Phlebologie: Die Gefäßkrankheiten
Gefäßerkrankungen - Verständlich Erklärt
Die Angiologie beschäftigt sich mit Erkrankungen des menschlichen Gefäßsystems. Häufig wird das auch unter dem
Begriff "Durchblutungsstörungen" zusammengefasst, was aber nicht ganz
stimmt. Gefäßerkrankungen werden im allgemeinen in Erkrankungen der Arterien, Venen und der Lymphsysteme
unterschieden.
Mehr als 150.000 Kilometer an Blutgefäßen liegen im menschlichen Körper verteilt, versorgen ihn mit Sauerstoff
und Nährstoffen und dienen als Kommunikationsweg von Organen. Venen transportieren das Blut zum Herzen hin,
Arterien wieder davon weg.
Diagnostik von Gefäßerkrankungen
Neben den üblichen Untersuchungsmethoden werden hauptsächlich Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen (z.B.
Angiographie, Phlebographie) sowie die MRT zur Diagnose genutzt.
Die häufigsten Erkrankungen der Gefäße
Fast 95 Prozent aller arterieller Erkrankungen entstehen durch eine Arteriosklerose („Verkalkung“ der Arterien), die auftritt, wenn sich
Blutfette, Gerinnsel, Bindegewebe und Kalk in den
Gefäßwänden ablagern = Plaques. Die Sklerose kann alle Arterien des Körpers betreffen und verursacht, bedingt durch
Stenosen (Verstopfungen) v.a. Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Erkrankung begünstigende Faktoren sind Übergewicht,
ein hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes
mellitus (Zuckerkrankheit). Als Ursache gilt immer noch die Meinung, dass v.a. das LDL-Cholesterin
verantwortlich sei, welches Entzündungsprozesse durch Anlagerung an Gefäßwände hervorruft. Durch Aufbrechen der
Zellstruktur kann sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) bilden, welches zu einem Verschluss führen kann. Je nach
befallener Region zeigen sich die dafür typischen Erkrankungen wie z.B. Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und
arterielle Verschlusskrankheit.
Bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) handelt es
sich um eine durch verengte Herzkranzgefäße bedingte Durchblutungsstörung des Herzmuskels. Der Sauerstoffmangel
führt zu Zellschädigungen am Herzen, es kommt zu den typischen Schmerzen in der Brust (Angina pectoris),
Schweißausbrüchen und dem Gefühl der Todesangst. Begünstigende Faktoren sind Übergewicht, Diabetes
mellitus, Bluthochdruck, Stress, Rauchen und
erhöhte Blutfettwerte. Folge einer unbehandelten
KHK kann der Herzinfarkt sein.
Der Schlaganfall (Apoplex) zählt zusammen mit Herzerkrankungen und
Krebs zu den häufigsten Todesursachen. Auslöser für die meist
im Alter auftretende Erkrankung sind eine plötzliche Thrombose oder Embolie im Gehirn sowie eine Hirnblutung. Es
kommt zu neurologischen Ausfällen wie z.B. Sprach- oder Schluckstörungen, halbseitiger Lähmung (Hemiplegie),
Bewusstlosigkeit, daneben auch Schwindel, Verwirrtheit und Sehstörungen. Begünstigende Faktoren sind u.a.
Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Rauchen. Ein Warnsignal kann die TIA sein (transitorisch-ischämische Attacke,
neurologische Störung), deren Apoplex-ähnliche Symptome sich innerhalb von 24 Stunden zurückbilden. Fast jeder
dritte Schlaganfall endet immer noch tödlich.
