Apotheker als Spione für die Pharmaindustrie

Großes Befremden nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der Öffentlichkeit lösten in der letzten Woche Berichte aus, nach denen ein Marktforschungsinstitut für die Pharmaindustrie die Apotheker für das Aufspüren von parallel importierten Medikamenten einsetzen möchte.

Das Marktforschungsinstitut IMS Health aus Darmstadt stattet zu diesem Zweck Apotheker mit einer Digitalkamera und einem Speicherchip aus. Damit sollen sie die Packungen von Medikamenten als Parallelimporte fotografieren (so dass die Chargen-Nummer erkannt werden kann) und die Bilder anschließend abspeichern. Diese Tätigkeit wird ausgesprochen großzügig honoriert, weil das IMS, beziehungsweise seine Auftraggeber, an den zu ermittelnden Informationen sehr interessiert sind.

Bei Parallelimporten im Pharmabereich handelt es sich um im Ausland produzierte Medikamente, die nicht – wie üblich – über den Hersteller auf den deutschen Markt gelangen, sondern über unabhängige Vertriebsfirmen zu sehr viel günstigeren Preisen. Davon profitieren Patienten und Krankenkassen, die so jährlich große Beträge an Arzneimittelausgaben einsparen können. Die Leidtragenden sind dabei die Hersteller, denen Gewinne in Millionenhöhe entgehen dürften – zumal Deutschland als Land mit sehr hohen Medikamentenpreisen gilt (siehe: 500 Euro für Medikamente).

René Gräber

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