Biologika – Hoffnung mit Nebenwirkungen?

Biologika als neue Therapie für Rheumatiker waren bis vor kurzem mit ihren Erfolgen in aller Munde. Die Pharmahersteller waren begeistert über ihre Profite. Rheumaexperten waren froh, dass es für die schwer therapierbaren Fälle endlich eine weitere Alternative zur Behandlung gibt. Denn nach vielen Jahren sprechen viele Rheumatiker schon nicht mehr auf die gängigen Basismedikamente an. Nun hat sich die erste Euphorie gelegt, weil die starken Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen sind. Dabei handelt es sich vor allem um die Schwächung des Immunsystems, die den Patienten Probleme bereitet.

In der Fachzeitschrift „Lancet“ wurde im Jahre 2008 lobend über die neuen Möglichkeiten berichtet. Da ging es um Medikamente, die einen gezielten Eingriff in das Immunsystem bewirken. Für viele Rheumatiker hat die Biologika-Therapie zur grundlegenden Besserung der Erkrankung geführt. Das gilt vor allem für die Betroffenen mit Rheumatoider Arthritis im frühen Stadium.

Die neuen Präparate wurden auch erst einmal hoch gelobt. In Studien wurde nachgewiesen, dass die Medikamente schneller und effektiver wirken als die bisherigen Medikamente. Mit Biologika konnte also austherapierten Patienten neue Hoffnung und Linderung gegeben werden. Aber sind diese Präparate deshalb ein Wundermittel? Eher nicht, zumindest nicht ohne gravierende Nebenwirkungen.

Eine Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) ist eben nicht ohne die Nebenwirkung des Risikos von Infektionen zu erhalten. Darin liegt aber die Schwierigkeit der Therapie mit Biologika. Erkrankungen des Zentralnervensystems wie die PML (progressive multifokale Leukoenzephalopathie) bis hin zu Todesfallen zählen zu den bedeutenden Nebenwirkungen. Eine Cochran-Review zeigt diese auf.

Wenn das Immunsystem unterdrückt wird, ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Das war sicherlich allen Beteiligten und Experten klar, aber sind diese auch vertretbar? Im Jahr 2008 warnten schon die Hersteller von Inhibitoren des TNF-? (Tumornekrosefaktor) vor Pilzinfektionen, nachdem sie von der amerikanischen Arzneimittel-Zulassungsbehörde (FDA) dazu gezwungen wurden. Auslöser waren die Todesfälle im Zusammenhang mit den Pilzinfektionen. Man sieht, dass ziemlich zeitig starke Nebenwirkungen bekannt wurden. Auch latente Tuberkulosen bei betroffenen Patienten wurden durch die Immunmodulatoren reaktiviert. Nach Bekanntwerden wurde ein Screening auf TBC durchgeführt, um derartige Nebenwirkungen zu vermeiden.

Obwohl die Hauptzielgruppe für Biologika die Rheumatiker waren, wurden auch weitere Erkrankungen damit behandelt. Dazu zählen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Psoriasis oder auch bestimmte Krebserkrankungen. Dabei kam es bei allen Erkrankungen zu mehr unerwünschten Nebenwirkungen als unter anderen Therapien.

Der Cochrane-Report reicht zur Analyse aber noch nicht aus, weil die Patientenzahlen im Hinblick auf bestimmte Nebenwirkungen eine klare Aussage noch nicht zulassen. Das Deutsche Rheumaforschungszentrum baut derzeit ein Biologika-Register auf, das auch die Publikationen über unerwünschte Wirkungen beeinhaltet.

René Gräber

René Gräber

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