Der HbA1c Wert

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Für einen an Diabetes mellitus-Erkrankten sind die regelmäßigen Kontrollen des Blutzucker-Wertes lebensnotwendig. Dies dient der Vermeidung einer Unter- oder Überzuckerung, wodurch es zu weitreichenden Störungen des gesamten Organismus kommen kann.

Die regelmäßige Kontrolle erfolgt mittels Auswertung eines Bluttropfens, hauptsächlich über ein Blutzucker-Messgerät. Hiermit wird eine Momentaufnahme des Blutzuckerspiegels gemacht, die jeweils abhängig ist von verschiedenen Faktoren. Dazu zählen u.a. die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, die körperliche Tätigkeit, die Tageszeit, möglicher Stress, der Hormonhaushalt, Medikamente sowie der allgemeine Zustand (z.B. Erkältung, Fieber, weitere Erkrankungen).

Möchte sich der behandelnde Arzt einen weitreichenden Überblick über den Blutzuckerspiegel-Verlauf der vergangenen Wochen machen, kann er den HbA1c-Wert im Vollblut bestimmen lassen.

Bei HbA1c handelt es sich um Glykohämoglobin, an Glukose (Zuckermoleküle) gebundenes Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Vereinfacht gesagt bedeutet das: je mehr Zucker im Blut vorhanden ist, desto mehr Bindungen lassen sich im Blut nachweisen (= höherer HbA1c-Wert). Daher spricht man in Zusammenhang mit dem HbA1c-Wert auch von einem „Blutzuckergedächtnis“. Der Wert erlaubt Rückschlüsse auf den Blutzuckerwert der letzten acht bis zwölf Wochen. Dies ist der Zeitraum, den ein gebundenes Zuckermolekül benötigt, bevor es vollständig abgebaut ist. Besonders wertvoll sind die Ergebnisse bei der Behandlung (Einstellung) des Diabetes mellitus vom Typ II (früher: Altersdiabetes, Alterszucker). Zudem lassen sich so „kleinere Sünden“ bei einem Kontrollbesuch nicht mehr verbergen.

Nach der seit 2010 eingeführten, neuen internationalen Einheit (in Promille) liegt der HbA1c-Wert bei gesunden Menschen zwischen etwa 30 und 45 mmol/mol, mit zunehmendem Alter kann dieser Wert auch noch etwas höher sein. Beim Diabetes-Kranken liegt dieser Wert im Bereich zwischen 48 und 58 mmol/mol, bei älteren Patienten kann dieser Wert auf über 65 mmol/mol ansteigen. Zur Vervollständigung werden hier noch einmal die allgemein gebräuchlichen Werte (die weiterhin ihre Gültigkeit haben) in Prozent erwähnt. Diese liegen bei einem Gesunden zwischen fünfeinhalb und sechseinhalb Prozent, bei dem an Diabetes Erkrankten liegen die Werte oberhalb der sechseinhalb Prozent.

Der HbA1c-Wert liefert wichtige Erkenntnisse über die vorangegangenen Wochen. Er besitzt jedoch keine alleingültige Aussagekraft in Hinblick auf den Blutzuckerspiegel und sollte daher immer nur in Kombination mit weiteren Untersuchungen betrachtet werden. Bei alleiniger Betrachtung ist die Gefahr von Fehlinterpretationen des Wertes gegeben. Kurzfristige Blutzuckerspitzen (eine deutliche Erhöhung des Spiegels über zwei bis vier Stunden) lassen sich nicht immer nachweisen, da kleine Blutzuckererhöhungen z.T. rasch wieder abgebaut werden können. Über einen langfristigen Zeitraum betrachtet, können aber bereits diese kleinen Blutzuckerveränderungen zu einer Schädigung des Gefäß- und Nervensystems führen.

Bestimmte Erkrankungen können zu einer Veränderung des HbA1c-Wertes führen, die eine reale Bewertung des Blutzuckerspiegel-Verlaufes nicht zulassen. Auch hier ist die Gefahr einer Fehlinterpretation zu groß. So kommt es u.a. zu einem erniedrigten Wert bei Nierenerkrankungen oder auch bei Blutverlust. Eine Erhöhung über den Referenzbereich lässt sich unter anderem feststellen bei Eisenmangel oder auch einer Milzentfernung.

Generell gilt jedoch: je kleiner der HbA1c-Wert, desto besser ist dies für die Gesundheit des Getesteten (und desto geringer ist das Risiko einer durch Zucker verursachten Folgeerkrankung).

Die Auswertung der Langzeitergebnisse unterstützt den behandelnden Arzt bei der Einschätzung seiner Therapie. So kann er, unter Zuhilfenahme weiterer Laborergebnisse und Untersuchungen, z.B. sehen, ob eine medikamentöse Behandlung ausreichend ist, ob die verordnete Ernährungsumstellung eine Wirkung erzielt hat oder ob, langfristig betrachtet, z.B. Insulin-Injektionen zum Einsatz kommen müssen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 17.03.2015 aktualisiert