Kinshasa – Stadt der Zombies – Wenn Menschen nur noch vergessen wollen

Strasse in Afrika

Bislang habe ich mich um das Thema Drogenkonsum gedrückt, aber was wir jetzt gerade in Afrika erleben müssen, ist wie ein Wink mit dem Zaunpfahl auf das, was uns sehr wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft auch in Mitteleuropa bevorsteht.

Eine treibende Kraft für solche fatalen Entwicklungen ist die Spaltung der Gesellschaft mithilfe jener oft zitierten klaffenden Schere zwischen Arm und Reich, die zugleich die „gesunde“ Mittelschicht immer weiter ausdünnt.

Schauen wir in den Kongo: zunehmend mehr Menschen verfallen in der Hauptstadt des Kongo einer neuen Droge. Bombé wird sie genannt und aus den Ablagerungen von Autokatalysatoren hergestellt, wobei noch ein wilder Mix aus Medikamenten hinzugegeben wird. Wer es konsumiert, kann endlich vergessen.

Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich Videos in den sozialen Netzwerken, vor allem in WhatsApp auf, die die „Zombies von Kinshasa“ thematisierten. Zu sehen sind Menschen in einer Art Schockstarre oder in einem Bewegungsmodus, den die Bezeichnung Zeitlupe recht gut beschreibt. Sogar die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, allen voran Präsident Felix Thisekedi, hat bereits verstanden, dass es sich hierbei um eine echte Krise im Land handelt.

Die Konsumenten sind vornehmlich Jugendliche, die zuerst euphorisch werden, um danach „wegzutreten“. Doch die rasante Ausbreitung der Droge Bombé ist dem kranken Zustand des ganzen Landes geschuldet. Insbesondere die Megacity Kinshasa ist für den größten Teil seiner Einwohner zur lebensfeindlichen Zone geworden. Nicht umsonst gehört Kinshasa weltweit zu den „am wenigsten lebenswerten Städten“, in der Statistik noch schlimmer als Bagdad oder Damaskus.

Eines der verruchtesten Stadtviertel heißt Selembao. Allenthalben trifft man dort auf junge Männer, die sich um eine kaputte Glasscheibe versammeln. Darauf befindet sich braunes Pulver, in das hinein sie weiße Tabletten zerbröseln. Letztere sollen etwas den Appetit anregen, denn ohne diese Maßnahme würden sie zwei Tage lang gar nichts mehr essen.

Was von dem Pulver nicht durch die Nase geschnieft wird, wird eben geraucht. Die jungen Konsumenten „haben nichts zu verlieren“, so jedenfalls begründen sie ihren Trip ins Vergessen, denn Bombé wirkt wie ein Schleier, der alles überdeckt und die gruselige Realität erträglicher macht. Und die kurze Flucht in eine bessere Welt kostet nur einen Dollar.

In der Tat gehört ausgerechnet Kinshasa weltweit zu den teuersten Städten. Es gibt eine ganze Menge Superreiche, gewiss ist dies einer der Gründe, warum die Wirtschaft des Landes am Boden liegt, denn der enorme Rohstoffreichtum kommt lediglich bei einer kleinen Elite an. Der mit Abstand größte Teil der circa 15 Millionen Einwohner von Kinshasa hat keinen festen Job und somit auch kaum Einkommen. Eine Mittelschicht existiert praktisch nicht. Und durch Corona ist alles noch schlimmer geworden.

Patrice Kapia ist der Leiter des kongolesischen Suchtprogramms. Er hält die Droge für überaus gefährlich, denn sie verursacht Herz- und Lungenprobleme sowie Krebs. Berichte von Todesfällen unmittelbar nach dem Konsum von Bombé liegen bereits vor.

Die Ablagerungen in den alten Katalysatoren enthalten unter anderem Zinkoxid, Platin und Rhodium. Im belgischen Antwerpen wird zurzeit untersucht, welche Wirkungen die Substanzen im Einzelnen auf den Menschen haben. Wie oben bereits angedeutet, werden aber noch Tramadol, Nitril, Dolaren, Ampicillin oder sogar Heroin hinzugesetzt.

Die Polizei war in der Sache nicht ganz untätig und hat inzwischen fast 100 vermeintliche Drahtzieher des Katalysator-Handels verhaftet. Wie sich herausstellte, handelte es sich um tunesische Staatsbürger. Eigentlich sollten ihre Plastikfässer mit den gräulichen Brocken aus dem Inneren der Autoteile zum Recycling nach Deutschland exportiert werden.

Doch die 200 US-Dollar, die nur 1 kg des begehrten Pulvers im Kongo einbringt, sind einfach zu verlockend. Dass der Handel mit den Katalysator-Inhalten aufgrund der darin enthaltenen Edelmetalle schon seit längerer Zeit auch in anderen Ländern blüht, ist den Behörden sehr wohl bekannt, aber dass es dabei nun auch noch um Drogen geht, überraschte die Ermittler.

Inzwischen sind viele Mechaniker in den Handel involviert. Während sich Fahrzeuge in einer Werkstatt befinden oder auch einfach nur vor einem Hotel parken, werden die Katalysatoren abgeschraubt, um die begehrten Inhalte zu entnehmen. Damit die Besitzer die Manipulation nicht gleich hören, werden die Katalysatoren abschließend mit Metalldrähten gefüllt.

Den Nährboden für die billige Droge bildet vor allem der komplexe Konflikt im Nordosten des Landes, wo selbst ernannte Milizen erbitterte Kämpfe gegen die Regierung führen, indem sie immer wieder grausam gegen die Zivilbevölkerung vorgehen. Sogar offiziell herrscht dort Kriegszustand.

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Dieser Beitrag wurde am 4.11.2021 erstellt.

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