Die Prinzipien der Spagyrik

Wodurch zeichnet sich die Spagyrik aus?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Spagyrik begreift den einzelnen Menschen als immanenten Teil der Natur, auf dessen Wohlbefinden nicht nur nachweisbare, sondern auch wenige greifbare Faktoren prägend einwirken. Ziel dieser Therapierichtung ist der Einsatz positiver Naturkräfte im Sinne der Gesunderhaltung und Regeneration. Mediziner wie Paracelsus von Hohenheim (1493-1541) erkannten früh die lebensfördernden Kräfte der Naturreiche.

Naturheilkräfte werden von der Spagyrik zu therapeutisch wirksamen Arzneimitteln weiterentwickelt, indem diese von ihrer nicht verwertbaren Grundsubstanz gelöst und schließlich im Sinne eines intensiven, ganzheitlichen Heilmittels genutzt werden können.

Wie der Begriffsursprung bereits sagt, befasst sich die Spagyrik mit Prozessen des Trennens (gr. Spaein) und Vereinens (gr. Agarein): Der Prozess der Arzneimittelherstellung vereint separate Elemente gemeinsamen Ursprungs und entwickelt Zubereitungen, indem verschiedene Naturstoffe unterschiedlicher Naturreiche zusammengebracht werden, die sich in Mineral-, Pflanzen- und Tierreich gliedern. Spagyrisch verstandene Heilkräfte sind in unterschiedlicher Gestalt Kräutern, Mineralien und weiteren Naturstoffen immanent, aus welchen stoffspezifische Heilkräfte für die Arzneiherstellung extrahiert werden.

Heilkräfte erreichen eine therapeutisch geleitete Regeneration der physiologischen Körperprozesse und seiner Gewebe sowie deren völlige oder partielle Heilung. Die Heilkraft Mercurius ist, für sich genommen, neutral: Ihre Ausrichtung folgt der Indikation der jeweiligen Arznei.

Pharmakologischen Arzneien können im Gegensatz zu therapeutisch wirksamen zu Reboundeffekten führen, - wie etwa Schlaflosigkeit bei Absetzen von Schlafmitteln. Chemische Substanzen erzeugen pharmakologische Wirkungen, wie Stoffe, die eine Hemmung des ß-adrenergen, sympathischen Systems bewirken: Der Blutdruck sinkt, - bei Gesunden wie Kranken. Wirkstoffe blockieren die Rezeptoren, Botenstoffe wirken nicht länger, und es werden nur scheinbar physiologische Verhältnisse erreicht. Solche Substanzen sind für schnelle Wirkungseintritte nur im Notfall sinnvoll.

Welcher Verfahren bedient sich die Spagyrik?

Aus einer Pflanze erhält man mittels diverser Verfahren über die Gewinnung von unterschiedlichen Heilkräften aus Naturkräften Arzneien für unterschiedliche Anwendungen. Eine kombinierte Zubereitung unterschiedlicher Herkunft erhöht die Heilkräfte der Arznei.

Ein Laborverfahren ist das sogenannte Löseverfahren: Feststoffe werden in nicht petrochemischen Lösungsmitteln, die nicht mit dem zu lösenden Stoff reagieren dürfen, wie destilliertem Wasser oder Weingeist, aufgelöst. Bei der Extraktion hingegen werden Bestandteile, etwa aus pflanzlichem Material, mit und ohne Wärmeeinwirkung herausgelöst. Bei der Tinkturenherstellung handelt es sich um Mazerationen frischer Pflanzenteile.

Fermentative Verfahren sind milchsaure und ethanolische Gärungen. In Mehrfach-Destillationsverfahren werden Destillate immer wieder zurückgeführt und erneut abdestilliert. Natürlich-rhythmische Zirkulation oder Rotation, eine Rückflussdestillation, erfolgte vormals im Glasgerät Pelikan, - daher der Begriff der Pelikanisierung. Kohobation und Destillaton trennen Stoffe unter Freisetzung von Heilkräfte und Heilkrafterhöhung des Ausgangsstoffes (sog. Exaltatio), Ziel aller spagyrischen Verfahren. Dieses Verfahren unterscheidet sind grundlegend von dem der Homöopathie und der Schüßler Salze.

Das Lösungs- und Extraktionsverfahren der Digestion bedient sich gemäßigter Wärme, während bei der Calcination, der Röstung oder Verbrennung zu Asche (Calcinat) höhere Temperaturen eingesetzt werden. Bei der Reverberation, dem Brennen, werden die Grundstoffe aufschließende Zusatzstoffe beigefügt. Als Konjugation oder Konjunktion bezeichnet man das die indikationsspezifische Wirksamkeit erhöhende Verbinden von Zubereitungen zum Präparat.

Nach welchen Prinzipien wirken spagyrische Arzneien?

Spagyrische Arzneimittel therapieren spezifische Organe und revitalisieren den Organismus als Ganzes. Einzel-Zubereitungen kombinieren verschiedene spagyrische Produkte gleichen pflanzlichen Materials, beispielsweise wässrig-ethanolische Pflanzenauszüge mit löslichen Bestandteilen von Asche zwecks Anreicherung.

Kombinationspräparate kombinieren Zubereitungen unterschiedlicher Naturreiche (wie eine Venuspflanze mit dem Venusmetall Kupfer, Metalle mit Pflanzen, Metalle mit Metallen und Kombinationen mit Kombinationen). Die Termini Sal (für Physis), Merkur (für Lebenskraft)und Sulfur (für das formgebende Prinzip) bezeichnen die drei philosophischen Prinzipien der Alchemie.

