Extreme Reaktion auf Nahrungsmittel: Allergie oder Unverträglichkeit?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Im Prinzip kann man auf jede Nahrung mit einer Allergie reagieren.

Ein Drittel aller Deutschen leidet bereits an einer Allergie. An einer Allergie auf Nahrungsmittel leiden ca. drei Prozent der Erwachsenen und ca. vier Prozent der Kinder.

Einige Allergien verschwinden, wenn die Kinder größer werden. Der überwiegende Teil der Nahrungsmittelallergien bleibt aber bis ins Erwachsenenalter hinein bestehen.

Eine Allergie auf Nahrungsmittel ist eine nicht normale Reaktion des Immunsystems auf einen eigentlich harmlosen Bestandteil der Nahrung.

Einige Lebensmittel sind jedoch häufiger für Allergien verantwortlich als andere, wobei auch die Ernährungsgewohnheiten eines Landes eine Rolle spielen. Während zum Beispiel Allergien gegen Erdnüsse in den USA und in Frankreich verbreitet sind, spielen sie in Deutschland eine geringere Rolle. Der Grund dafür: Kinder essen hier weniger Erdnussbutter und kommen mit den allergieauslösenden Stoffen später in Kontakt.

Kleinkinder in Deutschland sind vor allem gegen Kuhmilch und Hühnerei allergisch, dann folgen Weizen und Soja. Bei Erwachsenen sind Allergien gegen Kuhmilch und Hühnerei ebenfalls häufig, außerdem solche gegen Fisch und Schalentiere, aber auch gegen Erdnüsse.

Menschen mit Heuschnupfen reagieren auf Lebensmittel, deren Eiweiße zufällig Ähnlichkeit mit denen der Blütenpollen haben, die ihr Immunsystem reizen. Meist sind dies Äpfel, Haselnüsse, Karotten oder Sellerie, aber auch Früchte wie Kiwis, Pfirsiche und- eher selten – Erdbeeren.

Zum Beispiel reagiert ein Patient mit Heuschnupfen, der gegen Birkenpollen allergisch ist, auch mit einer Allergie auf den Genuss von Kernobst und Gewürzen. Diese Reaktion ist typisch für eine Kreuzallergie. Gekocht oder gebacken sind die meisten Nahrungsmittel für Allergiker gut verträglich.

Da die Pollenallergien in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben, sind auch die Kreuzallergien mit bestimmten Nahrungsmitteln häufiger geworden. Davon abgesehen ist eine Zunahme von Lebensmittelallergien in den letzten Jahrzehnten bisher nicht objektiv nachgewiesen worden.

Allerdings verlaufen in den letzten Jahren immer häufiger allergische Schübe bei Nahrungsmittelallergien tödlich. Es kommt zu einem anaphylaktischen Schock und im schlimmsten Fall zum Tod durch Ersticken. Je nachdem wie stark die Allergie ist, können schon winzigste Mengen des Allergens einen anaphylaktischen Schock auslösen.

Schon leichte Verunreinigungen von Kochgeräten können im schlimmsten Fall zu starken, eventuell lebensbedrohenden Symptomen führen. Dadurch ist es für Allergiker schwer, sich vollständig vor den Allergenen zu schützen. Für Allergiker, die zu systemischen Reaktionen neigen, kann deshalb ein Notfallset aus verschiedenen Medikamenten hilfreich sein.

Was ist der Unterschied zwischen einer Nahrungsmittelallergie und einer Nahrungsmittelunverträglichkeit? 

Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem auf harmlose Bestandteile im Essen. Meistens reagiert der Körper auf bestimmte Proteine (Eiweiße) und behandelt diese so, als wären sie gefährliche Eindringlinge in den Körper.

Er produziert Antikörper, die dafür sorgen, dass bestimmte Botenstoffe, zum Beispiel Histamin, ausgeschüttet werden. Diese lassen dann die Haut jucken, die Nase laufen oder den Darm rebellieren. Eine Allergie zeigt sich in den meisten Fällen nicht nach dem ersten Kontakt des Organismus mit einem Nahrungsmittel.

Drei Typen von Nahrungsmittelallergien werden unterschieden:

  • Typ A betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder und verschwindet wieder, wenn das Verdauungssystem der Kinder stabiler wird.
  • Typ B kommt bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vor und hat meist mit Allergien gegen Pollen oder andere Stoffe zu tun.
  • Typ C tritt bei Erwachsenen auf, vor allem bei Frauen, geht aber nicht mit einer anderen Allergie einher.

Was dagegen bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit passiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich stimulieren bestimmte Substanzen in der Nahrung Botenstoffe im Körper, sodass diese eine Reaktion auslösen, die einer Allergie ähnelt. Tatsächlich ist das Immunsystem aber nicht beteiligt und es bildet keine Antikörper.

