Adnexitis: Die Eileiterentzündung und Eierstockentzündung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Adnexitis beschreibt Entzündungen im Bereich der Eileiter (Tubae uterinae) und der Eierstöcke (Ovarien), die unter physiologischen Gegebenheiten der Reifung und dem Transport der befruchteten Eizelle zur Gebärmutter dienen.

Eine Entzündung kann in unterschiedlichen Kombinationen vorliegen, es können nur beide Eileiter, nur beide Ovarien, alle vier Gebärmutteranhängsel oder nur eine Seite mit einem oder beiden Anteilen betroffen sein (Salpingitis = isolierte Eileiterentzündung, Salpingoophoritis = isolierte Eierstockentzündung). Isolierte Entzündungen sind eher selten. Durch die Verbindung der Anhangsgebilde kann eine auftretende Entzündung leicht wandern und weitere innere Bereiche befallen.

Die Adnexitis gilt als releativ schwere Erkrankung in der Frauenheilkunde und betrifft hauptsächlich Frauen in gebärfähigem Alter. Dieses variiert in den letzten Jahrzehnten, da sich viele Frauen inzwischen erst spät zu einer Schwangerschaft entschließen, der Hauptanteil der Erkrankungen liegt aber zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr, die Inzidenz liegt bei ca. 12 von 1000. Eher selten sind Entzündungen vor der ersten und nach der letzten (= Menopause) Regelblutung.

Als Auslöser gelten meist Bakterien (hauptsächlich Gonokokken und Chlamydien, seltener u.a. Staphylokokken und Streptokokken), wobei in der Schulmedizin drei unterschiedliche Infektionswege unterschieden werden.

Dringen die Bakterien von außen ein, spricht man von einer aszendierenden (aufsteigenden) Infektion. Unter physiologischen Bedingungen halten die normalen Schutzbarrieren (z.B. saures Milieu und geschlossener Muttermund) die Keime auf. Unzureichende Hygiene, häufig wechselnde Sexualpartner, Myome, Polypen, aber auch die Menstruation (Regelblutung) sowie Geburten, Aborte (Fehlgeburten) und Verhütungsmethoden (z.B. Spirale) können die Schutzfunktion stören.

Die deszendierende (absteigende) Adnexitis ist meist eine Folgeerkrankung und deutet auf Entzündungen oder Erkrankungen von Nachbarorganen und Geweben hin. Dies zeigt sich z.B. vermehrt bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) oder nach operativen Eingriffen im Unterbauchbereich, wo Hämatome (Blutansammlungen, Ergüsse) oder Gewebezerstörungen durch den Schnitt die Entstehung begünstigen können.

Bei der hämatogenen Adnexitis gelangen die Keime über die Blutbahn zu den Gebärmutteranhängen. Dieser Weg ist eher selten und zeigt sich v.a. als Begleiterkrankung einer Tuberkulose, bei Mumps, Scharlach oder einer Virusgrippe.

Die bei einer Adnexitis auftretenden Symptome sind sehr variabel und richten sich zum einen nach dem Auslöser, zum anderen nach der Verlaufsform, die in akut und chronisch unterteilt wird.

Bei einer akuten Entzündung kommt es zu ein- oder beidseitigen starken Unterbauchschmerzen. Dabei wirkt der Bereich geschwollen und gespannt. Betroffene fühlen sich schwach, entwickeln Fieber und allgemeine Anzeichen wie z.B. Übelkeit (Nausea), Brechreiz (Vomitus = Erbrechen), Durchfall (Diarrhoe) oder Verstopfung (Obstipation). Auch Schmerzen bei der Urinausscheidung, Zwischenblutungen und ein veränderter Schleimausfluss aus der Scheide werden beobachtet.

Bei der Inspektion fallen eine deutlich vergrößerte Gebärmutter sowie geschwollene Adnexen auf, das Blutbild (Blutwerte) weist Entzündungszeichen auf.

Zeigen sich diese Symptome nach einer abgeklungenen Adnexitis erneut oder weiterhin, ist dies ein Hinweis für den Übergang ins chronische Stadium. Hierbei kommt es zusätzlich häufig zu starken Beschwerden im Kreuzbereich, die z.B. durch vernarbtes oder verwachsenes Gewebe nach einer Ausheilung entstehen können. Durch den möglicherweise langjährigen Verlauf dieses Stadiums droht die Unfruchtbarkeit.

Neben Blutbild und gynäkologischer Inspektion werden zur Diagnostik auch die Sonographie, eine CT oder eine MRT zum Ausschluss von Komplikationen (z.B. Douglasabszess) eingesetzt. Differentialdiagnostisch zu unterscheiden sind v.a. die Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen), die Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn (chronisch entzündliche Darmerkrankungen) sowie die Appendizitis, die sich durch eine sehr ähnliche Symptomatik bemerkbar machen.

Konservative Therapieansätze nutzen vorrangig die Wirksamkeit von Breitband-Antibiotika (wirksam gegen ein großes Spektrum unterschiedlicher Erreger). Zusätzlich werden schmerzlindernde (Analgetika) und entzündungshemmende (Antiphlogistika) Medikamente eingesetzt.

Bettruhe, Sitzbäder und Kältetherapie unterstützen die Behandlung.
Ein operativer Eingriff wird erst gewählt, wenn konservative Maßnahmen keine Wirkung zeigen, wenn der Auslöser eine andere Organerkrankung (z.B. Blinddarmentzündung) ist oder wenn Komplikationen wie z.B. Darmverschluss (Ileus) oder Peritonitis (Bauchfellentzündung) drohen. Hier werden die entzündeten Bereiche entfernt, dies kann bei einem chronischen Verlauf auch die Gebärmutter betreffen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert