Magenulcus - Das Magengeschwür
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) ist eine entzündliche Veränderung der Magenschleimhaut.
Zusammen mit dem Ulcus duodeni (Geschwür des Zwölffingerdarms), welches ca. fünf Mal häufiger in
Erscheinung tritt, lässt es sich bei ca. 0,8 Prozent der Bevölkerung diagnostizieren und zählt damit zu den
häufigsten Erkrankungen des Magens. Die Inzidenz liegt bei ca. 50 von 100.000 Menschen, wobei die Zahl mit dem
Lebensalter ansteigt. Der Erkrankungsschwerpunkt findet sich zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.
Das Ulcus ventriculi kann im gesamten Magen entstehen, zeigt sich aber vornehmlich im Bereich
des Antrums (zwölf Prozent), präpylorisch (19 Prozent) und an der kleinen Kurvatur (45 Prozent). Sich in anderen
Regionen entwickelnde Geschwüre sind häufig ein Hinweis auf Malignität (Gefahr der Karzinombildung).
Hauptverursacher des Magengeschwürs ist das Bakterium Helicobacter
pylori, das sich in 70 bis 80 Prozent der Erkrankungsfälle nachweisen lässt. Bestimmte Medikamente
(Schmerzmittel, blutverdünnende Präparate) fördern ebenfalls Ulzerationen. Die Einnahme nicht-steroidaler
Antirheumatika (NSAR) erhöht die Entstehungsgefahr um das 46-Fache, die genetische Prädisposition führt zu einem
dreifach erhöhten Risiko (zeigt sich bei Neugeborenen, deren Eltern erkrankt sind, sowie Menschen mit der
Blutgruppe 0). Zu den ein Geschwür auslösenden Organerkrankungen zählen die Überfunktion der Nebenschilddrüsen
(Hyperparathyreoidismus) und das Zollinger-Ellison-Syndrom.
Nikotin und Alkohol stören die normale Flora des Magens. Die nächtliche Produktion der Magensäure ist erhöht und
führt zu immer wiederkehrenden Erosionen der obersten Schicht mit späterer Geschwürausbildung (hohe Rezidivrate).
Zusätzlich hemmen bzw. verzögern diese Substanzen die autogene Heilung.
Zum Teil verursachen Motilitätsstörungen (z.B. verzögerte Entleerung des Magens) unterschiedlicher Genese die
Ausbildung eines Geschwürs. Und auch psychischem und physischem Stress wird ein Einfluss auf die Entstehung
nachgesagt.
Magengeschwüre verursachen verschiedene Symptome, können aber auch
durch eine völlige Beschwerdefreiheit gekennzeichnet sein. Der Schmerz weist einen dumpfen, zum Teil brennenden und durch seine
Ausstrahlung schlecht zu lokalisierenden Charakter im Bereich des Epigastriums (Oberbauch) auf. Daneben zeigt sich
ein Druck- oder Völlegefühl. Bei einigen Betroffenen kommt es nach Nahrungsaufnahme zu einer Zunahme der
Symptomatik. Andere Erkrankte weisen einen Nüchternschmerz auf, der sich nach Nahrungsaufnahme bessert.
Allgemeine, unspezifische Anzeichen sind Übelkeit,
Erbrechen, Abneigung gegen oder Unverträglichkeit
bestimmter Nahrungsmittel und Gewichtsverlust. Im
fortgeschrittenen Stadium kommt es zu aufbrechenden Geschwüren (Perforation). Dies zeigt sich durch
Blutbeimengungen im Erbrochenen (Hämatemesis) oder im Stuhl - Blut im Stuhl (Meläna, schwarz gefärbter Stuhl).
Geschwüre des Magens heilen häufig spontan ab (ca. 40 Prozent), kehren aber ebenso oft wieder. Die Rezidivrate
bei durch Helicobacter pylori verursachten Ulcera liegt bei nahezu 60
Prozent. Die Perforation (Aufbruch, Durchbruch) mit anschließender Blutung zeigt sich bei 15 Prozent der
Erkrankungsfälle. Die sich abwechselnden Stadien der Geschwürbildung und Abheilung führen auf Dauer zu einer
Vernarbung des umliegenden Gewebes. Besonders im Bereich des Übergangs zum Duodenum kann sich eine Stenose
(Verengung) ausbilden (Prävalenz zwei Prozent). Die Symptomatik ist akut, neben Übelkeit und schnellem Sättigungsgefühl kommt es zu raschem
Erbrechen nach Nahrungsaufnahme, verbunden mit starken,
kolikartigen Schmerzen.
Häufig bleibt ein Magen-Ulcus unentdeckt. Besonders durch die Einnahme von Schmerzmitteln ist
die warnende Symptomatik des Körpers ausgeschaltet, so dass sich die Störung erst im fortgeschrittenen Stadium
bemerkbar macht. Dann sind die anamnestisch erhobenen Anzeichen meist eindeutig und können durch Inspektion und
Palpation bekräftigt werden. Sonographie, Blutuntersuchung und
Gastroskopie (Magenspiegelung) werden zur Absicherung der Diagnose genutzt. Gewebeproben dienen der
Differentialdiagnose (Entzündung, Geschwür, Karzinom).
Die Therapie des Magengeschwürs setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Ein Verzicht auf schädigende
Substanzen (Nikotin, Alkohol) ist obligat. Nicht lebensnotwendige Medikamente, die die Magenschleimhaut angreifen,
sollten für einen gewissen Zeitraum gemieden werden. Zur Umgehung des Magens können auch intravenöse Präparate
verabreicht werden. Nahrungsaufnahme und Trinkgewohnheiten sollten verändert werden. Dazu zählen der Verzicht auf
scharfe, fettige und säurehaltige Nahrungsmittel sowie die Meidung von Kaffee, schwarzem Tee und Fruchtsäften. Die
medikamentöse Therapie wählt säurehemmende und säurebindende Präparate (Protonenpumpenhemmer, Antazida). Bei
Nachweis von Helicobacter pylori erfolgt die Eradikationstherapie
(Ausschaltung des Bakteriums mittels Antibiotika in Kombination mit weiteren Präparaten).
Das therapierte Magengeschwür weist eine Heilungsrate von nahezu 90 Prozent auf. Hier spielen auch das Alter,
Geschlecht und die Konstitution des Betroffenen eine wesentliche Rolle. Die Rezidivrate steigt mit zunehmendem
Alter und zeigt sich vermehrt bei Männern.
Ein nicht verheilendes Geschwür birgt neben Komplikationen wie Vernarbung oder Perforation mit Blutungen die
Gefahr der Entartung (ca. drei Prozent). In diesen Fällen wird der invasive bzw. operative Weg gewählt. Meist
lassen sich Blutungen im Rahmen einer Spiegelung beseitigen (Verödung oder Klebung mittels Fibrin). Ausgedehnte
Blutungen erfordern unter Umständen einen laparoskopischen Eingriff. Bei starker Schädigung oder tumorösen
Entartungen werden unter anderem Magenteilresektionen (z.B. nach Billroth) durchgeführt.

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