Man spricht deshalb auch von einer „Pseudo-Allergie“. Allerdings empfiehlt die Europäische Akademie für Allergologie und klinische Immunologie (EAACI), diesen Begriff nicht mehr zu benutzen.

Unverträglichkeitsreaktionen können schon nach dem ersten Kontakt mit einem Lebensmittel auftreten. Bei einer auch als „klassische Unverträglichkeit” bezeichneten Stoffwechselstörung kann der Körper bestimmte Nahrungsbestandteile nicht richtig verdauen.

Neben einer Allergie und einer Unverträglichkeit muss man bei Reaktionen auf Nahrungsmittel auch immer an eine toxische Reaktion, also eine Vergiftung, denken. Verdorbene Speisen, nicht essbare Pilze oder bestimmte Gemüsesorten in rohem Zustand können zu Übelkeit, Durchfällen, Fieber und anderen Symptomen führen. Unter bestimmten Umständen können die Symptome einer allergischen Reaktionen sehr ähnlich sehen und ebenfalls bin hin zum Schock führen.

Außerdem kommen noch psychische und psychosomatische Reaktionen hinzu, die oft mit großer Aversion gegen bestimmte Nahrungsmittel zu tun haben und ebenfalls zu heftigen körperlichen Symptomen führen können.

Allergie ist nicht immer gleich Allergie

Bei einer Apfel-Allergie sind mittlerweile vier Proteine des Apfels bekannt, an die sich die IgE-Antikörper spezifisch binden (Mal d 1-4). Eine Kreuzreaktivität zwischen dem "Mal d 1" Gen und dem Birkenpollenallergen "Bet v 1" führt zu relativ milden oralen Symptomen. Das Apfelallergen "Mal d 3" hingegen hat eine höhere Stabilität und kann Reaktionen am ganzen Körper hervorrufen. Mal d 3-Epitope besitzen außerdem eine hohe Homologie zum Pfirsichallergen Pru p 3.6. Unterschiedliche Sensibilisierungswege führen demnach zu der gleichen, aber nicht derselben Apfel-Allergie.

Milch-Allergie oder Lactoseintoleranz?

Nicht nur beim Apfel, auch bei der Milch gibt es verschiedene Auslöser allergischer Symptome. Dabei wird die Laktose-Unverträglichkeit (Laktoseintoleranz), häufig mit einer "echten" Milchallergie verwechselt. Bei der Laktoseintoleranz fehlt den Betroffenen das Enzym Laktase, das für die Spaltung des Milchzuckers verantwortlich ist. 

Wenn Milchzucker unverdaut in den Darm gelangt, ist dieser eine Nahrungsquelle für Bakterien. Die aus dem Milchzucker hergestellten kurzkettigen Fettsäuren senken den pH-Wert und reizen dann die Darmschleimhaut: Blähungen, Durchfall und Übelkeit sind die Folge. Patienten können dagegen Tabletten mit Laktase einnehmen.

Leider gibt es ganz ähnliche Symptome auch bei einer tatsächlichen Milchallergie. Bei der Milch-Allergie sind allerdings Milcheiweiße wie Casein oder Laktoglobulin die Auslöser der Symptome. IgE-Antikörper sind bei einer Milch-Allergie in einem RAST-Test nachweisbar. Milchallergiker müssen alle Produkte, die Milcheiweiß enthalten, meiden.

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Wie bemerke ich eine Nahrungsmittelallergie?

Wie oben bereits bei der Apfel-Allergie beschrieben, können die gleichen Nahrungsmittel bei verschiedenen Allergikern ganz unterschiedliche Symptome hervorrufen.

Folgende Symptome lassen eine Nahrungsmittelallergie vermuten:

  • Hautreaktionen wie Juckreiz, Rötungen, Quaddeln, Ekzeme wie Neurodermitis
  • Reaktionen des Verdauungssystems wie Durchfall oder Erbrechen
  • Kribbeln und Anschwellen der Mundschleimhaut
  • Reaktionen der Atemwege wie Schnupfen bis hin zu Asthma oder tränende Augen. Besonders Menschen, die schon Asthma haben, sind hier gefährdet.
  • Reaktionen des Herz-Kreislauf-Systems wie verlangsamter Herzschlag, Blutdruckabfall bis hin zum allergischen Schock

Meistens treten die Symptome plötzlich nach einer Mahlzeit auf. Aber auch eine zeitversetzte Reaktion des Körpers ist möglich, zum Beispiel bei der Neurodermitis.

In epidemiologischen Studien wurde festgestellt, dass viel mehr Menschen glauben, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zu haben, als tatsächlich betroffen sind. Dies beobachten auch viele Ärzte aus der täglichen Praxis.

In der Tat ist es in der Praxis auch nicht immer leicht festzustellen was nun genau vorliegt: Allergie oder Unverträglichkeit? Und die beliebten Allergietests sind in der Regel auch alles andere als zuverlässig....

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 25.06.2013 aktualisiert