sorgen, dass bestimmte
Botenstoffe, zum Beispiel Histamin, ausgeschüttet werden. Diese
lassen dann die Haut jucken, die Nase laufen oder den Darm
rebellieren. Eine Allergie zeigt sich in den meisten Fällen
nicht nach dem ersten Kontakt des Organismus mit einem
Nahrungsmittel.
Was genau bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit
passiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich
stimulieren bestimmte Substanzen in der Nahrung Botenstoffe im
Körper, sodass diese eine Reaktion auslösen, die einer Allergie
ähnelt. Tatsächlich ist das Immunsystem aber nicht beteiligt
und es bildet keine Antikörper.
Man spricht deshalb auch von einer „Pseudo-Allergie“. Solche
Pseudo-Allergien können schon nach dem ersten Kontakt mit einem
Lebensmittel auftreten. Bei einer auch als „klassische
Unverträglichkeit” bezeichneten Stoffwechselstörung kann der
Körper bestimmte Nahrungsbestandteile nicht richtig
verdauen.
Allergie ist nicht immer gleich
Allergie
Bei einer Apfel-Allergie sind mittlerweile
vier Proteine des Apfels bekannt, an die sich die
IgE-Antikörper spezifisch binden (Mal d 1-4). Eine
Kreuzreaktivität zwischen dem "Mal d 1" Gen und dem
Birkenpollenallergen "Bet v 1" führt zu relativ milden oralen
Symptomen. Das Apfelallergen "Mal d 3" hingegen hat eine höhere
Stabilität und kann Reaktionen am ganzen
Körper hervorrufen. Mal d 3-Epitope besitzen außerdem eine
hohe Homologie zum Pfirsichallergen Pru p 3.6. Unterschiedliche
Sensibilisierungswege führen demnach zu der gleichen, aber
nicht der selben Apfel-Allergie.
Milch-Allergie oder
Milchunverträglichkeit - bzw. Lactoseintoleranz?
Nicht nur beim Apfel, auch bei der Milch gibt
es verschiedene Auslöser allergischer Symptome. Dabei wird
die Laktose-Unverträglichkeit (Laktoseintoleranz), häufig mit
einer "echten" Milchallergie verwechselt. Bei
der Laktoseintoleranz fehlt den Betroffenen das Enzym
Laktase, das für die Spaltung des Milchzuckers verantwortlich
ist.
Wenn Milchzucker unverdaut in den Darm
gelangt, ist dieser eine Nahrungsquelle für Bakterien. Die
aus dem Milchzucker hergestellten kurzkettigen
Fettsäuren senken den pH-Wert und reizen dann die
Darmschleimhaut: Blähungen, Durchfall und Übelkeit sind die
Folge. Patienten können dagegen Tabletten mit Laktase
einnehmen.
Leider gibt es ganz ähnliche Symptome auch bei einer
tatsächlichen Milchallergie. Bei der Milch-Allergie sind
allerdings Milcheiweiße wie Casein oder Laktoglobulin die
Auslöser der Symptome. IgE-Antikörper sind bei einer
Milch-Allergie in einem RAST-Test nachweisbar.
Milchallergiker müssen alle Produkte, die Milcheiweiß
enthalten, meiden.
Wie bemerke ich eine
Nahrungsmittelallergie?
Wie oben bereits bei der Apfel-Allergie beschrieben, können
die gleichen Nahrungsmittel bei verschiedenen Allergikern
ganz unterschiedliche Symptome hervorrufen.
Folgende Symptome lassen
eine Nahrungsmittelallergie vermuten:
- Hautreaktionen wie Juckreiz, Rötungen, Quaddeln, Ekzeme
wie Neurodermitis
- Reaktionen des Verdauungssystems wie Durchfall oder
Erbrechen oder aber Kribbeln und Anschwellen der
Mundschleimhaut
- Reaktionen der Atemwege wie Schnupfen bis hin zu Asthma
oder etwa tränende Augen. Besonders Menschen, die schon
Asthma haben, sind hier gefährdet
- Reaktionen des Herz-Kreislauf-Systems wie verlangsamter
Herzschlag, Blutdruckabfall bis hin zum allergischen
Schock
Meistens treten die Symptome plötzlich nach einer Mahlzeit
auf. Aber auch eine zeitversetzte Reaktion des Körpers ist
möglich, zum Beispiel bei der Neurodermitis.
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