Unter der arteriellen Verschlusskrankheit (AVK) versteht man eine Störung der arteriellen
Durchblutung der Extremitäten, die sich zu Beginn ohne Beschwerden zeigt. Im Verlauf treten Schmerzen nach längeren
Laufstrecken, häufig mit schlecht durchbluteten Füßen oder Beinen (Kältegefühl), auf. Die AVK wird in vier Stadien
eingeteilt, wobei sich im zweiten Stadium das typische Bild des Schaufenstergangs zeigt (Claudicatio intermittens –
häufiges Stehenbleiben bedingt durch Schmerzen). Stadium 3 ist durch Ruheschmerz gekennzeichnet, das vierte Stadium
weist Nekrosen (Zelluntergang, Absterben von Gewebe) und die Gangrän (Gewebeuntergang durch Mangelversorgung) der
betroffenen Region auf. Auch das klassische Raucherbein kann so entstehen.
Zu den häufigsten Venenerkrankungen zählen das Krampfaderleiden (Varikose) und
die Venenthrombose (Verschluss eines Gefäßes). Um die 60 Prozent der Bevölkerung leiden an
varikösen Veränderungen, dabei Frauen doppelt so häufig wie Männer. Bei der primären Form entwickelt sich eine
Erweiterung einzelner, meist oberflächlich gelegener Beinvenen. Die Venenklappen der Gefäße sind nicht mehr in der
Lage, sich zu schließen (Insuffizienz) und führen zu einem Rückstau von Blut, der die Erweiterung verursacht. Meist
liegt eine anlagebedingte Bindegewebsschwäche vor, daneben können langes Stehen oder Sitzen ohne Bewegung oder eng
anliegende Kleidung eine Varikose begünstigen. Sekundäre Varizen (Krampfadern) entstehen durch Abflussbehinderungen
in den tiefen Beinvenen, z.B. Thrombosen. Eine Veranlagung zu Krampfadern zeigt sich schon in jungen
Jahren, wobei die haut bläuliche Knötchen aufweist (kosmetisches Problem). Im Verlauf kommen ein Schweregefühl der
Beine, Anschwellen im Knöchelbereich, nächtliche Wadenkrämpfe und zunehmende Symptome in Sommermonaten hinzu.
Varizen stellen in der Regel keine bedrohliche Erkrankung dar. Durch übermäßige Erweiterung können
die Gefäße platzen und in die Haut einbluten. Der verlangsamte Blutfluss kann die Entstehung von Thrombose oder
Entzündung (Varikophlebitis) fördern. Eine Ödembildung schädigt durch austretendes Gewebewasser
die Haut, die sich gespannt und dunkel verfärbt zeigt, einreißen und dort ein Geschwür ausbilden kann
(Ulcus cruris – offenes Bein).
Zu einem Verschluss von Venen kann es durch einen verlangsamten Blutfluss oder die erhöhte
Gerinnungsneigung des Blutes kommen. Faktoren wie z.B. Bettlägerigkeit, allgemeiner Bewegungsmangel,
Infektionskrankheiten, Übergewicht, Verletzungen oder Herzinsuffizienz können die Entstehung begünstigen. Es zeigen
sich v.a. spontane Schmerzen im betroffenen Bein, Druckschmerz an der Innenseite des Fußes (Payr-Zeichen),
Wadenschmerz bei Beugung des Fußes sowie eine deutliche Zeichnung der oberflächlichen Venen auf der Haut. Die
seltenere Form der Armthrombose führt zu extremen Schwellungen und ist besonders schmerzhaft. Eine durch
Thrombose verursachte Embolie (Einschwemmen eines Blutgerinnsels, z.B. in Lunge oder Gehirn) kann
lebensbedrohlich sein.
Bei den Erkrankungen der Lymphgefäße zeigt sich z.B. das schmerzlose Lymphödem (Schwellung durch einen Lymphstau, meist von Arm oder Bein),
welches in der Primärform hauptsächlich durch Fehlen (Atresie) oder Schwäche bestimmter Lymphbahnen entsteht. Das
sekundäre Lymphödem ist Folge weiterer Erkrankungen. Die Elefantiasis ist eine schwere, nicht mehr
reversible Form des Lymphödems. Daneben zeigen sich u.a. auch das Erysipel oder die
Lymphangitis als entzündliche Erkrankungen.
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