Kiefergelenkschmerzen: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Kiefergelenkschmerzen

Die Kiefergelenke sind zwei der beweglichsten Gelenke eines Menschen und ein Wunderwerk der Natur. Synchron und präzise halten sie bei ihrer tagtäglichen Arbeit einen Kaudruck von bis zu 160 kg aus.

Das Kiefergelenk besteht, sehr einfach ausgedrückt, aus zwei Knochenstrukturen, die miteinander verbunden sind. Zwischen diesen beiden liegt eine aus Knorpel bestehende Gelenkscheibe, in welcher der Gelenkkopf verankert ist. Über diesem liegt eine dünne Knorpelschicht, die gemeinsam mit der so genannten Gelenkschmiere die Reibung am Gelenk verringert und damit die Abnutzung reduziert.
Zwei Gelenkkammern bilden das Kiefergelenk. Die obere liegt zwischen der Gelenkgrube und der Knorpelscheibe und die untere zwischen dem Gelenkkopf und der Knorpelscheibe.

Der Oberkiefer ist relativ starr, wohingegen der Unterkiefer beweglich ist. Bei Bewegungen im Unterkiefer sind immer beide Gelenkköpfe mit beansprucht. Öffnet man den Mund weiter oder wird der Unterkiefer nach vorn geschoben, bewegen sich die Gelenkköpfe gemeinsam mit der Knorpelscheibe aus der Gelenkgrube bis zum Gelenkhöcker.

Um Kauen oder Sprechen zu können, müssen die Gelenkköpfe eine Kombination aus gleitenden und drehenden Bewegungen ausführen.
Die Perfektion in der Abstimmung der Bewegung ist beim Kiefergelenk jedoch nur so lange erhalten, solange die Stellung von Kiefer und Zähnen aufeinander abgestimmt sind.

Durch eine ungenaue Bisslage der Zähne oder einen verschlissenen und abgenutzten Zahnersatz kann das empfindliche System gestört werden; der Gelenkkopf wird aus seiner natürlichen Stellung geschoben und es entsteht eine Fehlbelastung der Kiefergelenke. Dies führt häufig zu Schmerzen im Kiefergelenk.

Symptomatik und Diagnostik

Sind Stellungsfehler im Kiefergelenksystem entstanden, treten zunächst Schmerzen im Unterkiefer auf. Oft ist auch die Beweglichkeit eingeschränkt, das heißt, die Patienten können ihren Mund nicht mehr richtig öffnen.

Im Volksmund wird dies oft als "Kiefersperre" bezeichnet. Weitere Hinweise auf eine Störung im sensiblen System des Kiefergelenkes sind Reibungs- oder Knackgeräusche im Kiefer, die sich bis zu den Ohren hinziehen können. Häufig kommen auch Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, oder Ohrenschmerzen, sowie Schwindel als Symptome vor.

Um eine Fehlstellung im Bereich des Kiefers feststellen zu können, ist eine Untersuchung durch einen Zahnarzt unerlässlich. Dieser kann durch Abtasten, die so genannte Funktionsanalyse und/oder Röntgenaufnahmen die Ursachen für Schmerzen im Kiefer feststellen.

Wird bei einer solchen Untersuchung eine Kieferfehlstellung festgestellt, können unterschiedliche Erkrankungen entstanden sein:

