Biofeedback - Hoffnung nicht nur für
Schmerzpatienten
Die Biofeedback-Therapie (nicht zu verwechseln mit der Bioresonanztherapie) zählt zu den Verhaltenstherapien.
Über physiologische Messungen werden ansonsten unterschwellig ablaufende, physiologische Prozesse auf den
Rechner übertragen und graphisch auf dem Monitor für den Patienten sichtbar und bewusst gemacht, wie z. B.:
- Puls- und Atemfrequenz
- Blutdruck
- Gehirnströme
- Hautleitwert bzw. Hautwiderstand und Hauttemperatur
- Sauerstoffgehalt des Blutes
- Muskelpotentiale
Der Patient erhält eine unmittelbare Rückmeldung, - das so genannte Feedback -, und kann Verläufe beeinflussen
oder sogar gezielt steuern. Patienten mit Rückenproblemen werden z. B. mit dem PC verbundene Sensoren auf bestimmte
Muskelpartien gesetzt, die bei Anspannung elektrische Signale senden, welche von dem Programm optisch (oder auch
akustisch) umgesetzt werden.
Spannt ein Patient einen Muskel zu stark an, reagiert der Computer, indem er einen unangenehmen Ton produziert
oder ein optisches Signal anzeigt: Eine Aufforderung an den Patienten, die Aktivität dieser Muskelregion mittels
unterschiedlichster Strategien zu dämpfen und gleichzeitig am Bildschirm beobachten, ob sein Bemühen den
gewünschten Erfolg zeigt. Auf diese Weise trägt der Patient aktiv steuernd zur Verbesserung seiner chronischen
Verfasstheit und deren Symptomen bei.
Migränepatienten beobachten über ein Kurven-Diagramm Herzschlag, Körpertemperatur, die so genannte Wohlfühllinie
sowie die eigene Atemkurve. Messgeräte befinden sich hier an der Stirn und als eine Art Gürtel um den Bauch:
Patienten erlernen die Bauchatmung, während sie gleichzeitig unmittelbare, entspannende Effekte mittels
Pulsfrequenz-Kurve auf dem Monitor verzeichnen können. Eine weitere Möglichkeit: Die Anzeige des Durchmessers der
während des Migräneanfalls erweiterten Adern, - der Patient lernt durch Übung, diesen Durchmesser zu verringern und
die Übungen anschließend auch ohne den Blick auf den Bildschirm erfolgreich auszuführen.
Nach Aussage der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback (DGBfb) ist diese Behandlung bei bis zu 80
Prozent der Patienten mit chronischer Schmerzzuständen von Erfolg gekrönt.
Üblicherweise dauert eine Behandlung nicht mehr als zehn Sitzungen. Nicht nur bei chronischen Schmerzzuständen,
sondern auch Erkrankungen wie Epilepsie, posttraumatischen Störungen und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit
Hyperaktivität) sowie Tinnitus verspricht die Biofeedback-Therapie gute Erfolge. Studien hinsichtlich chronischem
Tinnitus ergaben, dass sich die Patienten weniger stark auf ihr Ohrgeräusch konzentrierten und daher auch insgesamt
weniger an Verspannungen und Verkrampfungen litten.
Desweiteren belegen Forschungen an der Universität Marburg, dass auch bei chronischer Obstipation (Verstopfung)
und Reizdarm Verbesserungen des Patientenbefindens erreicht werden konnten.
Der Bereich Biofeedback als Institution der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) existiert
seit 2002 und bildet zum Biofeedbacktherapeuten bzw. Biofeedback–Trainer aus. Deutschlandweit bieten über 200 Ärzte
und Psychotherapeuten, vorwiegend in den alten Bundesländern, die Biofeedback-Therapie an.
Leistungen dieser Therapieform sind derzeit noch IGeL-Leistungen, für einen Termin müssen zwischen 70 und 130
Euro angesetzt werden. Die Biofeedback-Therapie wird trotz erwiesener Erfolge, die etwa bei der Behandlung von
Kindern und Menschen mit Handicap nicht von der Hand zu weisen sind, leider nur in einzelnen Fällen, etwa im Rahmen
einer umfassenderenVerhaltenstherapie, von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
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