Antidepressiva, besonders die Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs), sind kaum geeignet, die Beschwerden zu lindern. Viele Wirksamkeitsnachweise dieser Medikamente leiden an etlichen methodischen Mängeln.

Zudem häufen sich die Studien über sehr schwerwiegende Nebenwirkungen. So das Ergebnis einiger unabhängiger Forscher.

Eine neue Studie aus Großbritannien zeigt Nebenwirkungen der Antidepressiva auf, die Probleme in einer völlig anderen Ecke des Geschehens deutlich werden lassen, als diejenigen, die ich schon in zahlreichen anderen Artikeln beschrieben hatte (siehe weiter unten).

Diese Studie (Antidepressant Medication as a Risk Factor for Type 2 Diabetes und Impaired Glucose Regulation: Systematic review) ist eine Meta-Analyse und behauptet, dass die Einnahme von Antidepressiva in einem noch ungeklärten Zusammenhang steht mit der Entwicklung von Diabetes Typ-2. Die Arbeit selbst erklärt nicht den ursächlichen Zusammenhang für diese Beobachtung.

In der Veröffentlichung erklären die Forscher der Universität von Southampton, dass der Gebrauch von Antidepressiva über die letzten Jahrzehnte dramatisch angestiegen ist. Jetzt scheint es besonders ernstzunehmende Anlässe zur Sorge bezüglich der Antidepressiva und der Glukosemetabolisierung zu geben.

In Großbritannien wurden 2011 46,7 Millionen mal Antidepressiva verordnet. Für Deutschland gibt es diese Angaben nur als durchschnittliche Tagesdosen. Die betragen für das Jahr 2011 1,25 Milliarden Tagesdosen. Wenn man eine verordnete Schachtel Antidepressiva durchschnittlich auf 30 Tabletten beziffert, dann hätten wir knapp 42 Millionen Verordnungen in Deutschland für das Jahr 2011.

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USA: land of depressive`s – land of antidepressant`s

In den USA scheinen Antidepressiva ebenfalls sich einer besonderen „Beliebtheit“ zu erfreuen. Inzwischen nehmen über 10 Prozent der Amerikaner regelmäßig Antidepressiva (The Great U.S. Depression: Antidepressant Pill Popping Numbers Up). Da könnte man fast mitleidig sagen, dass es deprimierend ist, solche Zahlen lesen zu müssen. Und es wird deutlich, dass bei diesen Unmengen an konsumierten Medikamenten die Nebenwirkungen nicht ausbleiben können.

Die vorliegende Arbeit ist „nur“ eine Meta-Analyse, also eine Daten-Analyse bereits ausgewerteter alter Arbeiten. Daher sind die Ergebnisse solcher Arbeiten immer mit der notwendigen Einschränkung und Vorsicht zu behandeln. Der Vorteil einer solchen Auswertung ist, dass man enorme Datenmengen miteinander vergleichen kann, die prospektive, klinische Studien nicht erzeugen können.

Der Ansatz:

In dieser Arbeit wurden 22 Studien und drei zuvor durchgeführte Meta-Analysen verglichen und auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Antidepressiva-Konsum und Diabetes Typ-2 untersucht. Auffällig war bei der Auswertung, dass der Konsum und die Wahrscheinlichkeit von Diabetes Typ-2 miteinander korreliert waren. Oder anders ausgedrückt: Patienten unter einer antidepressiven Therapie zeigten häufiger Zeichen von Diabetes.

Da es sich hier um ein rein statistisches Verfahren handelt, gibt es keine Erklärungen für die Ursache dieses Zusammenhangs. So waren die Resultate innerhalb der einzelnen Studien teilweise auch widersprüchlich. Einige Antidepressiva zeigten eine enge Korrelation mit einer verschlechterten Glukosekontrolle, besonders unter hohen Dosierungen und bei einer Langzeittherapie. Andere Substanzen zeigten eine verbesserte Bilanz der Glukosekontrolle.

Die Autoren bemerkten auch, dass die Qualität der untersuchten Arbeiten nicht einheitlich war. Neuere und größere Studien mit besserem Design zeigten aber die Tendenz zu einem bescheidenen Effekt. Daher kommen die Autoren zu dem Schluss, dass möglicherweise verschiedene Substanzen auch ein verschieden großes Risiko für Diabetes mit sich bringen. Von daher ist es notwendig, für jede einzelne Substanz die entsprechenden Sicherheitsstudien durchzuführen, um ein Risiko für Diabetes auszuschließen oder zu bestätigen.

Der Zusammenhang scheint wahrscheinlich

Obwohl die Autoren in der Studie keine kausalen Aussagen zu ihren Beobachtungen machen konnten, mutmaßten die Forscher doch über eine mögliche Erklärung für das Phänomen. So bewirkten einige der Antidepressiva eine Gewichtszunahme bei den Patienten, was wiederum das Risiko für Diabetes erhöht. Andere der untersuchten Arbeiten jedoch zeigten, dass ein erhöhtes Risiko auch weiterhin bestand, selbst als der Risikofaktor Übergewicht wegfiel. Damit ergibt sich ein Hinweis, dass Antidepressiva beziehungsweise einige der Antidepressiva ein Risikofaktor für sich für Diabetes sind.

Die Studienleiterin, Dr. Bernard, kommentierte, dass im Angesicht der immer weiter steigenden Verordnungszahlen diese Aussicht mehr als beängstigend ist. Daher muss die Möglichkeit einer Steigerung der Diabetes-Fälle durch antidepressive medikamentöse Therapien ernst genommen werden.

Der Koautor, Prof. Holt für Diabetes und Endokrinologie in Southampton, sagt dazu, dass das potenzielle Risiko für Diabetes nicht unterschätzt werden sollte, besonders bei relativ hohen Dosierungen und in Fällen von Langzeittherapien.

Das bedeutet für die Praxis zum Beispiel, dass er Arzt, wenn er Antidepressiva verordnet, ab jetzt auch immer den Glukosestatus seiner Patienten mit beobachten muss – eine Zusatzleistung, die er vielleicht gar nicht von der Kasse bezahlt bekommt. Wenn er diesen Aspekt schleifen lässt, da er sich nicht in barer Münze auszahlt, hat der Patient möglicherweise gute Chancen, durch seine antidepressive Therapie in eine andere Krankheit gejagt zu werden. Ein kleiner Trost bleibt dann doch für den Hausarzt: Die Behandlung von Diabetes ist dann mit einer ordnungsgemäßen Diagnose auch wieder bei den Kassen abrechenbar.

So sorgen die Psychiater dafür, dass die Diabetologen nicht arbeitslos werden. Es ist zum verrückt Werden.

Wenn Ihnen das noch nicht reicht, dann habe ich hier noch mehr für Sie:

Ich hatte bereits eine Reihe von Beiträgen verfasst, die die Rolle der Antidepressiva etwas genauer unter die Lupe genommen hat. Denn Antidepressiva sind alles andere als eine gelungene schulmedizinische Maßnahme gegen Depressionen und depressive Zustände:

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den “5 Wundermitteln” ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Dieser Beitrag wurde im November 2013 erstellt und letztmalig im Juni 2019 aktualisiert

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