Sommerdepression: Ursachen, Entstehung und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Wenn die trüben Tage kommen, das Laub sich von den Bäumen verabschiedet hat und die Sonne sich nur noch in Ausnahmefällen zu zeigen wagt, dann ist nicht nur die Vitamin-D-Versorgung für fast ein halbes Jahr unterbrochen. Dazu hatte ich auch schon mal in meinem Beitrag „Böse Sonne, gute Sonne – neue Erkenntnisse zum Vitamin D“ berichtet.

Trübsal und düstere Gedanken scheinen sich dann ebenfalls der allgemeinen Stimmungslage der Natur anzupassen und die Winterdepression hält bei uns Einzug. Der andere Grund für eine eher depressive Grundstimmung liegt in der Verkürzung der Tageszeit, also der Zeit, in der es hell ist. Längere Dunkelzeiten bedingen eine höhere Produktion an Melatonin, das wiederum aus der Muttersubstanz Serotonin gebildet wird. Abfallende Konzentrationen des „Glückshormons“ sind letztendlich mit eine Ursache für depressive Verstimmungen.

Soweit klingt dies alles recht einleuchtend und ist alles andere als eine neue „Erkenntnis“. Neu dagegen ist die Botschaft einer Pressemitteilung der KKH-Allianz, der viertgrößten deutschen Krankenversicherung. Denn die Krankenversicherung verkündet: „Sommerzeit macht depressiver als die Winterzeit“. Und dabei ist doch die Sommerzeit mit Sonne und Wonne verbunden, oder? Was läuft hier falsch?

Erstens bezieht sich das Wort „Sommerzeit“ nicht auf die Zeit im Sommer. Mit der Einführung der Sommerzeit hatten die Verantwortlichen überhaupt nicht das Wohlempfinden und Vergnügen der Bevölkerung im Sinn. Es ging hier um Vorteile für Staat und Gesellschaft, die heute bereits tausendfach widerlegt worden sind. Und die „Sommerzeit“ ist nichts als eine Zeitumstellung, die während des Sommers und Teilen von Frühjahr und Herbst zu ertragen ist.

Und was man aufgrund der „Sommerzeit“, der Zeitumstellung während des Sommers, ertragen muss, das macht die Pressemitteilung klar. Denn die Versicherung hatte ihre hauseigene Statistik bemüht, um hier Unterschiede zur „Winterzeit“ zu erkennen.
Denn mit dem Start der „Winterzeit“ kommt es zu einen signifikanten Anstieg der Krankmeldungen von Arbeitnehmern und sogar Selbstständigen. Man könnte hier die Winterzeit als mittelbare Ursache annehmen. Da aber diese Krankmeldungen anscheinend bei der Zeitumstellung erfolgen, kann die Winterzeit noch gar nicht so schnell wirksam geworden sein. Denn auch die Effekte von sich verändernden Lichtverhältnissen, die zur Depression führen können, brauchen ihre Zeit. Es ist vielmehr anzunehmen, dass die Umstellung selbst und damit die kleine 1-Stunden-Verschiebung im Schlaf-Wach-Rhythmus die Ursache für diese Beobachtung ist. Die Krankenversicherung spricht hier von einem Viertel weniger depressionsbedingten Krankmeldungen im Winter im Vergleich zum Sommer beziehungsweise Winterzeit versus Sommerzeit. Eine mögliche Erklärung wäre, dass viele Menschen deprimiert werden, wenn sie bei schönem, sonnigem Wetter arbeiten müssen, anstatt im Freibad Sonne zu tanken oder in der Sonne Urlaub zu machen. Da meldet man sich lieber krank und tankt Sonne als Krankgeschriebener auf dem heimischen Balkon. Das ist jetzt nur eine Vermutung beziehungsweise der Versuch einer Erklärung und erhebt keinen Anspruch auf absolute Evidenzbasiertheit. Denn wer die Sonne rund ein halbes Jahr jahreszeitlich bedingt vermissen muss, der wird kaum Vergnügen an Beschäftigungen finden, die ihn oder sie von dem Genuss der Sonne abhalten.