  1. Verspannungen der Kau- und Gesichtsmuskulatur:
    Durch die Fehlstellung der Kiefer zueinander oder eine Fehlstellung der Zähne kommt es bei vielen Patienten zum so genannten Bruxismus. Als Bruxismus wird das nicht bewusste Knirschen mit den Zähnen oder auch das Aufeinanderpressen der Zähne bezeichnet. Meist wird diese unbewusste Bewegung nachts durchgeführt. Durch Bruxismus kommt es zu einem Zahnverschleiß und einer Überlastung der Zähne, der Kaumuskeln und des Kiefergelenks, sowie der Muskulatur des Kopfes und Nackens.
  2. Chronische Nacken-, Rücken- oder Gelenkschmerzen:
    Wie schon erwähnt, kommt es durch die Fehlstellung zu einem falschen Biss der Zähne. Dies führt zu einer Überlastung der Muskulatur des gesamten Oberkörpers, von der Kaumuskulatur bis hin zur Schultermuskulatur. In der Folge kann es zu Nacken-, Rückenschmerzen oder auch Knieschmerzen kommen. Es treten auch Empfindungsstörungen in Armen und Händen (Taubheit, Kribbeln in einzelnen Fingern oder der ganzen Hand oder dem ganzen Arm) oder ein Arm-Schulter-Syndrom auf.
  3. Oberkieferfehlstellungen:
    Eine Fehlstellung im Oberkiefer ist ursächlich für eine Beeinträchtigung der Atmung durch die Nase. Grund hierfür ist, dass der Gaumen gegen die Nase zu drücken beginnt, wie auch bei Zahnasymmetrien oder Zahnverlust. Dadurch, dass die Nasenatmung erschwert ist, atmen die meisten Patienten bei einer Oberkieferfehlstellung durch den Mund. Dies führt zu einer Austrocknung der Mundhöhle und zum ungefilterten Eintritt der Atemluft in den Körper. Häufige virale oder bakterielle Infektionen oder im schlimmsten Falle sogar eine asthmatische Erkrankung können die Folge sein.
  4. Geräusche im Ohr:
    Auch Geräusche im Ohr bis hin zum Tinnitus können durch Fehlbelastungen des Kiefergelenkes hervorgerufen werden. Grund hierfür ist, dass zwischen Kiefergelenk und Innen- und Mittelohr enge anatomisch bedingte Beziehungen vorliegen. Hörstörungen (Knacken im Ohr oder ein Pfeifen) und Schwindelgefühle treten in der Folge oft auf.
  5. Verdauungsstörungen: Wenn ein Patient Schmerzen im Kiefergelenk hat, erschwert dies auch die Nahrungsaufnahme. Denn die Nahrung wird meist nicht mehr richtig gekaut und eingespeichelt, so dass der Nahrungsbrei nicht ausreichend zerkleinert den Magen erreicht. Dieser reagiert auf diese Überlastung beispielsweise mit Übersäuerung oder Problemen bei der Mobilität wie Magenschmerzen, Blähungen und Übelkeit.

Therapie

Die Therapie ist davon abhängig, welche Diagnose vom Zahnarzt gestellt wurde. Wurden die Kiefergelenkschmerzen durch verschlissenen oder falsch eingesetzten Zahnersatz ausgelöst, muss dieser ersetzt oder ausgebessert werden.

siehe auch: Zahnkrankheiten, Wurzelbehandelte Zähne 

Sind Asymmetrien der Zahnstellung oder Engstände der Zähne Ursache der Kiefergelenkschmerzen, ist eine kiefernorthopädische Behandlung das Mittel der Wahl. Bei durch Bruxismus ausgelösten Schmerzen ist die Anfertigung einer Aufbissschiene sinnvoll, um weiteren Zahnabrieb zu verhindern. Um die Ursachen, meist psychische Belastungen, zu bearbeiten, sind meist auch eine psychotherapeutische Behandlung oder Entspannungsübungen zur Stressbewältigung angezeigt.

Liegen bereits Entzündungen in den Muskeln und/oder Gelenken vor, werden vom Zahnarzt meist schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente verschrieben. Sind die Verspannungen sehr stark, können durch gezielte physiotherapeutische Maßnahmen und Massagen Blockaden gelöst werden.

In Eigentherapie können Patienten mit einer heißen Rolle arbeiten. Eine heiße Rolle ist ein straff zusammengerolltes Handtuch, das leicht befeuchtet, am besten in der Mikrowelle, erhitzt wird. Diese Rolle wird dann immer kurz auf die Kiefergelenke gedrückt und wieder entfernt.

Bei mehrmaliger Wiederholung kann diese Maßnahme Blockaden in der Muskulatur lösen und Linderung verschaffen. Auch haben sich hier autogenes Training oder Yoga zur Entspannung bewährt. Einen Gang zum Facharzt ersetzen solche Maßnahme jedoch nicht.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert