Diclofenac (Voltaren) ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum, zu dem auch Aspirin und Ibuprofen gehören, jedoch in einer anderen Wirkstoffklasse. Die Substanz ist die am häufigsten eingesetzte Schmerztablette in 15 Ländern. Sie gilt als unentbehrliches Medikament in 74 Ländern mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommensstandard. Und das, obwohl wohl bekannt ist, dass die Substanz das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bei vorgeschädigten Patienten erhöht.

Dies (und etwas mehr) wurde Mitte Februar 2013 in einer Studie in PLOS Medicine vorgestellt. Die Sache wird umso bedenklicher, denn das kardiale Risiko von Diclofenac steht dem von Vioxx nur wenig nach. Und Vioxx (Rofecoxib) wurde weltweit 2004 wegen genau dieser Risiken vom Markt genommen. Daher fordern die Autoren der Studie, dass auch Diclofenac vom globalen Markt entfernt werden muss, vor allem von der Liste der „unverzichtbaren Medikamente“.

 

Die Pharmaindustrie warnte Ärzte

Als die Studie erschien, informierten Pharma-Verbände die Ärzte über die möglichen Risiken. Diclofenac solle nicht über längere Zeit eingenommen werden. Auch auf die aktuell geltenden Gegenanzeigen wurde ausdrücklich hingewiesen. Demnach darf Diclofenac nicht appliziert werden bei Menschen mit  koronaren, arteriellen und zerebralen Durchblutungsstörungen, erhöhten Lipid-Werten, Hypertonie und Diabetes.

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Raucher gehören ebenfalls zu den Menschen, für die das Medikament nicht geeignet ist. Um eintretende Nierenschäden zu vermeiden, soll die Kreatinin-Konzentration im Blut parallel zur Medikation stetig überwacht werden.

Wegen der geringen Dosierung des Wirkstoffs in Augentropfen (Difen,Votaren ophtha) und Schmerzgels (Votaren) sind die Nebenwirkungen vernachlässigbar. Bei Augentropfen ist allerdings kritisch, dass der Heilungs-Prozess der Grunderkrankung verzögert werden kann.

Laut Erhebungen deutscher Krankenkassen aus 2023 werden oral anwendbare Präparate von Diclofenac entgegen der Warnungen immer noch an Herzkranke verschrieben. Die Zahlen weichen kaum von denen ab, die vor 2013 vorlagen.

Unentbehrlich bei tödlichen Risiken?

Unglaublich, aber wahr: Man weiß bereits länger als ein Jahrzehnt, dass  nichtsteroidale Antirheumatika, wie zum Beispiel Diclofenac, ein höheres kardiovaskuläres Risiko beherbergen als andere nichtsteroidale Antirheumatika, wie zum Beispiel Naproxen (Aleve, Miranax, Dysmenalgit) und Novaminsulfon (Novalgin). 

Aber in der Liste der “unentbehrlichen” Medikamente von 100 Ländern wird Diclofenac bei 74 Ländern gelistet. Naproxen, das signifikant risikoärmere Medikament, dagegen steht nur in 27 Ländern auf dieser Liste.

Eine tiefer greifende Analyse der Verkaufszahlen und Verschreibungsgewohnheiten von nichtsteroidalen Antirheumatika in 15 Ländern mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommensverhältnissen, basierend auf Daten von 2011, zeigten einen dreifach höheren Umsatz von Diclofenac im Vergleich zu Naproxen. Offensichtlich hat das Jahrzehnte alte Wissen um die Risiken von Diclofenac keinen Einfluss auf die klinische Praxis. Und das ist die evidenzbasierte Realität der Schulmedizin.

Einer der Forscher kommentiert, dass Diclofenac keinen Vorteil in Hinsicht auf die gastrointestinale Verträglichkeit und Sicherheit hat. Und aufgrund der Tatsache, dass verträglichere und sicherere Alternativen zur Verfügung stehen, erscheint es notwendig, dass Diclofenac von den Listen notwendiger Medikamente aller Länder gestrichen wird. Die Forscher fordern sogar eine Marktrücknahme der Substanz weltweit. Das wäre auch für mich eine wirklich evidenzbasierte Konsequenz daraus.

Andere Wissenschaftler kommentieren diese Befunde als alarmierend und sehen sofortigen Handlungsbedarf. Hier geht es aber nicht nur um Diclofenac gegen Naproxen. Es geht vielmehr um die Sicherheit und Verträglichkeit dieser Substanzklasse von Medikamenten bei der Behandlung von Patienten. Hier wären die Gesundheitsorganisationen, wie zum Beispiel die WHO, gefragt, für mehr Informationen über die Sicherheit von nichtsteroidalen Antirheumatika zu sorgen.

Reddy und Roy, zwei indische Wissenschaftler, die nicht an der Studie beteiligt waren, sondern deren Ergebnisse praktisch aufarbeiteten, kommentieren zum Schluss: „Wenn wir nicht kollektiv dieser Herausforderung gerecht werden, dann kann uns kein Schmerzmittel die Schmerzen des Versagens nehmen“.

Dem kann ich mich nur anschließen und auf die Möglichkeiten der Naturheilkunde hinweisen:

Bevor Schmerzen mit gefährlichen Pharmaka behandelt werden können vorerst die sanfteren Methoden zum Einsatz kommen: die Osteopathie und Chiropraktik, die Neuraltherapie, Massagen und Akupunktur sowie die Orthomolekular-Medizin, Heilpflanzen und die Homöopathie.

Quelle: Cardiovascular Risk of NSAIDs: Time to Translate Knowledge into Practice, Bild: Fotolia

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Beitragsbild: pixabay.com – Matvevna

Dieser Beitrag wurde im Juli 2013 erstellt und letztmalig am 07.11.2023 aktualisiert.