Weiter mit den Daten der KKH-Allianz: Denn jetzt kommt eine überraschend lange Liste an gesundheitlichen Problemen, die in der Winterzeit weniger häufig auftreten als während der Sommerzeit. Migräne zum Beispiel ist während der Winterzeit zu einem Drittel weniger häufig als in der Sommerzeit.

Aus Gründen, die nicht erklärt werden und für die ich auch keine Erklärung habe (im Augenblick jedenfalls), werden Erkrankungen im Winter schneller kuriert als im Sommer. Statt 15,5 Krankentage im Sommer erholen sich die Kranken im Winter in 13,5 Tagen, also 2 Tage schneller. Auch hier wäre obige Erklärung von einem längeren Fernbleiben von der Arbeit unter sonnigen Bedingungen denkbar.
Rückenschmerzen sind statistisch die häufigste Erkrankung, weshalb der Arzt eine Krankmeldung ausschreibt. Aber nur während der Sommerzeit sind sie die Nummer 1 der Krankmeldungen. Während der Winterzeit sind Infektionen der oberen Atemwege die Nummer 1.

Gefährliche Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit

Eine Meldung, die sich nahtlos an die Pressemitteilung der KKH-Allianz anschließt, ist ein Beitrag von „Medizinauskunft“ (Zeitumstellung: Mehr Herzinfarkte). Dieser Beitrag ist schon etwas älter, aber dennoch aktuell wie zu der Zeit als er entstand. Denn hier werden DAK-Krankenhaus-Daten bemüht, die gezeigt haben, dass gerade die Umstellung von der „Winterzeit“ auf die „Sommerzeit“ mit einer kleinen Verzögerung von wenigen Tagen die Zahl der Herzinfarkte um 25 Prozent ansteigen lässt. Grund hierfür scheinen die künstlich verkürzten Nächte zu Beginn der Zeitumstellung zu sein, auf die sich nicht jeder sofort umstellen kann. Ich denke, dass eine Steigerung der Infarktraten um 25 Prozent mehr als evidenzbasierter Beweis sein sollten, die Ursache dafür auszuschalten. Jedenfalls sieht es so aus, dass eine Abschaffung dieser unseligen Zeitumstellung mehr Infarkte verhindern kann als Statine, Betablocker und andere kardiovaskulär wirksame Medikamente zusammen. Leider ist die Abschaffung der Zeitumstellung nicht gebührenpflichtig, im Gegensatz zu Medikamenten, so dass die Abschaffung der Zeitumstellung keinen finanziellen Anreiz zu bieten hat. Und eine Meldung von 25 Prozent weniger Infarkten ist auch nur dann von Interesse, wenn sie im Zusammenhang mit „Durchbrüchen“ der Schulmedizin stehen, die dann in der medizinischen Praxis „versilbert“ werden können.

Aber eine gesteigerte Tendenz zu kardiovaskulären Problemen ist nicht die einzige „Unbotmäßigkeit“, die die Zeitumstellung uns zumutet. Ich hatte bereits mehr dazu geschrieben, zum Beispiel:

Fazit

Nicht nur rebellierende Alternative fordern eine Abschaffung der Zeitumstellung. Jetzt tauchen sogar Krankenversicherungen auf, die diese Forderungen mit ihren Zahlen nur zu deutlich unterstützen. Da frage ich mich, warum man in der Politik hier plötzlich die Ohren verschließt, ist man doch sonst überaus offen gegenüber den Argumenten der Krankenkassen, wenn es darum geht,  zum Beispiel Homöopathie und alternative Heilmethoden vom Krankenkassenbetrieb auszuschließen. Natürlich haben die Krankenkassen ihre ureigenen Gründe, gegen die Zeitumstellung zu sein: Die Kosten für mehr Erkrankungen, bedingt durch die Zeitumstellung, sind für die Kassen eine vermeidbare finanzielle Belastung. Für mich sind sie in erster Linie eine vermeidbare gesundheitliche Belastung. Frage an die Juristen unter meinen Lesern: Ist das nicht schon eine Art der Körperverletzung, die man sich mit der gesamten Bevölkerung erlaubt?

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.12.2015 aktualisiert