Morbus Crohn - Die Chronische
Darmentzündung
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Morbus Crohn zählt, wie auch die Colitis ulcerosa, zu den
chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Diese in Schüben verlaufende Krankheit
befällt (im Unterschied zur Kolitis) alle Wandschichten und findet sich in allen Regionen des Magen-Darm-Traktes,
u.a. auch in der Speiseröhre (0,5 Prozent).
Die Inzidenz in westlichen und nordamerikanischen Ländern liegt bei 10 bis 20 pro 100.000 Menschen, wobei sich
eine vermehrte Erkrankungsrate im Alter zwischen 15 und 35 Lebensjahren manifestiert. Auch ethnische Unterschiede
sind feststellbar, hellhäutige Menschen erkranken ca. doppelt so oft wie dunkelhäutige.
Obwohl die Erkrankung den gesamten Magen-Darm-Trakt befallen kann, findet sich der Morbus Crohn hauptsächlich in
den Bereichen des terminalen Ileums (unterer Dünndarmabschnitt), im Ileokolon (Übergang zum Dickdarm) sowie im
Dickdarm und im Analbereich.
Die genauen Entwicklungsprozesse der Entstehung sind noch nicht eindeutig geklärt. Es zeigt sich neben
infektiösen Ursachen u.a. eine familiäre Disposition. Gut 25 Prozent der Nachkommen erkranken ebenfalls an der CED,
daneben besteht auch ein erhöhtes Risiko bei monozygoten (eineiigen) Zwillingen. Ca. 20 Prozent aller
Erkrankungsfälle in der Bundesrepublik weisen eine Genmutation des CARD15-Gens auf, welches unter physiologischen
Bedingungen ein Aktivator für die Ausbildung eines Zellsensors für Bakterienprodukte ist. Durch Störung des Gens
können Bakterien nicht mehr als schädlich erkannt werden, das Immunsystem ist gestört. Auch die Ernährung spielt
eine Rolle, z.B. begünstigt vermehrter Kohlenhydratkonsum die Entstehung. Psychosomatische Einflüsse, wie z.B.
körperlicher und psychischer Stress, sowie Umwelteinflüsse (u.a. Rauchen, vermehrter Alkoholkonsum, Drogen,
Chemikalien) können sich negativ auf den Magen-Darm-Trakt auswirken und die Entstehung eines Morbus Crohn fördern
bzw. einen bereits vorhandenen in seiner Symptomatik verstärken (z.B. erhöhte Schubrate).
Betroffene leiden vor allem an dauerhaften, wässrigen Durchfällen (nahezu 90 Prozent), eher selten sind die für eine
Colitis ulcerosa typischen Blutbeimengungen, auch Schleimauflagen werden kaum
diagnostiziert. Daneben kommt es zu kolikartigen Schmerzen, vermehrt im rechten Unterbauch, Appetitlosigkeit,
allgemeinem Unwohlsein, andauernder Müdigkeit und Leistungsabfall, Übelkeit,
Erbrechen und Fieber. Vermehrt ist ein Gewichtsverlust (bei ca. 60 Prozent) feststellbar, das Hautbild verändert
sich (z.B. trockene, spröde Hautareale oder Ausschlag). Nicht selten bilden sich im Verlauf eine Anämie (Blutarmut, verminderte rote
Blutkörperchen = Erythrozyten) oder eine Lymphozytose
(erhöhte Leukozytenanzahl = weiße Blutkörperchen) aus. Eine vermehrte Gallensteinbildung kann beobachtet werden,
Leber und umgebende Gewebe können entzündlich verändert sein. Durch die anhaltenden Durchfälle drohen
Mangelerscheinungen (Vitamine, Spurenelemente, Elektrolyte), der vermehrte Flüssigkeitsverlust führt neben einer
möglichen Austrocknung zu einer Beeinträchtigung des gesamten Kreislaufsystems (v.a. pH-Wert-Verschiebung,
Blutdruckschwankungen).
Nicht immer ist nur ein Darmbereich betroffen. Der segmentale, diskontinuierliche Befall weist gleichzeitig
Entzündungsprozesse an verschiedenen Darmabschnitten auf und bewirkt damit eine verstärkte Symptomatik bei
gleichzeitig erschwerter Therapie.
Durch die andauernden Reize im Darm können sich Fisteln (Verbindungsgänge zwischen zwei Organen oder
verschiedenen Geweben) ausbilden. Die Innenwände des Darms neigen zu vermehrtem Gewebewachstum, das dadurch immer
enger werdende Darmlumen kann zu einem Verschluss (Ileus) führen, einer
lebensbedrohlichen Komplikation. Auch besteht die Gefahr der tumorösen Entartung, geschwächte oder brüchige
Darmabschnitte können perforieren, der Darminhalt gelangt dann in die Bauchhöhle und führt zu einer Peritonitis
(Bauchfellentzündung).
Zur differentialdiagnostischen Abklärung (u.a. von Appendizitis, Colitis ulcerosa) werden neben der Anamnese
verschiedene Verfahren zur Befundung der Magen-Darm-Verhältnisse eingesetzt. Hier dienen v.a. die Sonographie
(Ultraschall) und die Koloskopie (Darmspiegelung). U.U. werden Probebiopsien entnommen. Daneben werden auch die
Röntgendarstellung des Darms mit Kontrastmittel, die Magnetresonanz oder die Videokapselendoskopie genutzt. Im
Blutbild werden Entzündungszeichen ausgewertet (erhöhtes CRP),
Stuhlproben geben Aufschluss über die Zusammensetzung.
Die Therapie zielt vornehmlich auf eine Linderung der Symptome ab, eine
Heilung ist nicht möglich, der Verlauf kann nur verlangsamt werden. Medikamente dienen der Eindämmung von
Durchfällen und Schmerzen, Cortison-haltige Präparate wirken
entzündungshemmend. Mangelerscheinungen werden evtl. parenteral ausgeglichen. Bei auftretenden Komplikationen
muss die betroffene Darmregion operativ entfernt werden (u.U. ein sich wiederholender Eingriff, bedingt durch
den nicht aufzuhaltenden Verlauf).

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