Beeinträchtigungen des ordnenden Prinzips Sulfur führen zu chronischen Organerkrankungen. Entsprechende Arzneimittel wirken auf Physis und Strukturierung der Vital-Ebene.

Die stofflich-materielle Basis repräsentiert das Sal-Prinzip. Das Merkur-Prinzip ist die neutrale, anonyme Heilkraft. Das Sulfur-Prinzip ist auf die indikationsspezifische Ausrichtung der Heilkraft bezogen.

Chemisch definierte Arzneimittel wirken durch die Zerstörung biologischer Strukturen stofflich irreversibel. Spagyrische Arzneien wirken auf den psychischen, vitalen und materiellen Bereich und die Regeneration physiologischer Prozesse bei chronischen Erkrankungen.

Ziel spagyrischer Prozesse ist die Entstehung von therapeutisch wirksamen Heilmitteln, die im Phönix Laboratorium des Gründers und Theosophen Conrad Johann Glückselig seit 1925 unter Verwendung von Metallen und Pflanzen hergestellt werden. Metalle verkörpern die auf den menschlichen Mikrokosmos wirkenden Kräfte der Himmelskörper Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

Metall-Besteck darf allerdings nicht zum Einnehmen der Arzneimittel verwendet werden, denn die Legierungen könnten mit den Metallen der Arznei reagieren.

Die Erde repräsentiert die menschliche Gestaltungskraft und entgiftet über die Erdkraft des Antimon-Minerals den Organismus für die Aufnahme der Planetenkräfte.

Die erwärmende Sonnenkraft des Goldes unterstützt Herz, Kreislauf und Körperwärmeregulation und wirkt stimmungsaufhellend. Johanniskraut ist eine "Sonnen-Pflanze".

Kühl-beruhigendes Silber repräsentiert den wasserbezogenen Mond, der Austrocknung entgegenwirkt und zentrales Nervensystem, Kleinhirn, Monatszyklen und Schlafverhalten beeinflusst. Die Silberkerze ist eine bei Menstruationsbeschwerden und Schlafstörungen wirksame Lunar-Pflanze.

Quecksilber steht für Merkur, mental wie körperlich zwischen betroffenen Organen sowie Körper, Geist und Heilkräften vermittelnd und mit weiteren Zubereitungen kombiniert therapeutisch auf den Organismus wirkend, ist er Teil fast aller Produkte.

Kupfer repräsentiert die harmonische, entspannende Venus: Zellstoffwechsel und Nierenproduktion werden gefördert. Die Zubereitungen der Echten Goldrute fördern die Ausscheidung bei Harnwegs- und Nierenerkrankungen.

Eisen zeigt das aktive, kämpferische Marsprinzip, das aktiv überwältigend auf Verdauungsorgane, Galle und Immunabwehr einwirkt, die Blutbildung fördert und die Gefäße stärkt. Die Brennnessel wirkt hervorragend bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis.

Jupiter wird das energiefördernde, stabilisierende Zink, sinnvoll in der Leberbehandlung, zugeordnet. Zubereitungen der Rosskastanie haben adstringierende, antiödematöse und venentonisierende Wirkungen.
Saturn beruhigt, kühlt und festigt, vertreten durch das Metall Blei. Saturn-Kombinationen heilen Koliken sowie Bindegewebserkrankungen und bekämpfen Schlackenablagerungen. Auch der Grundstoff Weinstein wird Saturn zugeordnet.

Die Grundstoffe der Spagyrik stehen in direkter Verbindung zu physiologischen und pathologischen Organprozessen.

Auch Pflanzen sind Träger kombinierter Planetenkräfte und werden von wenigstens drei Planeten beherrscht, wie Kamille von Sonne, Merkur und Mond.

Pflanzliche und metallische Zubereitungen sorgen mittels Konjugation für Kräfteaktivierung und Heilkrafterhöhung. Beim Anbau von Heilpflanzen spielen natürliche Rhythmen eine wichtige Rolle. Arzneien sind nur flüssig zu haben, denn ihre Komponenten verflüssigen sich im Trocknungsprozess (etwa zu Globuli), - die Spagyrik arbeitet mit indikationsbezogenen Heilkräften.

Für eine präzise Therapie ist es zwingend, dass Zubereitungen dieselbe Planetenausrichtung wie das zu behandelnde Organ haben. Patienten mit Herzinsuffizienz behandelt man beispielweise indikationsspezifischen, "sonnenausgerichteten" Zubereitungen. Ausgewogene Ernährung und Lebensführung fördern ergänzend Heilung und inneres Gleichgewicht.

Spagyrische Arzneimittel sind neben ganzheitlicher Diagnose und auf die spagryrische Philosophie bezogene integrale Therapien nur eine Säule der spagyrischen Therapie. Folgend Conrad Johann Glückselig wird der Körper als „eine harmonische Stufenreihe von Schwingungen“ betrachtet, die „bis ins Mineralreich“ führt.

Heilverfahren die ähnlich sind, aber auch mit der Spagyrik verwechselt werden: Bachblüten - Isopathie - Sanum Therapie - Homöopathie - Schüssler Salze - Homotoxikologie - Spenglersan Kolloid Therapie

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.07.2012 aktualisiert